Die Tagesschau bietet ihren Content neu auf ihrem Videoportal an - und listet dort auch gleich eine Statistik auf, die Aufschluss darüber gibt, welche Beiträge auf das meiste Interesse gestossen sind. Wie der Tagi scharfsinnig folgert, wird die Tagesschau sich deshalb an diesen Interessen orientieren. Heuchlerisch ist diese Kritik allein deshalb schon, weil die Newsnetz-Seite seit ihrem Start mit dieser Art von Statsitik arbeitet und News in Zukunft eine Art »best-of«- bzw. »Hitparaden«-Newsnetz sein soll (oder schon auf dem Weg dazu ist).
Die grundsätzliche Frage ist die: Sollen Medien schreiben, was die Leser lesen wollen, oder sollen die Leser lesen, was die Medien schreiben wollen? Die Frage tritt überall dort auf, wo es Angebote und Nachfragen gibt; denn Angebote können Nachfrage erzeugen, Nachfragen aber auch Angebote.
Das Problem bei der eigentlich offensichtlichen Antwort, Medien sollten über diejenigen Inhalte schreiben, die bedeutsam, wichtig, informativ, relevant etc. sind, ist die Frage, wer denn letztlich darüber entscheidet, welche Inhalte das sind. Eine liberale Position wäre es, den Lesern gerade diese Kompetenz zuzuschreiben und sich deshalb an ihren Bedürfnissen zu orientieren, weil es letztlich eine demokratische Vorgehensweise ist.
Nun tendiere ich - nicht unbedingt aus rationalen Gründen - zur Haltung, dass Medienschaffende mit Selbstbewusstsein, Gespür und vielen eigenen Interessen Leser dazu motivieren können, sich mit einem Stoff zu beschäftigen, für den sie sich vorgängig nicht interessieren, diese Beschäftigung aber als Gewinn empfinden. Der Vergleich mit einem freien Abend ist vielleicht angebracht: Willst du lieber auf dem heimischen Sopha sitzen und einen spannenden Krimi schauen, oder aber die hübsch anziehen, in die Stadt fahren und dort ein elitäres Theaterstück ansehen? Wenn das Theaterstück den»so-was-könnte-man-öfter-tun«-Effekt auslösen kann (und man dafür motiviert worden ist), dann ist wohl die spontane Antwort auf die Frage nicht unbedingt die richtige.
Was aus dem Beispiel folgt, ist die Forderung nach einem richtigen Umgang mit den Statistiken: Wenn Leser auf Stories klicken, in denen es um, sagen wir, Piratenüberfälle geht, dann heißt das nicht, dass sie sich generell für Piratenüberfälle interessieren, sondern dass die Story so aufgemacht war, dass sie sich für diese Story interessiert haben. Zu fragen wäre dann weiter, welche Beiträge wie lang angeschaut werden, und wie diese Beiträge geschrieben worden sind - nicht nur, worum es darin ging. Leser sind durchaus mündig - aber auch in der Lage, eine Herausforderung anzunehmen.
Montag, 24. August 2009
Huhn oder Ei - Medien und Statistik
Eingestellt von Philippe Wampfler um 09:17 Tags: Angebot und Nachfrage, Huhn und Ei, Medien, Newsnetz, SF, Statistik, Tages-Anzeiger, Tagesschau, Web 2.0
Donnerstag, 23. Juli 2009
Wanted
Dieser sympathische Wirt lässt auf seiner Homepage verlauten, zwei Gäste hätten bei ihm einen halben Liter Wein getrunken und dann die Rechnung nur partiell bezahlt, während er auf die Kantonspolizei gewartet habe. Freundlicherweise hätten andere Gäste Bilder von diesen beiden mutmasslichen Zechprellern gemacht, welche er dann auf seiner Homepage veröffentlichte. Das die Ausganglage.
Als nächstes berichtet die versammelte Boulevardpresse der Schweiz über diesen Fall, z.B. so. Dass der Effekt des »Internetsprangers« nur durch diesen zweiten Schritt entstanden ist, dass also Personen, an denen kein öffentliches Interesse besteht, in einem nationalen Medium eine Straftat unterstellt wird, dürfte im Hause Ringier niemandem auffallen, da Medienethik da als ein Relikt aus dem 20. Jahrhundert angesehen wird, das damals schon mehr Umstände bereitet hat, als Leserzahlen generiert.
Als dritter Punkt sieht sich der arme Wirt mit einer Welle der Entrüstung konfrontiert, auf die er reagieren muss. Seine Reaktion bezieht sich nicht auf seinen Umgang mit dem Datenschutz, dazu meint er:
«Ob ich da eine Bestimmung verletzt habe, ist mir egal – reklamieren können ja nur die beiden. Dann weiss ich wenigstens, an wen ich die Rechnung schicken kann!»Sondern er reagiert eloquent auf den Vorwurf, der Wein könnte etwas überteuert sein. Sein Wein kostet nämlich im Offenausschank 52.50 Fr. für 5 dl (im Einkauf wohl rund 15 Fr. pro 7dl Flasche, wie eine kurze Google-Recherche offenbart, mit der ich niemanden langweilen möchte). Fazit: Datenschutz, grundsätzliche rechtliche Überlegungen - all das kann einem egal sein, so lange niemand denkt, man verkaufe überteuerten Wein.
Und wie problematisch das Ganze wirklich ist, vielleicht noch einmal ganz abstrakt: Ich darf also ein Bild von zwei Personen im Internet und in Massenmedien veröffentlichen und ihnen eine Straftat unterstellen, die auf dem Bild nicht erkennbar ist - und denjenigen, die mir die Identität dieser Personen offenlegen können, eine Belohnung in Aussicht stellen.
Eingestellt von Philippe Wampfler um 11:31 Tags: Blick, Boulevard, Internet, Medien, Medienethik, Pranger, Zechprellerei
Mittwoch, 18. März 2009
Legal, illegal und so - wie geht runterladen aus dem Internet?
Heute informiert der Tagi seine Leser über die Möglichkeiten und Freuden des illegalen Downloadens - kaschiert als Artikel über den berüchtigten Internetpiraten aXXo, den, so wird angedeutet, es vielleicht gar nicht gibt, der aber den Eingeweihten zu über 1000 Gratis-DVDs verholfen hat. [zum Artikel]
Die Möglichkeiten, die der Tagi vorstellt, sind illegal, wie er selber auch erwähnt. Medienethische Fragen scheinen ohnehin für Medienschaffende von wenig belang zu sein, so ist wohl ein Spielverderber, wer fragt, ob es vertretbar ist, solche Anleitungen abzudrucken, obwohl sie voraussichtlich dazu gebraucht werden, um kriminelle Handlungen auszuführen.
Das Rechtsprinzip ist einfach: Runterladen darf man, hochladen nicht. Bittorrent-Protokolle laden aber immer hoch, also sind sie verboten (ausser man tauscht Inhalte, die keinem Copyright unterstehen). Rechtsgrundlagen finden sich hier.
Nun gibt es aber Möglichkeiten, in der Schweiz legal Files runterzuladen. Diese Möglichkeiten erlauben viel schnellere Downloads von Files der gleichen Qualität. Hier eine kleine Anleitung, vorerst aber noch ein Gedanke: Urheberrecht wird gehandhabt, als handle es sich dabei um einen Besitz (»geistiges Eigentum«). Diese Metaphorik vernebelt etwas die Sicht auf die Sache: Wenn ich etwas besitze, und jemand nimmt es mir weg, besitze ich es nicht mehr. Wenn ich aber das Urheberrecht besitze, und jemand kopiert mein »geistiges Eigentum«, so ist es auf keine Art und Weise gefährdet. Niemand behauptet, der Regisseur eines Films zu sein, den er aus dem Internet runtergeladen hat, und der Regisseur besitzt immer noch gleich viel wie zuvor. Worum es geht, ist ein Recht auf die kommerzielle Nutzung von geistigen Inhalten. Und darüber kann man sich - abseits vom Gesetz, oder als Grundlage - zumindest streiten.
Wie lädt man nun aber schnell und legal runter?
- JDownloader runterladen, installieren und konfigurieren (so, dass die Zwischenablage automatisch eingefügt wird).
- Sich Rapidshare-Links besorgen von den gewünschten Files, für Filme z.B. hier (deutsch) und hier (englisch) oder den Filmtitel "+Rapidshare" googeln [Alternative wäre Netload.in, siehe auch Kommentare].
- Wenn man bereit ist, ein bisschen was zu zahlen, ein Rapidshare-Premium-Account [bzw. Netlodad.in]lösen. Kostet was, bringt aber den gewünschten Speed (mit Cablecom 10000 >1000 kb / s).
- Das wärs. Hochladen tut man nichts, daher legal, so lange der Content in der Schweiz legal ist.
Eingestellt von Philippe Wampfler um 20:01 Tags: aXXo, Bittorrent, Downloads, geistiges Eigentum, illegal, jDownloader, Medien, Medienethik, Netload, Rapdishare, Tages-Anzeiger
Samstag, 9. Februar 2008
Falsche Informationen bei Teledata?
Bereits zwei Mal habe ich mich mit dem Informationssammeldienst Teledata auseinandergesetzt (hier und hier) und dabei herausgestrichen, wie problematisch es ist, dass Daten gesammelt werden, ohne dass die Betroffenen darüber in Kenntnis gesetzt worden sind und nur auf aufwändigste Art und Weise Einsicht in ihre Daten erhalten können.
Als ob das noch nicht genug wäre: Wie der Tages-Anzeiger am 7. Februar (S. 25, nicht online) berichtet, gibt es fehlerhafte oder gar falsche Einträge in Teledata. Wohlwollend wird von »veralteten« Einträgen gesprochen und zwar im Zusammenhang mit Aktienbeteiligungen an der UBS - doch wie verheerend solche Einträge bei Privatpersonen sein könnten, mag man sich kaum auszumalen, zumal Journalisten Teledata als einschlägige Quelle benutzen.
Mittwoch, 6. Februar 2008
Mengeli - Mörgele
Wieder mal ein kleiner Couchepin-SVP-Skandal, der nicht kommentiert zu werden braucht. Zwei Bemerkungen sind aber nötig:
Erstens: Was hat Mörgeli in diesem Tagesschau-Video genau für eine Frisur?
Zweitens: Was meint das EDI damit:
Es versteht sich von selbst, dass heutzutage niemand in der Schweiz mit Mengele verglichen werden kann, zumal wenn es sich um einen demokratisch gewählten Parlamentarier handelt. (Quelle)Ein nicht demokratisch gewählter Parlamentarier, also ein Parlamentarier, der nicht demokratisch gewählt worden ist, oder jemand, der demokratisch gewählt worden ist, aber kein Parlamentarier ist, oder auch das nicht, also so jemand könnte vielleicht mit Mengele verglichen werden, Mörgeli aber aufgrund seines Daseins als gewählter Parlamentarier natürlich nicht, selbst wenn Couchepin das getan haben sollte. Nette Rhetorik, wieder mal.
Freitag, 30. November 2007
Beni Turnheer
»Alterslockerheit« wird ihm attestiert, er steche Francines »Sex« und Kilchbergers »Coolness« sowas von aus (dem Zusammenhang von Sex und Coolness habe ich mich ja schon gewidmet). Eine Ära hat er geprägt im Schweizer Fernsehen, vor 25 Jahren den ersten WM-Final kommentiert und seither alle. Lässt man das Revue passieren, so ist man weniger über Benis Karriere (»Roger? - Das brüchte mer nochli gnauer...«), sondern vielmehr über das Ressort Sport im SF (dessen Leiter Beni übrigens ist). Da gibt es weder einen Moderator, der alle 22 Spieler auf dem Platz kennt, noch eine Moderatorin, die einem Skifahrer ansieht, ob er schnell oder langsam fährt. Dass niemand vernünftige Fragen stellen kann, wenn man mit Sportlern spricht, dass das Motto »sind alli so nett« eine kritische Auseinandersetzung verhindert und das deutsche Sportfernsehen (vor allem der öffentlich-rechtlichen Sender) nicht als Massstab genommen wird (vom amerikanischen ganz zu schweigen) mag eine Eigenart der Schweiz sein. Dass aber lockeres Sprücheklopfen einen nicht zum begnadeten Reporter macht, scheint augen- und ohrenfällig.
Montag, 3. September 2007
Weltwoche - es reicht
Ob ich zum letzten Mal über die Weltwoche schreibe, weiss ich noch nicht - im Moment kommt es mir aber so vor. Fast alles, was das Blatt bringt, habe ich satt:
- Politische Aussagen, die auf Fallstudien beruhen. Ob Lehrer Bregy, Sozialhilfeempfänger XY samt Sachbearbeiter - immer werden Geschichten von Fällen erzählt, die keine allgemeinen Aussagen zulassen; aber so formuliert werden. Was dem konservativen Lehrer von den vordergründig netten, hintergründig hinterhältigen Schulverantwortlichen angetan wird, ist, so muss angenommen werden, die Schilderung eben dieses Lehrers, einseitig, verzerrt und nicht zu einer Analyse der pädagogischen Landschaft geeignet. In diese Kategorie gehört auch Mörgelis Kolumne, zu der man sich eigentlich nicht äussern muss, die aber als Denkanstoss nicht taugt, weil sie im besten Fall Klatsch und Tratsch und ab und zu eine Geschichte erzählt - aber zu nichts anstösst.
- Lasch recherchierte, tendenziös zusammengeschriebene und gross angekündigte Artikel - sei es über Kalifornien (Beatrice Schlag will uns mitteilen, dass die alles können, wenn sie wollen, und zwar locker und auch den Umweltschutz) oder über die Partyszene in Zürich (schon allein die Formulierungs- und Rechtschreibfehler, dann auch wieder: Eine Gruppe von Partygängerinnen zeigt nicht nur die gesunde Haltung im Ausgang, die Oberflächlichkeit und Harmlosigkeit, sondern auch noch gleich die Politikverdrossenheit und die Haltung der Familie gegenüber der Jugend im Allgemeinen).
- Die Nationalmannschaft. Yakin hat nicht gut gespielt, Streller ist wieder in der Schweiz - sowas interessiert die Leser des Blick Sportteils, aber nicht die einer Wochenzeitung mit (einem gewissen) Niveau. Man kann viel Intelligentes über die Nati schreiben, über Sport im Allgemeinen (siehe NZZ Sportteil), aber nicht so wie De Gregorio, der am liebsten selber ein Star wäre.
- Politik: Auch hier muss man eigentlich nichts sagen, die Linie des Blattes ist bekannt, aber: Deswegen kann man es trotzdem lesen. Die NZZ verfolgt ebenfalls einen sturen politischen Kurs. Doch die Weltwoche provoziert um des Provozierens willen, verknappt, vereinfacht, unterschlägt und wiederholt Dinge so oft, bis man sie fast glauben muss.
SF Sport und Courage
Die NZZ schreibt heute im Sportteil (S. 37) über den FcZ:
Gegenüber der Klubführung allerdings bahnt sich der nächste Konflikt an. Mit einer originellen Choreogragie ("Ich glaub, ich gseh nöd rächt") gaben die treuen Supporter vor Spielbeginn ihrem Unmut Ausdruck über die ihrer Meinung nach überrissenen Ticktpreise im neuen Letzigrund. Das Transparent "Canepa raus" dürfte ebenfalls in diesem Zusammenhang stehen.Doch wo blieben diese Bilder in Sport Aktuell, wo sie wahrgenommen würden? Sie fehlten. Damit bleibt die Sportredaktion von SF ihrer Linie treu - wenn immer etwas halbwegs Brisantes passiert (und sowas verdient das Prädikat brisant kaum), hält sich SF raus. Hört man die dümmlichen Kommentare zum Tennisspiel von Wawrinka, das Geplauder im Sportpanorama oder Fussballkommentare an, fragt man sich, ob man dem überhaupt Journalismus sagen kann.
Sonntag, 10. Juni 2007
Ruferin - wogegen?
Da sich nun auch meine Schülerinnen und die Leserbriefschreibenden gemengt haben, muss ich natürlich reagieren - auf Alice Schwarzers Pornographie-Bannspruch.
Sie arbeitet eigentlich mit folgenden Thesen:
1. Pornographie hat den neuen Medien (gemein wohl primär Internet) zum Durchbruch verholfen.
2. Es gibt eine Intensivierung des Porno-Konsums in den letzten Jahren.
3. Pornographie bewirkt irreversible psychische Schäden.
4. Pornographie bedingt Gewalt gegen Frauen und drückt sexistische Gedanken aus.
5. Pornographie wird verharmlost.
Diese Thesen werden von ihr teilweise belegt, teilweise stehen sie einfach so im Raum. Schauen wir etwas genauer hin:
1. Pornographie macht wohl wirklich den grössten Teil der bezahlten Inhalte des Webs aus. Der teilweise anonymisierte Konsum macht mehr und illegalere Arten von Pornographie zugänglich - ohne dass man sich dafür exponieren müsste. Die Beziehung ist also wohl eher beidseitig.
2. Die Intensivierung kann wohl nicht genau belegt werden. Fakt dürfte sein, dass man Pornographie gezielter konsumiert. Und sie auch expliziter ist.
3. Sexuelle Phantasmas zu untersuchen ist nicht einfach möglich. Ob sie sich verändern und was eine negative Veränderung wäre, kann kaum gesagt werden. Die Sexualmoral in westlichen Ländern scheint relativ stabil zu sein, grosse Veränderungen sind nicht zu beobachten. Gewalt in Beziehungen, eine Art Tarnfeld für Übergriffe, wird zunehmend enttabuisiert.
Andererseits ist die Gewaltbereitschaft sicher stabil geblieben oder gestiegen. Die Experimente, die Schwarzer zitiert, gehen aber von einer Art Phantasiegewalt aus. Wem ich in meiner Phantasie etwas antun möchte, hat wenig mit meiner tatsächlichen Gewaltbereitschaft zu tun.
4. Gerade die neueren Formen von Pornographie (Gonzo) zeigen explizit, wie gespielt alles ist, dass es sich um einen Job handelt, mit dem Geld verdient wird. Wie und ob das den Frauen guttut (oder den Männern) ist eine andere Frage - aber kaum ein Konsument hat den Eindruck, hier freudige Sekretärinnen zu sehen, die den Chef bedienen, oder Krankenschwestern, die sich für den Patienten gefügig machen.
Hier muss man sich wieder auf die Sexualmoral zurückbesinnen - was im gegenseitigen Einverständnis gemacht wird, ist in Ordnung. Pornographie funktioniert unter dieser Prämisse wie auch Prostitution - per se lässt sich dagegen nichts einwenden.
5. Wohl kaum. Pornographie ist, was sie ist, und schon immer gewesen ist. Wenige Leute haben wohl Illusionen über Pornographie - Punkt 4 ist essentiell für Punkt 5.
Schwarzer bläst in ein Horn, in das sie schon immer geblasen hat. Wenn auch Enkelinnen von Nazis ins gleiche Horn blasen, umso besser für sie. Aber neu ist da nichts, feministisch auch nicht besonders. Kritische Haltungen allen Inhalten gegenüber ist - wie immer - angebracht.
Eingestellt von Philippe Wampfler um 23:33 Tags: Feminismus, Medien, Pornographie, Tages-Anzeiger
Samstag, 9. Juni 2007
Medienlese / -schelte
Anstatt einer Serie von Leserbriefen: Ein Blog-Eintrag.
1. Die Woz.
Eine ganz herausragende Zeitung. Intelligenter und kritischer als die Weltwoche, dazu subtiler und stilistisch fein. Links und rechts werden kritisiert, Argumente werden überprüft und die Inkonsequenz vieler Politiker ausgestellt - z.B. dass die SVP-Herren Rundstreckenrennen in der Schweiz zulassen wollen, damit die Schweiz "kein Sonderfall in Europa ist".
2. NZZ Folio.
Auch das eine hervorragende Publikation - jeder Monat ein überraschendes Thema mit interessanten Blickwinkeln. Alles ist sauber recherchiert, vielfältig und gut geschrieben. Dafür würde ich auch zahlen.
3. Tagi-Magi.
Ich kann nicht anders, ich muss noch einmal etwas sagen:
a) In einer WOZ-Kolumne werden die Herren vom Magi MUCHs genannt - male urban chicken-hearted. Sag ich's doch schon lang, erfrischend sowas.
b) Apropos chicken-hearted: Auf der Homepage kann sich nur äussern, wer ein Benutzerkonto erstellt. Wovor hat man da Angst? Und dafür muss dann auch geworben werden, auf einer ganzen Seite, und man darf mit einem Redaktor seiner Wahl essen gehen, wenn man der 100ste oder 200ste oder so ist. Wahrscheinlich sind alle scharf auf ein Essen mit - Guido Mingels.
c) Apropos male - da gibt es ja noch diese Frau mit der guten Sprache, wie mir unlängst jemand in einem Youtube-Kommentar mitteilte. Dazu nur soviel: Genausowenig wie jemand, die ein Wochenende in New York so tun muss, als sei sie dort bei den AAs angebaggert worden, genausowenig muss jemand, der ein paar Monate in Berlin war, so tun, als schreibe sie die deutsche Sprache progressiv. Beispiel gefällig: "Ein sehr okayes Alter" oder dann auch "sondern in der Denke". Sowas klingt dann in so einer Kolumne bescheiden gesagt - bemüht.
d) Max Küng versteht nicht, was eine Kolumne ist. Was er macht, ist eine Art Blog. Nur weil er den Abschnitten Nummern gibt, werden seine Texte nicht mehr zu einer Kolumne. Who cares, frage ich mich. Gelesen habe ich bisher nur etwa von McDonalds und Scrabble. Mehr will ich gar nicht wissen.
4. Weltwoche.
Wir wissen, wissen, wissen - dass es Individuen gibt, die viel Geld haben und trotzdem Sozialhilfe bekommen. Wirklich. Also bitte - nicht mehr schreiben. Denn ob es nun 5 sind, die einen BMW fahren, oder 3, die noch mit Drogen dealen - es ändert nichts an der Aussage, die gemacht ist.
Und: Politikerinnen-Bashing scheint bei den MUCHs der Weltwoche besonders im Trend zu liegen, diese Tage.
Mittwoch, 6. Juni 2007
Who is this man?
Das Bild sollte Omar Basseo zeigen (der mit dem grünen Polo Shirt und den schlecht sitzenden Hosen), einen 29-jährigen Schmied aus der Schweiz, der nie weiter als 50 Kilometer von seinem Wohnort weggereist ist.
Beim ersten Mal spielen auf dem Internet hat er einen Jackpot gewonnen, den er in London abholen durfte (bei einem Model, einem Leibwächter und einem als Slotmachine verkleideten Nerd, wie das Bild zeigt).
Das Problem dabei wird wohl sein, dass es den Mann gar nicht gibt - einfach mal so behauptet. Die Story erschien in der Schweiz nur in heute, obwohl sie von irgendwelchen Marketingleuten übers ganze Netz gespamt worden ist. Promo als Newsstory, ein alter Trick, immer mal wieder angesagt.
Add-on: In 20minuten wurde der gute Herr auch erwähnt und abgebildet (das Lachen lässt erst recht auf einen zweitrangigen Pornostar schliessen, der Eindruck des Gurtes wird vollumfänglich bestätigt.)
Datenschutz und Teledata
Man sehe sich hier mal um: https://www.teledata.ch/
Kaum zu glauben - von jeder in der Schweiz lebenden Person sind Kreditwürdigkeit sowie weitere sehr sensible Daten von zahlungswilligen Kunden einsehbar - und nicht nur das: Mit einem Testzugang ist das Ganze für einen Tag Jekami. Presse und Juristen nutzen diesen Dienst offenbar rege - aber ich wurde noch nie gefragt, ob ich darin verzeichnet sein möchte oder nicht. Und andere wohl auch nicht. Es stellt sich also die Frage:
1. Woher kommen diese Daten?
2. Ist das legal?
Für Antworten bin ich sehr dankbar.
Eingestellt von Philippe Wampfler um 08:30 Tags: Darf man das?, Datenschutz, Medien, Teledata
Samstag, 12. Mai 2007
TagiMagi goes Web 2.0
Das Magazin retouchiert sich leicht - mit Blumenbildern auf dem Cover, einer ausgedehnten Roten-Kolumne und einer neuen Küng Kolumne im Tractatus-Style.
Dazu nur ein kleiner Kommentar: Try harder. Roten und Küng haben uns schon seit mindestens einem Jahr nichts mehr zu sagen, ausser, dass sie ein Leben leben, das wir auch leben, und darüber nicht lustiger schreiben können, als wir das auch können. Sie kaufen was, gehen in die Ferien, lebensmittelvergiften sich, besuchen eine Party in New York.
Zumindest eine neue Kolumne wäre zu erwarten gewesen, Martin Suter ersetzt man nicht so leicht.
Und das Youtube-Video von Roten ist wohl der Peinlichkeit Gipfel. So zu kichern finden schon 14-jährige total pubertär. Mehr will ich wirklich nicht sagen. Ah doch - der Vorschlag für das nächste Youtube-Video nach Roten verweist auf Paris Hilton.
(Wenn man dem Youtubelink folgt, kann man noch sehen, wie sich Leute mit meinem Kommentar auseinandersetzen.)
Eingestellt von Philippe Wampfler um 20:24 Tags: Max Küng, Medien, Roten, Tages-Anzeiger
Donnerstag, 10. Mai 2007
Tammi
Nun bin ich noch davon abhängig: http://4chan.org/
Da müsste man mal eine kleine Forschungsarbeit darüber schreiben: Ein anonymes Forum, das eine Art Verhaltenskodex aus subsistenten Normen erarbeitet hat, der sich einerseits rapid schnell verändert, andererseits dokumentiert wird, und zwar auf eine Weise, die zwar klar, aber doch wieder nicht erlernbar ist. Möchte gern aufhören.
Apropos aufhören: Mit heute, Seite 2 muss man auch aufhören. Fabienne schreibt eine schweizerdeutsche Einladung (wusst ichs doch, dass heute bals auf Schweizerdeutsch erscheinen wird) an eine Party (wer ist Fabienne schon wieder?) und Nora Hesse (wer ist das?) besucht eine Party, an der Beyoncé war. Aufhören, aufhören, aufhören.
Montag, 7. Mai 2007
Drei Behauptungen
Einige Dinge müssen festgehalten werden (sozusagen Resultate des Wochenendes). Ich behaupte:
1. 80% der Umsätze der Schweizer Casinos stammen von Kunden, die spielsüchtig sind.
Nun kann man ja eigentlich alles mal behaupten und darauf warten, dass das jemand entkräftigt (siehe Spaghetti-Monster). Einen Beleg für die Behauptung zu liefern ist in dem Fall aber unmöglich, weil die Daten nicht zugänglich gemacht werden (siehe Medienberichte Ende Januar, z.B. St. Galler Zeitung, Bund), wo klar gemacht wird, dass das wahre Ausmass der Spielsucht unbekannt ist - dass aber täglich Spieler in allen Casinos gesperrt werden.
Ich warte also mal auf Widerspruch.
2. Die Badenfahrt ist Nonsens und sollte nie mehr durchgeführt werden. Verallgemeinerung: Massenanlässe sind generell problematisch.
Jaja, etwas radikal. Die Badenfahrt geniesst in der Region Baden den Status als heiliges Fest, das per se etwas Besonderes ist. Die Frage, was der grosse Aufwand alle freiwilligen Helfer bewirkt, darf aber durchaus gestellt werden. Die paar Tausend Franken, die in Vereinskassen fliessen, könnten auch ohne regionales Massenbesäufnis finanziert werden, die kulturellen Veranstaltungen, die die Badenfahrt begleiten, könnten entweder ohne Badenfahrt keinen Hund hinter dem Ofen hervorlocken oder würden auch ohne Badenfahrt ein Publikum mobilisieren können. Und der Umzug - mal ganz ehrlich...
3. Liberale Grundannahmen müssen hinterfragt werden - die Kultur des "jeder macht, was er will" ist nicht per se besser als eine Verbotskultur.
Liberale Haltungen scheinen auf der Annahme zu basieren, jede und jeder wisse am besten, was für sie und ihn gut ist - also können sie es auch selbst entscheiden. Tatsächlich scheinen viele Leute den ganzen Tag lang Dinge zu tun, die für sie selbst sicher nicht am besten sind. Die Frage, warum man nicht alle offensichtlich unsinnigen Dinge verbietet, darf ruhig mal gestellt werden. Natürlich kann man auch von negativen Anreizen sprechen und dadurch den Leuten die Schädlichkeit und Unsinnigkeit dieser Dinge vor Augen führen, aber das spielt fast keine Rolle. Offensichtlich unsinnige Dinge sind z.B. Autos mit einem Hubraum über 2 Liter (sie erfüllen keine Funktion ausser der eines Statusobjekts), Motorräder mit einem Hubraum über 125ccm, das Auszahlen von Direktzahlungen für die Haltung von Straussen und Lamas, Spielcasinos etc.
Zwei Einwände müssen gleich hier abgewehrt werden:
1. Es ist nicht subjektiv, welche Dinge unsinnig sind.
Vielmehr geht es um die Dinge, bei denen sich eine grosse Mehrheit ohne Eigeninteressen und in völliger Kenntnis der Fakten einigen kann. (Das Problem der Politik ist ja, dass es unmöglich ist, eine Haltung anzunehmen, die der Allgemeinheit und nicht mir und meinen Lieben dient.)
2. Weitere Verbote schränken nicht unsere Freiheit ein.
Das Erleben von Freiheit ist gebunden an Einschränkungen, unbedingte Freiheit gibt es nicht. Die Verbote, die ich propagiere, schränken niemanden in seinen Grundfreiheiten ein und sind auch keine Beeinträchtigungen des Lebenstandards.
Mittwoch, 18. April 2007
Wer bezahlt für Mediencontent?
Eben am Kiosk zwei Presseerzeugnisse gekauft, eines davon sieht so aus:
Das andere fast noch schlimmer, es ist das amerikanische Wired, das mit neuem Layout beelendet, es scheint doch wieder möglich zu sein, verschiedene Schriftarten, -grössen, -stile und -farben auf einer Seite zu kombinieren. Aber darüber will ich mich gar nicht auslassen (ev. noch anmerken, dass das Layout der Weltwoche erfrischend klassisch daherkommt).
Viel mehr besteht dieses Heft "iPod&more" aus Produkteinformationen. Nun könnte das ein Synonym für Werbung sein - doch die redaktionellen Inhalte, die in Form von Tipps oder harmlosen Tests daherkommen, können nicht von den Herstellern bezahlt worden sein, denn schliesslich kostet das dünne Heftchen (inkl. einer Promo-CD) fast 10 Franken.
Das Axiom moderner Medien, das besagt, der Konsument müsse für den Vertriebsaufwand aufkommen (Herstellung und Versand des Mediums), die Werbung für den Inhalt, scheint hier völlig ausser Kraft gesetzt worden zu sein. Ev., so mag man sich trösten, werden solche Zeitschriften auf dem Markt nicht lang bestehen können.
Wired kostet dann noch einmal 50% mehr, ist aber ein amerikanischer Import, gehaltvoll - wenn auch mit Werbung gespickt.
Dienstag, 20. Februar 2007
Tingler und Roten
Gerade Tinglers Blog entdeckt und mich recht amüsiert, er triffts recht gut (gut gefällt mir auch das Video bei Äschbi auf seiner Homepage (bzw. auf SFs Homepage), der Äschbi ist ja recht gereizt):
Frau Roten verkörpert nämlich den Typ der Kolumnistin, deren gesamtes Schreiben immer nur ein Kampf gegen die eigene Komplexbeladenheit ist, und da die Sorte Selbstironie nicht mal dann erkennt, wenn man ihr damit auf den Kopf haut, wirkt das Ganze so gewollt und verkrampft, wie die Sorte Roten eben ist. Und überdies fällt das ganze Getue so ’n bisschen in sich zusammen, wenn man sie trifft und sie kein Wort rauskriegt und sich zusammenkauert. Aber gegen die Roten als Person hab ich gar nichts. Ich kenne sie ja überhaupt nicht. Ich habe während des Fluges nur, während ich, wie Frau Roten richtig schreibt, gewohnheitsmässig unaufhörlich auf Richie einquasselte, in meinem indirekten Blickfeld gesehen, wie sich am Ende der Sitzreihe ein stummes kleines Geschöpf gegen die Kabinenwand presste.
Eine andere Frage ist die, warum das Magazin des Tages-Anzeigers überhaupt seine Spalten für so Mädchengetue auf Pausenhof-Niveau breit macht
Freitag, 26. Januar 2007
SF spart - und...
Im Tagi gelesen: SF streicht Formel 1 aus Programm - da nur eine Gebührenerhöhung von 2,5% bewilligt wurde. Peter Sauber ist empört, schliesslich wollten das so viele Leute immer schauen; Formel 1 auf Schweizerdeutsch, und erst recht, seit BMW den Sauber-Renn"stall" übernommen hat. Drei Gedanken ergeben sich sofort:
a) Man könnte an sinnloseren Orten sparen.
b) Es gibt ja Formel 1 immer noch auf Sendern mit kompetenten und kritischen Moderatoren.
c) Man könnte auch an Orten sparen, wo der Öffentlichkeit nicht ganz so schmerzhaft ins Bewusstsein gerückt wird, dass gespart wird.
Und c) führt gleich zu weiteren Überlegungen, die sich auch aus dem Tagi-Text ergeben: SF macht nicht transparent, wo genau wie viel gespart wird. Warum auch? Schliesslich wird es ja über Zwangsgebühren finanziert, wer würde da schon Transparenz erwarten. (Man liest ja auch in der Weltwoche, dass SF auch keine Auskunft über Produktionskosten von Sendungen abgibt.) Alle Ironie beiseite: Das muss ein Ende haben. Die genauen Daten (Zuschauerzahlen, Kosten, Gehälter etc.) müssen von SF jährlich publiziert werden und Entscheide so begründet. Dass da gewisse Leute selbstherrlich ein Programm machen ohne dem Markt ausgesetzt zu sein, wirkt leicht anachronistisch.
Montag, 8. Januar 2007
Was mich am Schweizer Fernsehen aufregt
Die Punkte sind nummeriert, aber nicht geordnet.
1.
In Schweiz Aktuell und in der Tagesschau wird im Abstand einer halben Stunde über das Gleiche berichtet.
2.
a) Eine Wettersendung wird von einem Dach gesendet (auf dem sich ein Swimmingpool befindet).
b) Sie wird moderiert von Moderatoren und Moderatorinnen, die mit korrektem, flüssigem Schweizerdeutsch Mühe haben.
c) Zum Glück gibt es keinen roten Knopf mehr (wofür brauchte man den genau?).
3.
a) Die Fernsehzuschauer bezahlen Gebühren für SF.
b) Z.B. für Sendungen wie MusicStar, Deal Or No Deal, Glanz&Gloria. Populäre Sendungen ohne Anspruch und Niveau - die auch bei Privatsendern angeboten werden.
c) Obwohl die Zuschauer zahlen - können Sie noch Clubmitglied werden, um wirklich "mitsprechen" zu können. Aber sie bezahlen ja schon!
4.
Service Public bei den Medien bedeutet kaum, die ganze Schweiz mit Gebührenunterhaltung zu versorgen. Wer Unterhaltung will, kann dafür bezahlen - Informationen sind Service Public.
5.
Die Tagesschau schafft es nicht mehr, News vernünftig zu hierarchisieren. Die Konzentration auf Trivialereignisse aus der Schweiz und die Vernachlässigung der wichtigen Ereignisse im Ausland ist besorgniserregend.
6.
Professionalität ist nicht besonders wichtig bei SF. Eine Art Kuschelmentalität führt dazu, dass wir seit Jahren inkompetente und unkritische Sportmoderation geniessen, schlecht ausgebildete Sprecherinnen und Sprecher haben und Showformate vorgesetzt bekommen, die der Intelligenz jeden Zuschauers spotten (beispielsweise 5gegen5).
7.
In der letzten Weltwoche (01/07) meint Zimmermann, Schellenberg habe dem SF die Quotenorientierung beschert. Danke. Wer die Zuschauer entscheiden lässt, was sie sehen wollen, vergisst, dass sie das gar nicht wissen, sondern es sich von anderen sagen lassen. Wenn man sich also nach ihnen richtet, so richtet man sich nach den anderen. Klingt recht trivial, doch ich glaub das recht stark. Medien müssen innovative Angebote anbieten und durchhalten - v.a., wenn sie Gebührengelder erhalten und der Publikumserfolg sekundär ist. Sonst könnten sie sich ja problemlos durch Werbung finanzieren, wenn sie so gute Quoten haben.
