Da nun eine neue Ära des Mobiltelefonie angebrochen zu sein scheint, lädt die Situation zu einem technologischen Rückblick ein. Hier die Galerie aller Telefone, die ich je besessen und benutzt hab. Die Links führen zur GSM-Arena, wo es detaillierte Beschreibungen aller Geräte gibt.
1. Ericsson GH 688 (ca. 1997)
Erinnere mich an einen Job an einer Abendschule in Aarau, nach dem ich jeweils über dieses Handy kommunziert habe. Ist eigentlich noch ganz hübsch, wenn diese Antenne nicht wär.
2. Nokia 3210 (ca. 1999)
Das hatte ich in grau, war vor allem sexy, weil eben ohne Antenne, dazumals ungefähr ein Novum. Dieses Gerät schien ich eine Ewigkeit zu haben (was aber wohl nicht so gewesen ist), hat wirklich alles ausgehalten und sieht eigentlich immer noch recht schick aus.
3. Nokia 3310 (ca. 2002)
Das war damals blau und enorm viel Plastik - nie wirklich ein überzeugendes Ding, aber hatte einen Akku, der ungefähr eine Woche gehalten hat. Ich glaube, sowas brauchen Leute heut immer noch.
4. Nokia 8890 (ca. 2003)
Irgendwann musste ich wohl entdeckt haben, dass Handys für Normalsterbliche mir nicht so zusagen - und ich kaufe mit dieses Luxusteil, das ich mit einem Vertrag zu einem akzetablen Preis erhielt, das aber aufgrund seiner edlen Machart ein Vermögen gekostet hätte. Es fiel mir ungefähr drei Tage nach dem Kauf runter und hatte einen Kratzer - was ich mir nie verziehen habe.
5. Sony Ericsson T630 (2004)
Die Bekehrung zu Apple forderte auch ein Markenwechsel bei den Mobiltelefonen - nur ein ebenso weisses Handy konnte sich ebenso einfach synchronisieren lassen, wie mein iBook zu bedienen war. Zudem hatte es eine Kamera und ein Farbdisplay, ein Quantensprung, würde man fast denken.
6. Sony Ericsson K700i (2005)
Das Gerät genügte mir schnell nicht mehr - die Displays wurden immer besser, das des K700i war wirklich verlockend. Leider hatten alle diese SEs ein Problem - der Joystick stieg schneller als man es sich wünschte aus. Auf diesem Handy war gamen im grossen Stil möglich.
7. Sony Ericsson Z520 (2006)
Als Übergangslösung gedacht, weil Klapphandys nicht so mein Stil sind, fand ichs eigentlich ganz nett, aber dem K700i ganz ähnlich, wenn auch mit schlechterem Display.
8. QTek S200 (2006)
Was ich wollte - Kamera, Organizer, mobiles Internet, Handy, alles in einem Gerät. Aber nicht wie ich wollte: Unendlich langsam, ein Windows Mobile 5, das sich nicht bedienen liess, fast alle Applikationen im Hintergrund laufen liess - eine echte Enttäuschung, zumal es sich auch nicht synchronisieren liess, auch nach 100 Stunden nicht.
(Passte aber wiederum zu meinem mittlerweile schwarzen MacBook.)
9. Sony Ericsson K750 (2007)
Auch wieder als Übergang zum iPhone gedacht, war es doch eine solide Wahl, wie alle SE Geräte. Gute Kamera, perfektes Menu, viel Speicher.
10. Sony Ericsson W880i (2007)
Kurz vor dem iPhone kriegte ich dann dieses Bijou noch geschenkt - brillantes Display, liess sich im Portemonnaie verstauen, superschnell, ein wunderschönes Gerät, wenn nur nichts orange gefärbt gewesen wäre.
10 Jahre, 10 Geräte... Irgendetwas stimmt mit mir nicht - auch wenn all die brauchbaren Geräte noch immer im Einsatz gehalten werden, einfach nicht durch mich.
Dienstag, 12. Februar 2008
Alle Mobiltelefone
Eingestellt von Philippe Wampfler um 14:22
Sonntag, 10. Februar 2008
Die Meinungskrankheit
Eines der Probleme unserer Zeit sind Meinungen - im doppelten Sinne, dass es sie erstens gar nicht geben sollte und man zweitens nicht auf sie hören sollte.
Warum? Weil Meinungen in den meisten Fällen völlig irrelevant sind. Eine Meinung ist eine wertende Haltung hinsichtlich einer Tatsache. Also: »Es regnet.« Meine Meinung: »Ich finde es toll, völlig daneben, ungünstig..., dass [es regnet].« Was die Tatsache wenig beeinflussen mag. Anderes Beispiel: Die UBS ... Verlust ... Ospel ... Bonus. Was sind die Tatsachen? Was sind die Gründe? Völlig irrelevant. Hauptsache, die Kunden der UBS äussern ihre Meinung. Oder: Couchepin sagt möglicherweise etwas über Mörgeli, Mörgele, Mengele sowas. Wie wars wirklich? Völlig irrelevant, Hauptsache, man gibt seine Meinung zu besten.
Fazit: Say it like it is. Konzentrieren wir uns doch auf Tatsachen - und lassen das auch die Medien tun. Bitte keine TEDs mehr, keine Befragung der Leute auf der Strasse, keine Kommentare von Ahnungslosen, einfach mehr Tatsachen.
Und dann noch zwei Anmerkungen:
1. Das gilt natürlich auch für diesen Blog, auch wenn das äusserst schwer sein wird - eine Meinung abgeben zu können macht trotz allem irgendwie Spass.
2. Eigentlich spielen Tatsachen nur dann eine Rolle, wenn man sie verstehen kann. Falls aber Meinungen widerspiegeln, wie Leute Tatsachen interpretieren, dann haben sie ihre Berechtigung, und zwar mehr als Tatsachen.
Eingestellt von Philippe Wampfler um 17:15
»Heimatland!«
So, der Sobli berichtet, was Couchepin wirklich gesagt hat, nachdem sich Christoph Mörgeli »nicht mehr ans Amtsgeheimnis gebunden fühle« - eine interessante Formulierung, die impliziert, dass Geheimnisse Gefühlssache sind und man, wenn man sich darüber hinwegsetzen möchte, das auch tun kann. Zudem ist die Sache tückisch, da es sich um seine Abschrift des Tonbands handelt, die also keinen offiziellen Status beanspruchen kann. Sehen wir uns diese Abschrift aber mal an:
«[...] A la fin, il y a quand même des choses qu´on n´a pas le droit de faire. Pas ne? [Lange Kunstpause] Sinon, on en arrive aux recherches du docteur ... öh ... j´ai dû redemander son nom parce que je croyais que c´était le docteur Mörgele, mais c´était le docteur Mengele [teilweise grosse Heiterkeit] qui a fait des études ... [fortwährende Heiterkeit, Unruhe, Zwischenruf Nationalrat Oskar Freysinger: ‹Heimatland!›] ... des études terribles, le docteur Mengele qui avait repoussé ... [fortwährende Heiterkeit] ... pourquoi vous riez? [neu einsetzende, noch grössere Heiterkeit] ... qui a repoussé toutes les choses jusqu´au bout. [...]» (Quelle)So falsch waren Couchepins Aussagen trotz allem aber nicht, zudem ist die Anspielung auf Mörgeli eine sehr starke Interpretationssache, das Lachen der Kommission ist das stärkere Zeichen als die Äusserung Couchepins.
Was für ein Zeichen? Man erinnere sich an die Heiterkeit, den Jubel nach der Abwahl von Blocher. Nun wurde ein rechtspopulistischer Politiker durch eine stramm rechtsbürgerliche Frau ersetzt, kein Grund für Linke, zu jubeln. Offenbar muss da aber emotional so viel mehr im Spiel sein, als sich rational erklären lässt, sprich: Der Stil der SVP, die Häme, die Nähe zu rechtsextremem Gedankengut, das stets im Mantel eines demkoratisch-heimatlichen Denkens daherkommt, ist eine Provokation, welche innerhalb des politischen Diskurses eine Herausforderung darstellt, auf die keine adäquate Reaktion bereit steht. So ist wohl dieser Jubel, so ist wohl dieses Lachen zu verstehen; und so typisch ist es auch, wenn Freysinger mit einem kräftigen »Heimatland!« zur Besinnung aufruft.
Samstag, 9. Februar 2008
Falsche Informationen bei Teledata?
Bereits zwei Mal habe ich mich mit dem Informationssammeldienst Teledata auseinandergesetzt (hier und hier) und dabei herausgestrichen, wie problematisch es ist, dass Daten gesammelt werden, ohne dass die Betroffenen darüber in Kenntnis gesetzt worden sind und nur auf aufwändigste Art und Weise Einsicht in ihre Daten erhalten können.
Als ob das noch nicht genug wäre: Wie der Tages-Anzeiger am 7. Februar (S. 25, nicht online) berichtet, gibt es fehlerhafte oder gar falsche Einträge in Teledata. Wohlwollend wird von »veralteten« Einträgen gesprochen und zwar im Zusammenhang mit Aktienbeteiligungen an der UBS - doch wie verheerend solche Einträge bei Privatpersonen sein könnten, mag man sich kaum auszumalen, zumal Journalisten Teledata als einschlägige Quelle benutzen.
Freitag, 8. Februar 2008
Arabische Charta der Menschenrechte
Die VAE haben als siebtes Land die Arabische Charta der Menschenrechte (pdf) ratifiziert (hier der Beitrag im Echo der Zeit). Offenbar sollte damit dem Vorwurf entgegnet werden, die Menschenrechte seien aus westlicher Perspektive verfasst worden. Die Charta der Menschenrechte dient dazu, eine für Staaten verbindliche Umsetzung der Menschenrechte festzulegen.
Liest man die Formulierungen allerdings, so scheint sich diese arabische Umsetzung in drei Punkten zu manifestieren:
- Die Sharia wird explizit erwähnt als einzige der Religionen.
- Zionismus wird als Verstoss gegen Menschenrechte betrachtet.
- Die Menschenrechte können durch staatliche Gesetze ausser Kraft gesetzt werden.
Die Verabschiedung der Menschenrechte durch die VAE scheint zudem insofern etwas zynisch, als dass in diesem Land Frauen nicht mal ein Auto steuern dürfen - die Gleichheit, die in der Charta festgelegt wird, scheint also elementare Bereiche des täglichen Lebens nicht zu beinhalten.
Eingestellt von Philippe Wampfler um 19:49 Tags: Echo der Zeit, Menschenrechte, Philosophie
Donnerstag, 7. Februar 2008
skosh
Die Debatte, ob nun Englisch für die beste Sprache überhaupt qualifizieren kann, darf natürlich nicht in den Untiefen der Kommentare versinken, sondern muss ganz prominent geführt werden.
Ein Wort wie skosh (zu den Titel von Blogposts übrigens noch dieses nette Detail aus einem heutigen WoZ-Artikel:
Bis vor kurzem sahen BloggerInnen in China, die beim Microsoft-Onlinedienst MSN einen Eintrag mit dem Wort «Demokratie» betiteln wollten, eine automatisch erstellte, kafkaeske Meldung: «Sie müssen einen Titel eingeben. Der Titel darf keine verbotenen Ausdrücke wie Vulgaritäten enthalten. Bitte wählen Sie einen anderen Titel.») Klammer geschlossen, also, ein Wort wie skosh, das so viel wie »a little bit« bedeutet, also z.B. in meiner momentanen Lektüre (Denis Johnson, Tree of Smoke) so:
"Been clubbing with the colonel?"Also, dieses Wort, skosh, aus dem Japanischen abgeleitet, wo es sukoshi heißt (hier die Quelle) und ebenfalls »a little bit« oder »a smidgen« bedeutet (wiederum ein wundervolles Wort, das so viel wie ein »klitzekleines Bisschen« heißen kann), ist also Belege für die ungeheure Kreativität der anglo-amerikanischen Sprache, was den Wortschatz anbelangt. Nicht nur ist die Sprache offen für alle Möglichkeiten der Neuerung, sie ist dementsprechend präzis. Dieses Eingeständnis fällt nicht schwer.
"Just a wee skosh."
Doch die Sprache gibt es gleichsam doppelt: Es gibt ein Englisch, das für die globale Ausbreitung einer Kultur Vehikel ist (daraus gleich den Beleg für die Superiorität einer Sprache abzuleiten, ist äußerst vermessen, eine Sprache, für deren Erhaltung es unzählig komplizierte Verhältnisse braucht, wäre da wohl eher ein Kandidat dafür); also dieses Basic-Englisch scheidet definitiv aus. Seine Schwester, die oben beschriebene Sprache, zeigt sich eher selten; besticht dann aber durch ihre Qualitäten. Sollte diese Schwestersprache gemeint sein, dann bin ich gern bereit, sie als eine Kandidatin für die Miss Language 2008 in Betracht zu ziehen.
Mittwoch, 6. Februar 2008
Mengeli - Mörgele
Wieder mal ein kleiner Couchepin-SVP-Skandal, der nicht kommentiert zu werden braucht. Zwei Bemerkungen sind aber nötig:
Erstens: Was hat Mörgeli in diesem Tagesschau-Video genau für eine Frisur?
Zweitens: Was meint das EDI damit:
Es versteht sich von selbst, dass heutzutage niemand in der Schweiz mit Mengele verglichen werden kann, zumal wenn es sich um einen demokratisch gewählten Parlamentarier handelt. (Quelle)Ein nicht demokratisch gewählter Parlamentarier, also ein Parlamentarier, der nicht demokratisch gewählt worden ist, oder jemand, der demokratisch gewählt worden ist, aber kein Parlamentarier ist, oder auch das nicht, also so jemand könnte vielleicht mit Mengele verglichen werden, Mörgeli aber aufgrund seines Daseins als gewählter Parlamentarier natürlich nicht, selbst wenn Couchepin das getan haben sollte. Nette Rhetorik, wieder mal.
Montag, 4. Februar 2008
Fakt und Fiktion
Was auf den ersten Blick etwas Erschreckendes hat, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als total beruhigend: Dass nämlich einige Engländer denken, Churchill sei eine fiktionale Person, während die meisten Engländer denken, Sherlock Holmes habe es wirklich gegeben (siehe Artikel in der SZ).
Die ganze Geschichte wird so zu einem versöhnlichen Prozess - jedem kann es blühen, den Status des Erfundenen zuerkannt zu bekommen im Glauben der Öffentlichkeit (»Michael Jackson? Das war doch eine erfundene Gestalt in den 80er-Jahren...« »Ueli Maurer? Den hat doch Victor Giacobbo erfunden, wie Harry Hasler auch...«), während erfundene Gestalten plötzlich zum Leben erweckt werden können. Wunderbar.
Eingestellt von Philippe Wampfler um 13:52 Tags: Geschichte, SZ
Mittwoch, 30. Januar 2008
Die beste Sprache
Man darf sich keine Illusionen machen: Nicht jede Sprache ist gleichwertig. (Ganz generell ist die Vorstellung, dass unterschiedliche Dinge grundsätzlich gleichwertig seien, etwas irr und wirr.)
Seien wir mal ehrlich: Viele Sprachen haben grosse Nachteile. Die typische amerikanischen Touristen wirken deshalb so dämlich, weil man sie überall versteht, nicht, weil wir im Urlaub weniger dämlich wären. Sprecher von asiatischen Sprachen wirken meist hypernervös; ebenfalls ein gravierender Nachteil. Inder wirken irgendwie immer niedlich, Schweizer ebenfalls; während Sprecher nordischer Sprachen leicht frostig wirken. Slavische Sprachen sind zu ähnlich, als dann man Leute richtig einordnen könnte, der pauschale Ost-Stempel ist eher ungünstig.
Dann gibt es sprachsystemische Probleme: Zu komplexe Features einer Sprache sind eher hinderlich, während die Absenz von Absonderlichkeiten zur Lahmheit einer Sprache beiträgt.
Dann gibt es noch die Alphabetisierungsproblematik: Lateinische Schrift ist für die Sprache der Wahl wohl ausgeschlossen; wie auch chinesische Schriftzeichen, die allenfalls zum Tattoo taugen (schon mal überlegt, ob wohl gewiefte Chinesen allen europäischen Tätowierern falsche Angaben gemacht haben, so dass alle, die das Zeichen für Glück, Freude oder Affenschwänze tragen, eigentlich was ganz anderes (Vorschläge in den Kommentaren, bitte...) auftätowiert bekommen haben?) Gut, back to topic:
Die Wahl fählt daher auf die arabische Schrift. Die ist hinreichend hübsch anzuschauen, einigermassen variabel (die Buchstaben verfliessen ineinander) und doch nicht von äußerster Kompliziertheit.
Die Sprache meiner Wahl ist dann Persisch, das hier dokumentiert ist:
Es gibt eine Reihe weiterer Gründe für diese Wahl, die ich nur antönen kann: Die herrliche Problematik, ob die Sprache nun Persisch oder Farsi heissen soll, darf, kann (sie heisst natürlich Persisch, sonst hätte ich das nicht geschrieben), die historische Wandelbarkeit der Sprache, die verschiedenen Einflüsse, ich käme gar nicht mehr aus dem Schwärmen, müsste ich alles auflisten.
(Eine mögliche Alternative wäre noch die Sprache, die diese Dame singt: )
Eingestellt von Philippe Wampfler um 16:37
Dienstag, 29. Januar 2008
Euphemismen
In der losen Serie "Wunschposts" der zweite Streich: Euphemismen.
Meine erste Assoziation war George Carlin, mit dem ich mich vor einigen Jahren mal auseinandergesetzt habe. Zwei seiner Sketches gefallen mir besonders, der hier über Flughafensicherheit, und der hier:
Die Beispiele sind recht schlagend, müssen aber durch Alltagsbeispiele ergänzt werden. Ich beginne mal und hoffe dann auf zahlreiche Kommentare (Listen gibts übrigens im Netz schon, das interessiert weniger, gesucht sind spezielle):
- »powered by« für irgendwelche diffusen Marketingaktivitäten
- iPhone für ein Mobiltelefon, das kann, was andere auch können, einfach etwas sexier ist
- Bonus für Lohnbestandteil (vgl. Kommentare und NZZ)
- sämtliche kindergerechten Bezeichnungen für Geschlechtsorgane (auch hier wäre wieder ein Wunschpost ausgeschrieben: Wie sagt man einen Kind, wie das da unten heisst, ohne dass es verniedlichend oder biologistisch wirkt)
- file sharing, peer to peer, ... Web 2.0 slang
- Pädagogikslang: Lernziele, Evaluation, Förderung etc.
- Trinkgeld - ist das wirklich ein Eu-phemismus?
Eingestellt von Philippe Wampfler um 14:54
Andreas Thiel bei Giacobbo/Müller
Schon weil die Kronenhalle in seinem - sagt man dafür Sketch? - vorkommt, müsste ich mich zu Andreas Thiels Auftritt verlautbaren lassen. Reduzieren wir den Mann mal auf seinen Intellekt und lassen sein Peter Handke-Styling mal aussen vor. Allerdings steckt vielleicht gerade in dieser Analogie mehr, als man auf den ersten Blick denken würde: Während Handkes politische Inkorrektheit eine Art Programm ist, das nicht immer ganz verständlich und nicht immer ganz rational gewesen ist, so scheint hier eine Art überlegen-abgehobene Intellektualität durch diese schampar provokative Form des Umgang mit politischen Sprengthemen bewusst angereichert worden zu sein.
Zum Inhalt kann ich kaum was sagen -
»ein Modell tritt in Paris aufs Parkett«Zeigt man schon Medienkompetenz, wenn man solche Anspielungen versteht? Oder gibt es einen Payoff ganz anderer Art, wenn man sich durch diese Wortspielereien einlullen lässt? Ich kanns nicht beurteilen. Vielleicht noch eine letzte Bemerkung zur Syntax: Stand-Up-Comedy lebt ja im Normalfall von einem autobiographischen Gestus, man erzählt man so spontan, was man Aufregendes erlebt hat. Thiel wählt da einen ganz anderen Ansatz, den man vielleicht synchrones Denken nennen könnte: Nicht nur, schafft er es, auf subtile Art, den schweizerischen Kulturbetrieb (der scheint ihn ganz besonders zu stören), die schweizerische Sozialdemokratie und paramedizinische Heilformen zu kritisieren, sondern er verbindet diese Kritik auch noch (»während...«) mit dem Fokus des aussenpolitischen Interesses. Man würde sich wünschen, so ein Mann würde der Tagesschau neues Leben einhauchen, da könnte die neue Struktur auf einen ganz neuen Level gehoben werden...
»in Iran wird nach Uran gesucht«:
(Darf ich dazu noch was sagen: Vorschau - Schweiz - Ausland - Varia/Sport - Rückblick? Erstens kommen die wirklich gewichtigen Themen irgendwo in der Mitte der Sendung, zweitens muss ich mir noch einmal ansehen, was ich gerade eben gesehen habe... Es gibt nur zwei logische Erklärungen: Man will den Leuten, die sofort einschlafen, wenn sie das Tagesschau-Signet hören, die Chance geben, vor Meteo noch mitzubekommen, was so in der Welt gelaufen ist, oder aber man will den Leuten, die noch nicht gemerkt haben, dass die Tagesschau etwas länger dauert und fürs Meteo einschalten, auch noch etwas Tagesaktualität auf den Weg geben...)
Eingestellt von Philippe Wampfler um 09:16
Montag, 28. Januar 2008
Unflyblown

Grosses Rätsel - am Wochenende habe ich All the King's Men geschaut und bin dabei über das Wort
unflyblowngestolpert. Nun weiß weder der gute Leo noch das Internet, was das Wort heißen soll. Hier findet man das Originalskript des Films. Setze einen grossen Preis für die Lösung des Rätsels aus - einen Post nach Wahl.
Zum Film: Etwas enttäuschend, mag Filme mit Staraufgebot selten, auch Politikerfilme, in denen dann doch alle irgendwie korrupt oder halbkorrupt sind, tun mir es in den seltensten Fällen besonders an. Sean Penn überragt aber diesen Film und macht ihn sehenswert.
Eingestellt von Philippe Wampfler um 22:05
Etwas vom Wagen
Am Freitag zum ersten Mal eben dieses Gericht in der Kronenhalle genossen. »Bling-bling«, das offenbar neue französische Sarkozy-HipHop-Wort, war ungefähr das einzige, was ich noch sagen konnte. Auf dem Wagen war ein Kalbscarré, wie es wunderbarer nicht sein könnte, mit Kräutern zubereitet, das für mich, als ersten Konsumenten, aufgeschnitten worden ist und mit etwas Kartoffelpurée, Morchelsauce und Gemüse serviert worden ist. Konnte mich, nicht nur aufgrund des Ambientes, gegen ein Supplément nicht zur Wehr setzen. Die ehrwürdige Kronenhalle hat mich sofort in ihren Bann gezogen, muss man wohl sagen.
Eingestellt von Philippe Wampfler um 10:01
Krieg?
Samstag, 26. Januar, 11 Uhr, Bern. Droht uns ein Krieg? Warum steht in jeder Seitenstrasse ein gepanzertes Polizeifahrzeug, auf jedem Platz drei, mit entsprechend martialisch bewaffneten Polizisten... ah, ja, eine Demo »droht«. Unglaublich, welche Sicherheit so ein Aufgebot austrahlt.
Eingestellt von Philippe Wampfler um 09:56
Donnerstag, 24. Januar 2008
Kontrolle und Überwachung
Datenschutz wäre ein hehres Anliegen - irgendwelche Daten so zu schützen, dass sie niemand einsehen kann, ausser den Leuten, die das dürfen und müssen. Dass Datenschutz ein einigermassen heuchlerisches Unterfangen ist, dürfte aus meinen Überlegungen zu Teledata (hier und hier), einem Dienst, der zahlenden Kunden erlaubt, Daten von allen in der Schweiz lebenden Menschen ohne ihr Wissen abzufragen, klar geworden sein. Es gibt andere Beispiele; die Hooligandatenbank Hoogan, Kontoinformationen auf der Bank usw.
Nun entsteht an diesen Punkten das Problem, dass gesammelte Daten nur einem eingeschränkten Personenkreis einsehbar sind - woraus sich ableiten lässt, dass Daten entweder: Von niemandem einsehbar sein sollten, oder dann von allen.
Das zweite Prinzip gilt bei vielen Steuererklärungen oder Betreibungsauszügen, die von jedermann angeschaut werden können. Ebenso verhält sich Web 2.0: Dank Mobile Scrobbler auf dem iPhone (und AirTunes) kann hier jedes Lied sehen, das ich mir anhöre. Ebenso kann man sich bei Nike registrieren und jeden gelaufenen Kilometer innerhalb einer Community austauschen. Bald wird also über jeden Wissen, was er für Musik hört, wie weit er jeden Tag joggt und und und.
Wenn hier paranoide Gedanken einsetzen, muss man nur noch ein wenig weiterdenken, und alles wird besser: Wenn wir auch von allen Leuten wüssten, wie viel Geld sie auf dem Konto haben, von allen, wann sie ins Bett gehen und wann sie aufstehen, von allen alle SMS lesen könnten und und und - dann könnte sich niemand mehr einen Vorteil verschaffen, in dem sie an diese Daten herankommen. Natürlich sollte das nicht das Ziel sein - aber Web 2.0 ist unproblematisch, weil es sich um demokratisch geteilte Informationen, handelt bei denen alle die gleichen Rechte haben und sich dessen auch bewusst sind. (Google dürfte hier aber eine Ausnahme darstellen, man vergleiche das Dossier in der WoZ.)
Man könnte in einer Art Charta fordern, dass
- Informationen, die gesammelt werden, allen Betroffenen zugänglich gemacht werden müssen
- es keine technischen Hürden geben darf, die das Einsehen der Informationen erschweren
- es grosse rechtliche Hürden braucht, um unterschiedliche Rechte zu vergeben, also z.B. auf Behörden und Polizei beschränkte
- es keine selektiven Datensammlungen (z.B. Hooligans, Linkautonome etc.) geben darf, bei denen diffuse Kriterien zum Zug kommen, sondern nur integrale (wer war alles an einem Fussballspiel).
Eingestellt von Philippe Wampfler um 09:43
Montag, 21. Januar 2008
Meister des Trash und Schund - oder Meister der Mittelmässigkeit
Der neue Roman von Martin Suter, Der letzte Weynfeldt, könnte die These der Mittelmässigkeit nicht besser belegen: Da kann ein Autor recht gut schreiben (sein Stil ist simpel, und das kann durchaus ein Kompliment sein) und hat ein gutes Gefühl für Plots und Pointen, wie seine Business Class Kolumnen bestens zeigen - und schreibt ein Buch, das harmloser nicht sein könnte. In drei Vierteln des Buches, so scheint es nach erfolgter Lektüre, geht es ums Essen, Verspätungen oder Kleider. All das ist einordnenbar, nichts stellt sich quer, es entsteht kein Bild von einem unbekannten Millieu, aufregenden Beziehungen, speziellen Menschen - alles ist so, wie wir es kennen, und was sich abspielt kratzt am Unterhaltenden, liest sich deshalb leicht, weil es immer mehr verspricht, als es halten.
Also - eigentlich keine schlechte Lektüre, aber wie die letzten Bücher von Suter das Gegenteil von nachhaltig, konsumierbar, wär vielleicht das richtige Wort. Bei Small World und Die dunkle Seite des Mondes schien Suter wenigstens noch Themen zu haben, jetzt schreibt er offenbar, um sich die Zeit zu vertreiben oder um noch mehr Geld zu verdienen. Vielleicht werde ich also das nächste Buch nicht mehr reflexartig kaufen, vielleicht auch wegen diesem Satz, einem der letzten und einem der schlimmsten:
Sie sah so schön aus, dass er sie küssen musste.
Eingestellt von Philippe Wampfler um 16:44
Donnerstag, 17. Januar 2008
Mittelmässigkeit als Wert
Auf meiner Suche nach den Werten der Schweiz (das hier habe ich noch unterschlagen, dort gibt es genauere Details zum Sorgenbarometer und dem im gleichen Zusammenhang erhobenen Stolz auf die Schweiz, über den ich mich schon geäußert habe:
Die Identität der Schweiz - was macht sie im Positiven aus? Neben Sicherheit/ Frieden wird zuallererst die Neutralität genannt. Die Landschaft, der Wohlstand und das Ordnungsbewusstsein sowie die (Meinungs-)Freiheit und die Berge folgen bereits mit deutlichem Abstand.Zusammengefasst: Der Schweizer oder die Schweizerin sind stolz darauf, sicher, neutral, reich und ordentlich zu sein.
Nach der Hauptstärke des Landes befragt, nennen die Schweizerinnen und Schweizer neben der Neutralität auch die Schweizer Qualität. Wichtig sind zudem die Mitspracherechte, die Bildung und der Finanzplatz.
Diese Kombination lässt mich an ein Ergebnis meiner intensiven gedanklichen Nachforschungen denken, wodurch sich die Schweiz besonders durch Mittelmässigkeit auszeichnet. Nun, das will ich kurz ausführen, obwohl ich davon wieder abgerückt bin - letztlich zeichnen sich alle Angehörigen einer Nation durch Mittelmässigkeit aus, mit Ausnahme gewisser ganz exotischer Völker (z.B. Isländer und Kreter).
Die Schweizer Mittelmässigkeit zeigt sich darin, dass
a) unsere Promis mittelmässig sind - Dieter Meier, Roger Federer, Bertrand Piccard, Melanie Winiger & Stress und wers da noch so gibt: Sie ragen nicht heraus, würden als Schwiegersohn, Schwester, reicher Onkel in jede Familie aufgenommen
b) unsere Arbeit mittelmässig ist - wir gehen alle fleißig hin, arbeiten mittelmässig motiviert, aber auch nicht ganz schlecht
c) unsere Medien enorm mittelmässig sind (Roger Schawinski ist in dieser Branche ein Pionier und innovativer Typ, man stelle sich das vor)
d) wir uns mittelmässig kleiden, nicht ganz schlecht und auch nicht ganz gut
e) wenig mögen, was nicht mittelmässig ist.
Nun, das ist erdrückende Evidenz, nehm ich mal an - aber der Clou folgt noch.
Nun stellt man sich wohl den tpyischen SVP-Wähler (oder die typische Wählerin, solls ja auch geben) vor und denkt, hier sei die Mittelmässigkeit personifiziert. Weit gefehlt: Gerade weil Blocher nicht mittelmässig war, sondern ein Halbgott in seinem Amt, wurde er aus der Regierung gemobbt. Die SVP ist das Nicht-Mittelmässige an unserem Land, wie in Forenkommentaren wieder und wieder gesagt wird - obwohl sie möchte, dass alles in der Schweiz so bleibt, wie es nie gewesen ist. Ein interessantes Beispiel verqueren Denkens - obwohl ich doch gesagt habe, man sollte der SVP nicht so viel Raum zugestehen. Ich machs nie mehr, nie mehr.
Eingestellt von Philippe Wampfler um 17:28
Dienstag, 15. Januar 2008
Eine Karikatur seiner selbst?
Wer ist Rinaldo Bucher, möchte man fragen? Antwort: Der hier, ein Vertreter der (Achtung, jetzt kommts!) »SVP International« (die Partei plant wohl verdeckt eine Oppositionsrolle auch in der EU oder in der ganzen Welt):Und wie wird man auf ihn aufmerksam? Durch seine gewitzten Kommentare zu allem und jedem, wozu seine Partei was zu sagen hat, z.B. hier, hier und hier (und noch an ganz vielen anderen Orten). Leider beantwortet er keine Fragen mehr auf seinem Blog, nur zur gern hätte ich gehört, was er mir zu berichten hat. Weder Hemd noch Krawatte täuschen, der junge Herr hält sich in den USA auf, wohl um eine Ausbildung, die einen problematischen Verlauf genommen hat, zu beenden. Was uns das Internet nicht alles zu berichten hat.
Eingestellt von Philippe Wampfler um 13:36
Montag, 14. Januar 2008
Dekadente Kultur?
Lange hab ich mir überlegt, ob ich das darf - zwei Mal hintereinander ein youtube-Video posten. Aber da Leute wie ich prinzipiell keine Prinzipien haben, werde ich es tun, auf die Gefahr hin, dass es allgemein schon bekannt ist.
Es handelt sich um das philippinische CPDRC Gefängnis, in dem aus folgenden Gründen Choreografien zu Liedern einstudiert werden:
Inmates at the CPDRC are required to go through a workout regimen. While the goal is to keep the body fit in order to keep the mind fit, such may not actually happen if it is not done in a manner deemed pleasurable. Music, being the language of the soul, is added to that regimen.
Decadent cultures in jails are only spillovers of the culture outside. In approaching behavioral and cultural change, one has to look at the decadence of society to change the culture in the jail. http://www.blogger.com/img/gl.link.gif
Quelle:
Dass es sich hierbei um eine »manner deemed pleasurable« handelt und dass man mit solchen Methoden eine Befreiung der kulturellen Dekadenz erreichen könnte, sind wildeste Spekulationen. Unterhaltsam ist das Ganze allerdings trotzdem, wenn auch nicht unumstritten. Ich wähle nicht das populäre Thriller-Video, sondern Radio Gaga (finde, das nimmt die Gefängnisatmosphäre besser auf):
Eingestellt von Philippe Wampfler um 16:24
Freitag, 11. Januar 2008
Blendet das iPhone?
Nein, auf Deutsch tut es das nicht - auch wenn seine Suprigkeit mich schon oft in blendungsähnliche Zustände versetzt hat, obwohl ich nicht damit telefonieren kann. Aber - es blendet auf englisch super, wie man hier sieht. Es zieht sich ganz leicht etwas in mir zusammen (das wehrt sich gar nicht, das iPhone), aber dann erfolgt der katharsische Effekt, es war ja nicht meins, das liegt noch brav da.
Eingestellt von Philippe Wampfler um 14:51
Donnerstag, 10. Januar 2008
Der moderne Schweizer Soldat
In einem so genannten »Factsheet« gibt die Armee in Bezug auf den neuen Wachbefehl unten stehende Einschätzung zum Besten. Gut zu wissen, ist nicht nur, dass es »weniger tödliche Zwangsmittel« gibt, die eingesetzt werden, sondern auch, dass im Rahmen eines »verhältnismässigen Einsatzes« »der Gebrauch der Schusswaffe« tatsächlich »die letzte Möglichkeit ist«. Ach wie gut, gibt es ihn, den modernen Schweizer Soldaten.
Der moderne Schweizer Soldat soll ab Beginn der Grundausbildung in der Anwendung verschiedener Zwangsmittel ausgebildet werden (körperlicher Zwang, Reizstoffspray als Zwischenwaffe, persönliche Waffe). Dieses Nebeneinender von nicht tödlichen / weniger tödlichen und tödlichen Zwangsmitteln ermöglicht ihm den jeweiligen Verhältnissen angepasstes Handeln, indem ihm eine Auswahl an Zwangsmitteln zur Verfügung steht. Er lernt auch, dass der Gebrauch der Schusswaffe die letzte Möglichkeit im Rahmen eines verhältnismässigen Einsatzes ist.
Wer Wachtdienst mit Kampfmunition zu leisten hat, weiss, dass er im Rahmen dieser Verhältnismässigkeit - und allenfalls nach Warnruf oder Warnschuss - möglicherweise in letzter Konsequenz die Waffe einsetzen kann. Er weiss, dass seine Waffe geladen ist, aber gesichert sein muss.
Deshalb ist es richtig, dass die Waffe nicht untergeladen, sondern geladen ist. Dienicht gemachte Ladebewegung wäre in diesem differenzierten Umfeld gefährlich: Erstens, weil sie im Notfall Zeitverlust bedeutet, zweitens, weil der Soldat trotzdem vergessen kann, dass er sie noch nicht gemacht hat und dadurch falsch reagiert.
Quelle: vbs (die formalen Fehler im Original)
Eingestellt von Philippe Wampfler um 18:44
Betr.: Erpressung
Dass es offenbar out ist, Erpresserbriefe zusammenzuschnipseln, wusst ich nicht - auch nicht, dass man neuerdings Erpressungen im Stil eines Geschäftsbriefs abfasst. Ein paar weitere Hinweise, wie man (nicht) vorgehen soll, wenn man jemanden erpressen will, gibts bei der Süddeutschen Zeitung (inkl. Bilder). Erpresser schreiben heute ungefähr so:
("Betr.: Erpressung"), inklusive Adressfeld, korrekter Anrede, Blocksatz oder gar dem Vermerk "Anlage: 1Giftpaket". Die Erpressung wird dann oft als Kredit, Geschäft oder Spende schöngeredet. Einige Autoren mühen sich freilich durch diesen Geschäftsbriefton, als würden sie auf hohen Stelzen durch die Sprache staksen: "Dies lässt diesseitig Zweifel an der Ernsthaftigkeit Ihrer Zahlungsbereitschaft aufkommen." Oft rauschen das texttypische Muster des formelhaft höflichen Schreibens und der unhöfliche, ja brachiale Inhalt, nämlich die Erpressung nebst drastischer Konsequenzandrohung bei Nichtbefolgen, gar ineinander wie zwei Güterzüge, die Sätze, die durch die unhöfliche Höflichkeit entstehen, sind dann von verquerer Komik: "soviel muss ihnen ihr Geschäft wert sein, ansonsten sind sie dem Untergang gezeichnet."
Eingestellt von Philippe Wampfler um 11:49
Mittwoch, 9. Januar 2008
Schöne schweizerdeutsche Wörter
Gestärkt durch ein Gruppenexperiment veröffentliche ich hier eine Liste schöner Wörter aus meiner Muttersprache, vorerst mal ohne Kommentar, etwas geordnet. Über Kommentare und Nachfragen freu ich mich.
- schampar, schüli, bigoscht, rüdig... (huere)
- brötle, blööterle, bööge, bisle
- täubele, tüschle, tschutte
- giggele, chüschele, zoisle, chrömle, goisse
- schmüsele, bäbele
- gschmuch, schüch
- s Nell
- pfnuchse
- Heubürzel
- öppis
- Zmorge, Zmittag, Znach, Zvieri, Znüni
- Anke
- Nastuech, Schnudernase
Eingestellt von Philippe Wampfler um 15:14
Dienstag, 8. Januar 2008
Pizza, Pfizza und aurore - das shönste wort von deutshe
Heute eine total überzeugende Argumentation gefunden, welches das schönste Wort der deutschen Sprache ist. Der ganze Text (von Zé Do Rock) ist hier nachzulesen.
Shönste wort von deutshe sprache is »pizza«. Jeder weiss das. Pizza is sigertyp, in fünfziger jare nur leute Napoli wussten was is das – armeleute-essen. Und jetz? Jede indianer in tiefst Amazonas weiss was pizza is.
Is kurz, dynamish, 2 z. Keine lautvershibung, nix germanish Pfitzer. Könnte man auch anbite pfizza – pizza mit pfiff. Aber da war jury, jury sagt nix pizza sondern »Habseligkeiten« shönste wort. Sit aus finnish. Noch finnisher, nur Haapseelikaiten.
Kann nich erinnern solche wortwettbewerb in Brasil. Einmal gelese, franzose denke shönste französishe wort »aurore« (Morgenröte). Dabei spreche wort so aus wie brasilianer wort »horror«, one H. Trotzdem: nimand kommt idee wäle »horror« oder französish »horreur«. Nu, Frankreich immer beshäftigt mit l’orthograph von difficile worte, wärend deutshe spilen mit worterfinden.
Eingestellt von Philippe Wampfler um 16:49
Mit durchgeladener Waffe
Was Nettes mal wieder vom VBS: Wache wird in der Schweizer Armee neu mit durchgeladener Waffe geschoben. Bedenkt man, in welchem Zustand unsere Wachmänner Dienst leisten, wie sicher sie im Umgang mit der Waffe sind etc. ist das eine Garantie für Unfälle. Grandios, grandios, lieber Herr Schmid, Sie ach doch so linker Bundesrat.
Vor allem eine äusserst sinnlose Massnahme, da
1. noch nie etwas passiert ist, wo die WK-Wachleute eingreifen mussten
2. sie im Notfall ohnehin die Polizei holen wollten.
Im Tagi noch Äusserungen von Politikern:
«Ein Soldat im Dienst muss mit einer geladenen Waffe umgehen können», sagt Generalsekretär Gregor Rutz.Hätte anstatt zwei gern nur ein Modalverb gelesen, nämlich »kann...umgehen« - aber so ist es leider nicht.
Eingestellt von Philippe Wampfler um 15:04
Montag, 7. Januar 2008
Reaktionen und Alternativen
Man vergleiche die Reaktion auf meinen letzten Blog-Beitrag mit der auf Max Küngs erste neue Kolumne:
Gruffalo Interna interessieren weniger. Wie wärs mit kritischen Worten zum Anfang der neuen Küng Kolumne? Oder zum Abschuss der alten...
Das neue Jahr startet gut: Max Küng schreibt uns mit seiner neuen Kolumne den grauen Alltag bunter und gibt uns einen Grund mehr, am Samstagmorgen als ersten Griff das Magazin zu öffnen. Tausend Dinge im Selbstversuch: schonungslos direkt, erfrischend, menschlich. Ich lasse mich gern überraschen.
Das haben wirs - »schonungslos direkt, erfrischend, menschlich« findet man nur Küng. Aus diesem Affront könnte nun Kapital geschlagen werden, und die alte und die neue Kolumne von Küng zur Sau gemacht werden, wie ich das noch nie gemacht habe. Nur leider - boring. Ich schlag Das Magazin schon gar nicht mehr auf, hab ergo erst durch den netten Kommentar gemerkt, dass es da was zu bemerken gegeben hätte (und ehrlich gesagt - wie lange hat es gedauert, bis irgendwer bemerkt hat, dass man mit dieser Kolumne nun keines von 1000 Dingen hinter dem Ofen hervorholen kann, 145 von 1000 Dingen im Print erreicht, ha...) Gut, ich reg mich gar nicht erst auf, deshalb:
10 nicht-lahme Alternativen zum Tagi-Magi für den Samstagmorgen:
- Das Magazin der Süddeutschen Zeitung online lesen oder ausdrucken (oder am Freitag am Kiosk holen). (Alternativ: Das Die Zeit-Magazin.)
- Das NZZ-Folio über einen Monat verteilt jeden Samstag lesen (gibts auch online). (Im Übrigen hab ich das Rätsel aus dem letzten Folio richtig gelöst, JJJJJJuhuuu...)
- Den Gruffalo-Chor immer wieder hören.
- Ein gutes Buch oder einfach nur ein Buch lesen - z.B. The Dice Man von Luke Rinehart. Und sich dann zwei Würfel kaufen.
- Sich einen Trudy Müller Bosshard-Band kaufen und jeden Samstag zwei anstatt ein Rätsel lösen. Dann hilft auch dieser Blog weiter.
- Im Sommer an den Letten, im Winter ins Einzigart gehen und sich die coolen frisch gewordenen Zürcher Jungeltern, für die das Tagi-Magi ist, gleich selbst anschauen.
- Alle alten Posts von meinem Blog lesen und zu jedem einen bissigen Kommentar schreiben.
- Die alten Sommerrätsel von CUS lesen, lösen und lieben. Oder eines seiner Bücher lesen.
- Einen eigenen Blog starten und jeden Samstag einen Eintrag machen (so im Stil: Ich denke mir meine eigene Max Küng Kolumne aus, »1000 Gedanken am Samstagmorgen«, »Was diese Woche alles auf meinem Einkaufszettel stand«, »Was die mittelmässige Welt über mein ach-so-unmittelmässiges Leben noch erfahren könnte«...
- Und was man schon vor der Vielfalt der Sonntagspresse wusste: Am Sonntag soll man die NZZ vom Samstag lesen, oder die rausgerissenen Artikel der letzten Woche. Das kann man auch am Samstagmorgen machen.
- Und weil ich grad so gut drin bin, hänge ich noch einen an: Alle heute-Singles der Woche ausdrucken und eine Reihenfolge erstellen (nach beliebigen Kriterien: Einkommen, Haarfarbe, beste Aussagen zum Thema »Sex«, »nie ohne«, usw.). Dann eine eigene ausfüllen.
Eingestellt von Philippe Wampfler um 23:17
Samstag, 5. Januar 2008
Gruffalo

Ein Kinderbuch der ganz besonderen Sorte: Gruffalo. Abgebildet ist ein Gruffalo, ein Wesen, das natürlich im Wald lebt. Ein üblicher Sprachgebrauch ist es, Gruffalo- als Präfix zu verwenden: Das sind dann Gruffalo-Ohren, Gruffalo-Zähne, ein Gruffalo-Buch, ein Gruffalo-Wald etc.
Zentral ist, das o ganz britisch als »ouu...« auszusprechen.
Wer Gruffalo und seine Freunde hören will, sollte sich den Gruffalo-Chor ansehen!
Eingestellt von Philippe Wampfler um 13:21
Freitag, 4. Januar 2008
iPhone hacken
Wollte jemand ein iPhone (Firmware 1.1.2 OTB) hacken (und wer will das nicht rein theoretisch können, ohne dass man das darf), müsste sie oder er so vorgehen:
1. Downgrade per iTunes. Dazu dieses File laden. iPhone Ein-/Ausschalttaste und Menutaste halten bis angeschaltetes iPhone ausschaltet, nur noch Menutaste halten, bis iPhone im Recovery-Modus.
Anschliessend in iTunes mit Alt-Maus auf Wiederherstellen klicken und das runtergeladene File auswählen.
2. Independence laden. Hilfe-File lesen und schrittweise aktivieren und unlocken.
(Alternativ: Das hier lesen.)
3. Um externe Applikationen laden zu können, braucht es die Installer.app. Unter dem angegebenen Link laden, dann »Paketinhalt zeigen« (Mac) und nur die Installer.app per Independence laden. Daraus können dann (durch Hinzufügen weiterer sources) alle Standalone-Apps direkt geladen werden.
Im Moment kann es noch nicht so entblockt werden, dass man damit telefonieren kann, als Luxus-iPod-Touch benutzen geht aber bestens. Den aktuellen Status der Hackercommunity erfährt man hier.
Eingestellt von Philippe Wampfler um 17:44
Bullshit-Bingo
Es gibt so Gelegenheiten, die nach diesem Spiel schreien: Man zeichnet mit mit fünf waag- und fünf senkrechten Strichen 4x4-Quadrate auf ein Blatt. In jedes Feld schreibt man einen Begriff, der in diesem bestimmten beruflichen Kontext Orwellsches Newspeak sind - also kompletter »Bullshit«. In meinem Umfeld wäre das »wirkungsorientiert«, »ein Gefäss schaffen«, »ein Geschäft aufgleisen« usw.
Sobald einer dieser Begriffe fällt - es ist nicht verboten, ihn selbst in die Diskussion einzubringen - darf man ihn auf seinem Blatt abstreichen. Wer zuerst vier horizontal, vertikal oder diagonal aneinandergrenzende Felder abgestrichen hat, ruft laut: Bullshit! Und hat gewonnen.
Hier ein Beispiel für die Macwelt.
Variante: Man schreibt jeweils den anderen das Blatt voll, worauf diese viel aktiver werden müssen und die Diskussion entsprechend prägen können.
Eingestellt von Philippe Wampfler um 17:39
Montag, 31. Dezember 2007
SVP-Neueintritte
Die SVP meldet neue Mitglieder en masse: Bericht der NZZ. Darf man fragen: Ob das stimmt? Darf man fragen: Wie viele Mitglieder ausgetreten sind? Und: Wen haben diese neuen Mitglieder wohl bei der letzten Wahl gewählt?
Die Medien müssen aufpassen, nicht dauernd in die gleiche Falle zu laufen: Sich liberal und links angehaucht zu präsentieren und dabei der SVP und ihren Themen (Jugendgewalt, Sicherheit) einen Platz einzuräumen, der ihnen ständige Publizität verspricht.
Wünschenswert wäre eine sachliche Diskussion über relevante Themen, bei denen die SVP zu differenzierten Positionsbezügen gefordert wäre - was sie dadurch, dass sie selbst Themen besetzen kann und sie mit einfältigen Parolen belegen kann, geschickt verhindert.
Eingestellt von Philippe Wampfler um 12:21
Dienstag, 25. Dezember 2007
Eine Legende - CUS
Dieser verflixte Rätselmacher aus Bayern: Sogar seine Identität ist ein Rätsel. Habe zwei volle Tage in sein NZZ Folio-Rätsel investiert und lese nun sein neuestes Buch (ein Weihnachtsgeschenk). Und der lässt mich nimmer los, ziehe sogar in Erwägung, mit einem alten SZ-Rätsel zu beginnen, und da scheint es noch etliche andere seiner Rätsel auf dem Web zu haben. Ein schwarzes Zeitloch, so ist zu befürchten.
Für alle, die wissen wollen, wies geht, hier drei Fragen, die unten an seinem NZZ-Interview stehen:
- In einem Umkreis von 10'000 km um ein Schiff befindet sich kein Hafen. Wie heißt das Schiff?
- Der Februar ist der kürzeste Monat. Welcher Monat ist der längste im Jahr?
- Es ist vermutlich die einzige Frage, die man ehrlicherweise nie mit Ja beantworten kann. Wie lautet die Frage?
Eingestellt von Philippe Wampfler um 13:58
Freitag, 21. Dezember 2007
Swissness
Ich gestehe es: Neuerdings lese ich das SVP-Forum, also so ziemlich genau eine Woche. Natürlich total sporadisch, selektiv und rein zu Unterhaltungszwecken. Aus ähnlichen Motiven hatte ich vor, mich da mal zu erkundigen, was denn eigentlich die Schweiz bietet, um darauf stolz zu sein. Es hat nämlich im letzten Jahr gemäss dem Sorgenbarometer der CS eine Zunahme des der stolzen Schweizerinnern und Schweizer gegeben: Neu sind 86% aller SuS stolz darauf, eben dies zu sein - die Hälfte davon, also 43% (+22%) sind zudem »sehr stolz«, SuS zu sein. Swissness, so zeigen auch Mediendebatten, ist im Schwange, für die Euro 08 (auf die man wohl auch schon stolz sein darf) ist ein neues Hoch an Pop-Nationalismus vorauszusehen.
Da fragt man sich, worauf man denn so stolz ist:
- Ist es die schweizerische Tüchtigkeit, Zuverlässigkeit, Sauberkeit ...?
- Sind es politische Aspekte - dass wir ein demokratisches System haben?
- Sind wir stolz auf geografische Aspekte unseres Landes?
- Auf unser finanzielles Wohlergehen?
- ...
Eingestellt von Philippe Wampfler um 21:28
Heute-Singles: Follow-Up
Man erinnere an »Sex ist geil und cool« - heute wird diese Aussage noch getoppt:
»Sexy finde ich: Alles was sexy ist.« Man fragt sich als geneigter Leser, ob der Akzent auf ist liegt, so im Stil: Selbstverständlich finde ich ALLES sexy, was sexy IST, im Gegensatz zu den andern, die aus der Menge dessen, was das Prädikat sexy verdient, noch selektieren.
Nachzulesen hier, der User hat seine Meinung diesbezüglich aber offenbar schon geändert. Bleibt ihm eine Partnerin zu wünschen, »die man angucken« kann.
Eingestellt von Philippe Wampfler um 21:23
Mittwoch, 19. Dezember 2007
Freitag, 7. Dezember 2007
Mediales Highlight der Woche
Nein, nicht News (no News is good news), die mittlerweile fünfte (!) Gratiszeitung, sondern die Zeitung für 1.-: Der Schweizer.
Hab mich selten so gut amüsiert wie ob diesem mock-SVP-Blatt, das so treffend aufzeigt, wie absurd eine solche Denkweise ist. Die Initiative zur Abschaffung des Auslandes trifft wirklich auch ein Bedürfnis von mir - alle Probleme entstehen nur aufgrund des Auslandes.
Gestern Abend dann CCPT in einer "Beiz" - im Hintergrund eine Diskussion über das Wahlverhalten und plötzlich erhält die SVP-Wählerin ein mir bekanntes Gesicht und einen intellektuellen Hintergrund ("wir Schweizer sind auch nicht schwarz, warum sollten wir eine schwarze Miss Schweiz wählen" - "wir Schweizer sind auch keine Frauen, warum sollten wir eine Frau zur Miss Schweiz wählen") - und es entsteht doch sowas wie Wut oder Beklemmung.
Eingestellt von Philippe Wampfler um 14:07
Freitag, 30. November 2007
Beni Turnheer
»Alterslockerheit« wird ihm attestiert, er steche Francines »Sex« und Kilchbergers »Coolness« sowas von aus (dem Zusammenhang von Sex und Coolness habe ich mich ja schon gewidmet). Eine Ära hat er geprägt im Schweizer Fernsehen, vor 25 Jahren den ersten WM-Final kommentiert und seither alle. Lässt man das Revue passieren, so ist man weniger über Benis Karriere (»Roger? - Das brüchte mer nochli gnauer...«), sondern vielmehr über das Ressort Sport im SF (dessen Leiter Beni übrigens ist). Da gibt es weder einen Moderator, der alle 22 Spieler auf dem Platz kennt, noch eine Moderatorin, die einem Skifahrer ansieht, ob er schnell oder langsam fährt. Dass niemand vernünftige Fragen stellen kann, wenn man mit Sportlern spricht, dass das Motto »sind alli so nett« eine kritische Auseinandersetzung verhindert und das deutsche Sportfernsehen (vor allem der öffentlich-rechtlichen Sender) nicht als Massstab genommen wird (vom amerikanischen ganz zu schweigen) mag eine Eigenart der Schweiz sein. Dass aber lockeres Sprücheklopfen einen nicht zum begnadeten Reporter macht, scheint augen- und ohrenfällig.
Mittwoch, 28. November 2007
Winter - was nun?
Da meine (internationale) Leserschaft danach drängt - wer hätte je gedacht, dass es eine Leserschaft gibt und dass die nach etwas drängt -, folgt hier, was ich schon länger posten wollte, wozu die Zeit aber nicht gereicht hat, in Kurzversion. Der Winter hat mich nämlich trotz neuer Asthma-Medikation etwas ausser Atem gebracht, jeder Tag fühlt sich an, als müsste bald ein Feiertag kommen, an dem es nichts zu tun gibt.
1. heute mich tatsächlich zum ersten Mal geschockt, in der Gestalt dieser Single (gibt es den femininen Artikel zu Single?), der zu Sex die Stichworte "geil" und "cool" einfallen. Und es scheint ernst gemeint. Was meint sie damit? Dass es uncoole und coole Tätigkeiten gibt, leuchtet ein. Uncool: Wäsche zum Trocknen aufhängen. Petflaschen zurückbringen. Betreibung vom Betreibungsamt abholen. Cool: Nach dem 50cent noch ins St. Germain, wo auch Marilyn Manson oder so ist. Bei StudiVZ zu 50 originellen Gruppen gehören. Und: Sex. Aber funktioniert das Gleiche auch mit geil? Ungeil: ... Geil: Sex (erstaunlicherweise), ...
Also, der Link soll nicht vorenthalten werden, hier ist er: http://www.heute-online.ch/community?uid=23821
2. sunrise hat bei der Reaktivierung eines mir gestohlenen Handys, das ich dann doch nur verloren hatte, einen technischen Fehler gemacht, für dessen Behebung "zwei bis drei Tage" benötigt wurden. Erstaunlich war dabei zweierlei: Erstens, dass es Fehler gibt, für dessen Behebung irgendjemand so lange arbeiten muss. Zweitens: Dass gewisse Leute meinen, wenn mein Handy abgestellt sei, sei mir etwas passiert.
3. Leopard ist neu auf meinem Computer installiert und bewährt sich mehr oder minder. Sieht dazu noch gut aus, also ein absoluter Erfolg:
4. Buchtipps, Filmtipps und Ähnliches ein ander Mal.
Eingestellt von Philippe Wampfler um 20:22
Mittwoch, 7. November 2007
Herbst - Was nun?
Wenn die Zeitumstellung uns den Abend um fünf Uhr auf dem Himmel schickt, die Müdigkeit uns am Morgen in die Kissen drückt und man die Sonne nur noch im Internet zu sehen bekommen - was dann?
Zwei Dinge:
1. Doogtoons
Als Videoblog auf den iPod laden, konstant, sanft aber vorsichtig vortastend schauen. (Bemerkung: Nach dem Schauen noch hier vorbeisehen...)
2. Nouvelle Vague
Fröhlich genuge Off-Beat-Rhythmen, um einen über den Tag zu bringen, und traurig genuge "Fade to Gray"s, um zu spüren, dass man wirklich das Grau einmal reinlassen darf.
Grossartig: Männersongs von Frauen gesungen. Fühle mich an meine Matheplattform erinnert, wo ich Männer- und Frauen-Rollen ausprobieren darf: www.1000ways.com!
Eingestellt von Philippe Wampfler um 15:57
Die 21 Ziele der SVP
Man muss eingestehen: Das Programm ist gradlinig formuliert, direkt und verständlich.
Aber: Voll von logischen Fehlern.
Drei, die auf der Hand liegen:
1. Sicherheit muss nicht geschaffen werden, Sicherheit gibt es bereits. Wer fühlt sich eigentlich wirklich, berechtigterweise unsicher in der Schweiz?
2. Steuern senken klingt ja nett - aber warum z.B. Unternehmensgewinne weniger besteuern? Hängt das damit zusammen, dass die SVP ihr Geld von diesen Unternehmen bekommt, die im Gegenzug politische Entscheide beeinflussen. Die SVP senkt nicht die Steuern ihrer Wähler, sondern der reichen Schweizerinnen und Schweizer.
3. Die Sozialwerke sollen nicht ausgebaut werden. Wie steht es um die Direktzahlungen an die Bauern? Sind das nicht eigentlich auch Direktzahlungen? Oder Staatsangestellte, die zuviel verdienen, nicht effizient arbeiten und wo Stellen abgebaut werden können? Warum braucht es die eigentlich heute noch?
Hinter allem lauert ein Phantom: Der kriminelle, eingebürgte Asylbewerber, der fünf Frauen hat, die er einen Stellvertreter hat heiraten lassen, eigentlich nichts arbeitet, dafür aber mehrfach Sozialhilfe verdient, IV-Bezüger ist und nebenberuflich (vollamtlich entschädigt, natürlich), als Muezzin von einer extremistischen Organisation angestellt ist. Er überfällt wehrlose Frauen als Hobby, ist bei Massenvergewaltigungen in Seebach dabei und lässt die Tiere, die er isst, schächten. Bürgert man ihn (den es tausendfach gibt, natürlich) aus, dann könnte man all seine Frauen, seine Kinder (denn solche Leute sind überdurchschnittlich fruchtbar) und Ahnen zurück in ihr Heimatland schicken (dem man sonst die Entwicklungshilfe verweigert), dann gibt es nur noch wenige IV-Bezüger, keine Sozialhilfebetrüger mehr, die Schweiz ist sicher: Juhuu!
P.S.: Die Sendung mit dem Schaf...
Eingestellt von Philippe Wampfler um 12:26
Dienstag, 6. November 2007
Wenn weniger "Qualität" mehr ist...
Ein modernes Missverständnis besagt, man müsse Filme in HD-Qualität mit Dolby Surround Sound schauen, weil mit der höheren Qualität automatisch der Filmgenuss steige.
Ein falscher Schluss.
Filme haben schon immer das Rattern des Projektors, Flecken auf dem Filmstreifen und Ähnliches benötigt, um ihre Wirkung entfalten zu können. Es braucht etwas Störendes, um Gelungenes zu produzieren. Zwei Beispiele:
Das Grindhouse Double-Feature von Tarantino und Rodriguez gewinnt, wenn man es als Cam-Aufnahme sieht, bei der der Winkel leicht verzerrt ist, die Leute aufstehen, um aufs Klo zu gehen und die Kamera ab und zu wackelt.
Rocky Balboa gewinnt, wenn der Ton ganz leicht verschoben ist. Wenn Stallones Lippen nicht mit seinen grossen Worten (z.B. in der Ansprache an seinen Sohn) synchron sind, so gibt ihm das einen tragisch-komischen-Bonus, der weder durch HD noch DS zu erreichen wäre.
Eingestellt von Philippe Wampfler um 12:46
Sonntag, 4. November 2007
Rechtsgrundlage
Meine Frage nach der Rechtsgrundlage einer Massnahme ist schon fast ein geflügeltes Wort - und doch ist sie aktueller denn je. Gibt man beispielsweise gewisse Grundrechte auf, wenn man einen Fussballmatch besucht? Dieser Eindruck konnte zumindest heute in Luzern (und auch früher schon in Aarau) entstehen: Nach dem Besuch eines Spiels darf der Heimweg nicht individuell angetreten werden, schon gar nicht, wenn man mit dem öffentlichen Verkehr unterwegs ist. Sowohl in Aarau als auch in Luzern wurde der Weg in die Stadt durch bewaffnete Polizisten, Schulter an Schulter, abgeschnitten. Nun hatte ich weder vor, in Luzern Randale zu machen noch war ich in irgendeiner Form als Fussballfan ausgezeichnet; ich entstieg einzig und allein dem Bus, der die Fans vom Stadion in die Stadt brachte.
Was also, liebe Luzerner, liebe Aarauer Polizei, ist genau die Rechtsgrundlage solcher Absperrungen?
Eingestellt von Philippe Wampfler um 19:27
Freitag, 26. Oktober 2007
Noch einmal: Wie viel Staat schon wieder?
Nun ist es also so ("it is aso") - am Montag breche ich zu einem "subsidiären Sicherheitsdienst" auf, d.h. ich bewache in Genf und oder Bern Botschaften. Welche dürfte ich nicht sagen, selbst wenn ich es wüsste.
Ist das nun ein Auftrag, den der Staat übernehmen muss? (Gibt es einen militärischen Auftrag, den der Staat übernehmen muss, so ganz generell, aktuell?) Und: Wie rechnet sich das volkswirtschaftlich? Ich erhalte während drei Monaten von meinem Arbeitgeber und dem Bund meinen Lohn weiter bezahlt, während ich vertreten werde. Dafür leiste ich einen Dienst, für den ein Wachmann besser qualifiziert wäre (und für den er wahrscheinlich weniger verdienen würde, als ich verdiene). Rechnet sich das?
Und wenn es sich nicht rechnen muss, weil das halt das Milizsystem ist ("it is aso") und ein Staat wie die Schweiz vor seinen Bürgern keine Angst haben muss und nach Köppel-SVP-Logik ihnen deshalb ein Gewehr geben soll, das sie samt Munition zuhause aufbewahren; dann also leiste ich Militärdienst, damit das eben gerade kein Profi tut, der dann die Bodenhaftung verlieren könnte und etwas tut, was niemand will. Das scheint eine Begründung zu sein, der selbst ich mich, obwohl ich alles lieber tät als in diesen WK gehen, nicht verschliessen kann.
Wenn wir schon bei der Frage sind, warum ich das nämlich tue, denn es gäbe ja Psychiater, Ärzte und Zivildienst, dann wird es noch einmal schwierig. Wenn ich wüsste, dass es nicht Verdrängung und Bequemlichkeit gekoppelt sind, könnte ich vollmundig mein Prinzip verkünden, wonach man in einer Demokratie auch Pflichten erfüllen muss, für die man selber nicht eintreten würde. Und, dass es heuchlerisch wäre, zu sagen man sei krank, wenn man es nicht ist, und ebenso zu sagen, man könne nicht mit gutem Gewissen Militärdienst leisten, wenn man sich selbst und seine Angehörigen verteidigen würde. So prinzipiell und ehrbar würde ich dann argumentieren.
Eingestellt von Philippe Wampfler um 11:46
Die "it is aso"-Philosophie
Es gibt da diese Geschichte von ein paar Schweizer Twenty-Somethings, die in den Ferien in Spanien einen anderen Schweizer beim Englisch Sprechen belauschen, wobei er auffällig häufig die Voten seines Gegenübers mit "it is aso" kommentiert.
Dieses "it is aso" ist mehr als ein sprachlicher Schnitzer, es ist eine Philosophie. "Es gibt Dinge, die man nicht ändern kann", sagt ein schon fast sprichwörtliches Klischee. Ich sage: "It is aso." Sich nicht gegen den Lauf der Dinge stemmen, nicht eine eigene Bewegung initiieren, sondern auf anderen Bewegungen surfen, sich mittragen lassen. "It is aso." Wenn man nämlich weiss, wie es ist, wird alles andere leicht.
Eingestellt von Philippe Wampfler um 11:41
Donnerstag, 25. Oktober 2007
Wahlen
Mit dieser Verspätung ist es wohl erlaubt, dazu was zu sagen:
1. Scheint es nur so, oder wählen die Leute, die an den Orten wählen, in denen viele Ausländer leben, eher SP -- und die anderen SVP?
2. Zum Glück kann man nachlesen, dass Wählerinnen und Wähler sich grundsätzlich irrational verhalten (z.B. hier). Das beruhigt doch wirklich, sonst würde man annehmen, dass Leute wirklich wollen, dass sie durch Lieni Füglistaller, Ueli Maurer oder Natalie Rickli im Nationalrat vertreten werden.
3. Politiker sind Schwätzer - wenn ich noch einmal höre, dass jemand ein lachendes und ein weinendes Auge hat...
4. Und ja - die SP hat Mut bewiesen, dass sie sich nicht auf ein Verena Diener-Spielchen eingelassen hat.
Eingestellt von Philippe Wampfler um 10:33
Mittwoch, 24. Oktober 2007
Animationsfilme
Drei sehenswerte Animationsfilme, ohne viel weiteren Kommentar:
Können Pinguine fliegen?
Fallen Art
Das Rad
Eingestellt von Philippe Wampfler um 21:34
Samstag, 20. Oktober 2007
Schönheitsprodukte der neuesten Generation
Danone bringt nun Schönheit von innen - wenn ich das richtig verstehe, gilt es dieses Joghurt zu essen, um dann rundum zu erstrahlen. Interessant ist nun, wie dieses Model sein Knie füttert, als halte sie ein Kind in den Armen:
Eingestellt von Philippe Wampfler um 11:55
Donnerstag, 18. Oktober 2007
Hello Goodbye
Nein, nicht der Beatles-Song, ein neuer Schweizer Film, dessen Aushang ich gestern zufällig gesehen habe und sofort an die CCPT denken musste:
Gesehen hab ich ihn allerdings noch nicht, daher keine Kritik.
Eingestellt von Philippe Wampfler um 08:50 Tags: CCPT, Film, Photo Booth
Freitag, 12. Oktober 2007
Troubleshooting
Ein paar technische Problemchen haben mich diese Woche auf Trab gehalten, deren Lösung einfaches Googeln nicht sofort bereithält - bevor ichs selber vergess, hier die Lösungansätze:
1. Mozilla Thunderbird findet Kontoeinstellungen nicht mehr. (Ein Problem, das offenbar häufiger auftritt, als es sollte):
Mozillazine löst das Problem - nicht ohne erheblichen Aufwand.
2. Ein Windows Mobile 5 Smartphone oder Pocket PC kann nicht mit dem GPS kommunizieren: Ein schönes Beispiel, wie hilflos selbst Microsoft ihren Produkten gegenüber ist.
a. GPS Settings freischalten mit Registry Manipulation: Hier stehts, wies geht. Für Registryeinstellungen braucht es ein eigenes Tool, z.B. Resco. (Wobei auch hier Smartphones die Application für Pocket Pcs brauchen.
b. In den GPS Settings die Portduplizierung von WM 5 deaktivieren, die richtigen Ports einstellen und im GPS-Programm analog definieren.
3. Dos auf Windows laufen lassen: Löst dosbox ganz nett. (Zudem gibts dafür massig Spiele...)
Donnerstag, 11. Oktober 2007
Alle paar Monate wieder
Linke »Chaoten« tauchen alle paar Monate prominent in den Schweizer Medien auf. Nicht ganz unverschuldet, aber ohne Reaktionen zu provozieren, die über einen Kommentar zur Strategie der Polizei (und damit einem Zuschieben des Schwarzen Peters), der Konstatierung einer Verniedlichung von Gewalttätigen durch linke Politikerinnen und Politiker oder Beschreibungen der Zerstörung und Opfer hinausgehen.
Die Formen von Gewalt werden als eine Art Naturphänomen behandelt, die auftauchen, mit denen man umgehen muss, ohne wirklich etwas dagegen zu unternehmen. Ein Bild gewinnen die Chaoten in Beschreibungen als »Wohlstandsverwahrloste«, »Hooligans« und »Secondos«; womit Langeweile, Gewaltlust und Integrationsprobleme als Gründe für diese Gewalt implizit genannt werden.
Die Äusserungen von Chaoten, die der umtriebige Berner Polemiker Engeler in der Weltwoche zitiert, wonach Politik nichts bewirke, scheinen aber nicht so weit von den Tatsachen entfernt zu sein. Es liegt mir fern, zu sagen, solche Gewaltausbrüche werden direkt von dieser oder jener Gruppierung provoziert, auch die SVP, so schmeichelhaft es für sie vielleicht wäre, wenn sie so heftige Ausbrüche provozieren könnte, zeigt in den relevanten Punkten eine grenzenlose Naivität.
Eine Bereitschaft zu Gewalt in einem solchen Ausmass muss tiefer reichende Gründe haben. Sozialstudien, Vorlieben und andere Aspekte reichen nicht aus, um das Phänomen zu erfassen. Es handelt sich um gesellschaftliche Strukturen, die jenseits von aller politischen Beeinflussbarkeit liegen, unser Zusammenleben aber entscheidend beeinflussen. Gründe, warum fast alle Schweizer bereit sind, so viel zu arbeiten, dass ein ausgeglichenes Privatleben kaum möglich ist, liegen in einer verinnerlichten Disziplinierung, die ebenfalls beinhaltet, dass wir uns drei Mal täglich die Zähne putzen, den Abfall trennen und in die dritte Säule einzahlen. All diese Dinge, die uns erscheinen, als täten wir sie aus freien Stücken, beschränken und beschneiden unseren Alltag, ohne dass wir das wahrnehmen oder artikulieren könnten. Zähneputzen und Abfalltrennen an sich ist nichts Problematisches, aber eine Regulierung des Lebens in einem solchen Mass erzeugt Widerstände; die sich in keiner Form von Opposition äussern können.
Für gesellschaftliche Prozesse ist niemand verantwortlich zu machen. Der Chef setzt nur die Vorgaben des Managements um, das Management die des Verwaltungsrats, der die der Shareholder - und die sind wir alle, unsere Pensionskassen und ein paar andere; die aber nicht als eine Rendite wollen. Wenn niemand verantwortlich ist, ist auch niemand Ziel eines Widerstandes - und folglich gibt es ab und zu solche Entladungserscheinungen, wie sie alle paar Monate anzutreffen sind.
Eingestellt von Philippe Wampfler um 18:23 Tags: Gesellschaft, Politik, Weltwoche
Mittwoch, 3. Oktober 2007
Oliver Stone
Am Zurich Film Festival bisher zwei Oliver-Stone-Filme gesehen: Wall Street und U Turn.
Während den letzten Jahren habe ich Stone immer als Vertreter des absoluten Main-Stream-Kinos wahrgenommen, was bei einem Blick auf seine Filmografie aber auch nicht täuscht. Doch die beiden Filme, vor allem Wall Street natürlich sehr mainstream, zeigen aber einerseits seinen bestechenden Umgang mit Schauspielern, die teilweise über sich hinauswachsen (Michael Douglas spielt in Wall Street einer seiner drei besten Rollen, J Lo wohl ihre absolut beste in U Turn) und einander auch ergänzen (interessant die Familiengeschichten, beide Brüder Phoenix in U Turn und Vater und Sohn Sheen als Vater und Sohn in Wall Street). Zudem kann Stone ganz verschiedene Arten von Filmen machen, U Turn hat beispielsweise in seinen Dialogen und in der Story viel von Tarantino-Filmen, geht aber in der Komplexität darüber hinaus.
Fazit: Gut, sich diese Filme mal wieder anzusehen, geben mehr her, als ich gedacht hätte.
Eingestellt von Philippe Wampfler um 13:46 Tags: Film, Oliver Stone
Ein Gedankenexperiment
Seit meinem Aufenthalt im Literaturarchiv in Marbach, wo von Dichtern behalten wird, was sie an Notizen, Werken, Briefen und Mermorabilia auf der Welt gelassen haben, als sie gestorben sind, treibt mich die Frage um, was für ein Bild man gerne von sich der Nachwelt überliefern möchte.
Dazu muss natürlich vorausgesetzt werden, dass man das möchte und dass die Nachwelt (wie gross oder klein auch immer) überhaupt ein Bild bewahren wird. Nimmt man das aber einmal an, so ergeben sich wohl grob drei Möglichkeiten:
1) Wie man "wirklich" gewesen ist, d.h. ein möglichst vollständiges Bild des eigenen Lebens; alles, was hinter der Fassade des täglichen Lebens zu finden wäre oder ist.
2) Wie man wirken wollte, d.h. alles, was dem Bild, das man von sich gegeben hat, widerspricht, wird ignoriert.
3) Wie man der Nachwelt erhalten bleiben wollte, d.h. man konstruiert eine Art Bild von sich, das das eigene Leben überdauern soll.
Wirklich entscheiden kann ich mich nicht - die Frage hat sich am Beispiel eines Dichter entzündet, der von sich behauptet hat, die Gedichte beim Spazieren zu verfassen und sie zuhause in einem Zug niederzuschreiben - was aufgrund der Entwürfe, die man in seinen Papieren gefunden hat, aber nicht gestimmt hat.
Oder vielleicht kann man sogar anders fragen: Wenn man kein Bild von sich konstruieren könnte, wenn alles, was man tut, sagt, schreibt (denkt?) transparent wäre - wäre das eine schlechtere, weniger lebenswerte Welt?
Eingestellt von Philippe Wampfler um 13:39
Dienstag, 2. Oktober 2007
Die schwarzen Schafe sind die gleichen wie die weissen...
Oder wie aufschlussreich ein Scherztelefonanruf sein kann:
Eingestellt von Philippe Wampfler um 15:05
Donnerstag, 13. September 2007
Das Herumführen von Listen
Man denkt an vieles, was einem zum Verhängnis werden könnte: Zu schnelles Fahren, übermässiger Alkoholkonsum, Mitführen von Drogen, Nichtbezahlen der Steuerrechnung. Tatsächlich lauert aber eine viel grössere Gefahr: Listen.
Listen können Leben zerstören. Anders kann man es nicht sagen. Doch zuerst die Fakten:
1.
Der Blick titelt: »Er führte wirre Listen.« Gemeint ist von Aesch, der vermutliche Ylenia-Entführer/Mörder. Das Listenführen - Ausdruck einer tiefgreifenden Verstörung, Indiz für ein Verbrechen!
2.
Die NZZ zitiert Holenwegers Kommentar zu seinerm »H-Plan«, wo Listen ebenfalls eine zentrale Rolle einnehmen:
»Das Herumführen von persönlichen und unsystematischen Listen und Notizen führte zur heutigen politisch vergifteten Atmosphäre und bewegt mich sehr. Ich entschuldige mich in aller Form für mein unbedachtes Verhalten.«
Fazit: Wer Listen führt, soll darauf achten, dass sie weder »wirr« noch »unsystematisch« sind - im Zweifelsfall aber keine Listen führen.
Samstag, 8. September 2007
Adaption
Den Film eben zum zweiten Mal gesehen und noch begeisterter als nach dem Kinobesuch. Kaufman und Jonze sind in einem Mass kreativ, das weit über die offensichtliche Selbstreferenzialität rausgeht - denn sowas ist literarisch schon alter Kaffee. Ihr Umgang mit den Schauspielern, dem immer leicht grössenwahnsinnig wirkenden Nicolas Cage und Meryl Streep, die meines Erachtens wenig mehr als eine der Tränen nahe midlife-crisis-Intellektuelle geben kann, ist überwältigend. Sie erfinden eigentlich Selbstironie, schaffen einen Film, den man gleichzeitig doppelt, oder dreifach sieht, und bei dem alle Lebensweisheiten, über Blumen und Insekten, übers Drehbuchschreiben, über die Ereignisse, die das Leben bereit hält, einmal als bare Münze, einmal als völliger Stuss und dann wieder als beides gleichzeitig verstanden werden können.
Habe den Film auf jeden Fall auf dem HD-Recorder nicht gelöscht, sondern werde ihn noch einmal sehen - oder noch zweimal.
Eingestellt von Philippe Wampfler um 12:01
Freitag, 7. September 2007
Verschwörung
Verschwörungen allenthalben - gegen Blocher, Roschacher usw. Was, aufs Elementarste verknappt, nur zwei Schlüsse zulässt:
- Für mediale Inszenierungen politischer Scheinabläufe sind nicht mehr nur die Weltwoche und der Blick ideale Plattformen, auch der Tagi mischt da munter mit. Ausgewogen, linientreu wie immer die Berichterstattung der NZZ.
- Die Bundespolitik nimmt sich vor dem Wahlherbst aus wie ein krisengeschüttelter Fussballverein. Keine Partei präsentiert sich in Wahlform, alle scheinen Verluste mehr zu fürchten als Gewinne zu antizipieren, vielleicht die Grünen ausgenommen.
Eingestellt von Philippe Wampfler um 17:46
Montag, 3. September 2007
Bump bumb bump
Mein last.fm-quilt.
So, das muss mal wieder sein.
Latex - ein neues Projekt
Nachdem ich in hier man verschiedenen Word-Templates ausgebreitet habe, bin ich nun in die LaTeX-Gemeinde eingetreten. Nein, das hat nichts Anrüchiges, sondern ist hardcore Textverarbeitung.
So sieht das aus und solche Fragen wirft es auf:
Weltwoche - es reicht
Ob ich zum letzten Mal über die Weltwoche schreibe, weiss ich noch nicht - im Moment kommt es mir aber so vor. Fast alles, was das Blatt bringt, habe ich satt:
- Politische Aussagen, die auf Fallstudien beruhen. Ob Lehrer Bregy, Sozialhilfeempfänger XY samt Sachbearbeiter - immer werden Geschichten von Fällen erzählt, die keine allgemeinen Aussagen zulassen; aber so formuliert werden. Was dem konservativen Lehrer von den vordergründig netten, hintergründig hinterhältigen Schulverantwortlichen angetan wird, ist, so muss angenommen werden, die Schilderung eben dieses Lehrers, einseitig, verzerrt und nicht zu einer Analyse der pädagogischen Landschaft geeignet. In diese Kategorie gehört auch Mörgelis Kolumne, zu der man sich eigentlich nicht äussern muss, die aber als Denkanstoss nicht taugt, weil sie im besten Fall Klatsch und Tratsch und ab und zu eine Geschichte erzählt - aber zu nichts anstösst.
- Lasch recherchierte, tendenziös zusammengeschriebene und gross angekündigte Artikel - sei es über Kalifornien (Beatrice Schlag will uns mitteilen, dass die alles können, wenn sie wollen, und zwar locker und auch den Umweltschutz) oder über die Partyszene in Zürich (schon allein die Formulierungs- und Rechtschreibfehler, dann auch wieder: Eine Gruppe von Partygängerinnen zeigt nicht nur die gesunde Haltung im Ausgang, die Oberflächlichkeit und Harmlosigkeit, sondern auch noch gleich die Politikverdrossenheit und die Haltung der Familie gegenüber der Jugend im Allgemeinen).
- Die Nationalmannschaft. Yakin hat nicht gut gespielt, Streller ist wieder in der Schweiz - sowas interessiert die Leser des Blick Sportteils, aber nicht die einer Wochenzeitung mit (einem gewissen) Niveau. Man kann viel Intelligentes über die Nati schreiben, über Sport im Allgemeinen (siehe NZZ Sportteil), aber nicht so wie De Gregorio, der am liebsten selber ein Star wäre.
- Politik: Auch hier muss man eigentlich nichts sagen, die Linie des Blattes ist bekannt, aber: Deswegen kann man es trotzdem lesen. Die NZZ verfolgt ebenfalls einen sturen politischen Kurs. Doch die Weltwoche provoziert um des Provozierens willen, verknappt, vereinfacht, unterschlägt und wiederholt Dinge so oft, bis man sie fast glauben muss.
SF Sport und Courage
Die NZZ schreibt heute im Sportteil (S. 37) über den FcZ:
Gegenüber der Klubführung allerdings bahnt sich der nächste Konflikt an. Mit einer originellen Choreogragie ("Ich glaub, ich gseh nöd rächt") gaben die treuen Supporter vor Spielbeginn ihrem Unmut Ausdruck über die ihrer Meinung nach überrissenen Ticktpreise im neuen Letzigrund. Das Transparent "Canepa raus" dürfte ebenfalls in diesem Zusammenhang stehen.Doch wo blieben diese Bilder in Sport Aktuell, wo sie wahrgenommen würden? Sie fehlten. Damit bleibt die Sportredaktion von SF ihrer Linie treu - wenn immer etwas halbwegs Brisantes passiert (und sowas verdient das Prädikat brisant kaum), hält sich SF raus. Hört man die dümmlichen Kommentare zum Tennisspiel von Wawrinka, das Geplauder im Sportpanorama oder Fussballkommentare an, fragt man sich, ob man dem überhaupt Journalismus sagen kann.



