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Montag, 24. August 2009

Huhn oder Ei - Medien und Statistik

Die Tagesschau bietet ihren Content neu auf ihrem Videoportal an - und listet dort auch gleich eine Statistik auf, die Aufschluss darüber gibt, welche Beiträge auf das meiste Interesse gestossen sind. Wie der Tagi scharfsinnig folgert, wird die Tagesschau sich deshalb an diesen Interessen orientieren. Heuchlerisch ist diese Kritik allein deshalb schon, weil die Newsnetz-Seite seit ihrem Start mit dieser Art von Statsitik arbeitet und News in Zukunft eine Art »best-of«- bzw. »Hitparaden«-Newsnetz sein soll (oder schon auf dem Weg dazu ist).
Die grundsätzliche Frage ist die: Sollen Medien schreiben, was die Leser lesen wollen, oder sollen die Leser lesen, was die Medien schreiben wollen? Die Frage tritt überall dort auf, wo es Angebote und Nachfragen gibt; denn Angebote können Nachfrage erzeugen, Nachfragen aber auch Angebote.
Das Problem bei der eigentlich offensichtlichen Antwort, Medien sollten über diejenigen Inhalte schreiben, die bedeutsam, wichtig, informativ, relevant etc. sind, ist die Frage, wer denn letztlich darüber entscheidet, welche Inhalte das sind. Eine liberale Position wäre es, den Lesern gerade diese Kompetenz zuzuschreiben und sich deshalb an ihren Bedürfnissen zu orientieren, weil es letztlich eine demokratische Vorgehensweise ist.
Nun tendiere ich - nicht unbedingt aus rationalen Gründen - zur Haltung, dass Medienschaffende mit Selbstbewusstsein, Gespür und vielen eigenen Interessen Leser dazu motivieren können, sich mit einem Stoff zu beschäftigen, für den sie sich vorgängig nicht interessieren, diese Beschäftigung aber als Gewinn empfinden. Der Vergleich mit einem freien Abend ist vielleicht angebracht: Willst du lieber auf dem heimischen Sopha sitzen und einen spannenden Krimi schauen, oder aber die hübsch anziehen, in die Stadt fahren und dort ein elitäres Theaterstück ansehen? Wenn das Theaterstück den»so-was-könnte-man-öfter-tun«-Effekt auslösen kann (und man dafür motiviert worden ist), dann ist wohl die spontane Antwort auf die Frage nicht unbedingt die richtige.
Was aus dem Beispiel folgt, ist die Forderung nach einem richtigen Umgang mit den Statistiken: Wenn Leser auf Stories klicken, in denen es um, sagen wir, Piratenüberfälle geht, dann heißt das nicht, dass sie sich generell für Piratenüberfälle interessieren, sondern dass die Story so aufgemacht war, dass sie sich für diese Story interessiert haben. Zu fragen wäre dann weiter, welche Beiträge wie lang angeschaut werden, und wie diese Beiträge geschrieben worden sind - nicht nur, worum es darin ging. Leser sind durchaus mündig - aber auch in der Lage, eine Herausforderung anzunehmen.

Freitag, 30. November 2007

Beni Turnheer

»Alterslockerheit« wird ihm attestiert, er steche Francines »Sex« und Kilchbergers »Coolness« sowas von aus (dem Zusammenhang von Sex und Coolness habe ich mich ja schon gewidmet). Eine Ära hat er geprägt im Schweizer Fernsehen, vor 25 Jahren den ersten WM-Final kommentiert und seither alle. Lässt man das Revue passieren, so ist man weniger über Benis Karriere (»Roger? - Das brüchte mer nochli gnauer...«), sondern vielmehr über das Ressort Sport im SF (dessen Leiter Beni übrigens ist). Da gibt es weder einen Moderator, der alle 22 Spieler auf dem Platz kennt, noch eine Moderatorin, die einem Skifahrer ansieht, ob er schnell oder langsam fährt. Dass niemand vernünftige Fragen stellen kann, wenn man mit Sportlern spricht, dass das Motto »sind alli so nett« eine kritische Auseinandersetzung verhindert und das deutsche Sportfernsehen (vor allem der öffentlich-rechtlichen Sender) nicht als Massstab genommen wird (vom amerikanischen ganz zu schweigen) mag eine Eigenart der Schweiz sein. Dass aber lockeres Sprücheklopfen einen nicht zum begnadeten Reporter macht, scheint augen- und ohrenfällig.

Montag, 3. September 2007

SF Sport und Courage

Die NZZ schreibt heute im Sportteil (S. 37) über den FcZ:

Gegenüber der Klubführung allerdings bahnt sich der nächste Konflikt an. Mit einer originellen Choreogragie ("Ich glaub, ich gseh nöd rächt") gaben die treuen Supporter vor Spielbeginn ihrem Unmut Ausdruck über die ihrer Meinung nach überrissenen Ticktpreise im neuen Letzigrund. Das Transparent "Canepa raus" dürfte ebenfalls in diesem Zusammenhang stehen.
Doch wo blieben diese Bilder in Sport Aktuell, wo sie wahrgenommen würden? Sie fehlten. Damit bleibt die Sportredaktion von SF ihrer Linie treu - wenn immer etwas halbwegs Brisantes passiert (und sowas verdient das Prädikat brisant kaum), hält sich SF raus. Hört man die dümmlichen Kommentare zum Tennisspiel von Wawrinka, das Geplauder im Sportpanorama oder Fussballkommentare an, fragt man sich, ob man dem überhaupt Journalismus sagen kann.

Freitag, 26. Januar 2007

SF spart - und...

Im Tagi gelesen: SF streicht Formel 1 aus Programm - da nur eine Gebührenerhöhung von 2,5% bewilligt wurde. Peter Sauber ist empört, schliesslich wollten das so viele Leute immer schauen; Formel 1 auf Schweizerdeutsch, und erst recht, seit BMW den Sauber-Renn"stall" übernommen hat. Drei Gedanken ergeben sich sofort:
a) Man könnte an sinnloseren Orten sparen.
b) Es gibt ja Formel 1 immer noch auf Sendern mit kompetenten und kritischen Moderatoren.
c) Man könnte auch an Orten sparen, wo der Öffentlichkeit nicht ganz so schmerzhaft ins Bewusstsein gerückt wird, dass gespart wird.

Und c) führt gleich zu weiteren Überlegungen, die sich auch aus dem Tagi-Text ergeben: SF macht nicht transparent, wo genau wie viel gespart wird. Warum auch? Schliesslich wird es ja über Zwangsgebühren finanziert, wer würde da schon Transparenz erwarten. (Man liest ja auch in der Weltwoche, dass SF auch keine Auskunft über Produktionskosten von Sendungen abgibt.) Alle Ironie beiseite: Das muss ein Ende haben. Die genauen Daten (Zuschauerzahlen, Kosten, Gehälter etc.) müssen von SF jährlich publiziert werden und Entscheide so begründet. Dass da gewisse Leute selbstherrlich ein Programm machen ohne dem Markt ausgesetzt zu sein, wirkt leicht anachronistisch.

Montag, 8. Januar 2007

Was mich am Schweizer Fernsehen aufregt

Die Punkte sind nummeriert, aber nicht geordnet.

1.
In Schweiz Aktuell und in der Tagesschau wird im Abstand einer halben Stunde über das Gleiche berichtet.

2.
a) Eine Wettersendung wird von einem Dach gesendet (auf dem sich ein Swimmingpool befindet).
b) Sie wird moderiert von Moderatoren und Moderatorinnen, die mit korrektem, flüssigem Schweizerdeutsch Mühe haben.
c) Zum Glück gibt es keinen roten Knopf mehr (wofür brauchte man den genau?).

3.
a) Die Fernsehzuschauer bezahlen Gebühren für SF.
b) Z.B. für Sendungen wie MusicStar, Deal Or No Deal, Glanz&Gloria. Populäre Sendungen ohne Anspruch und Niveau - die auch bei Privatsendern angeboten werden.
c) Obwohl die Zuschauer zahlen - können Sie noch Clubmitglied werden, um wirklich "mitsprechen" zu können. Aber sie bezahlen ja schon!

4.
Service Public bei den Medien bedeutet kaum, die ganze Schweiz mit Gebührenunterhaltung zu versorgen. Wer Unterhaltung will, kann dafür bezahlen - Informationen sind Service Public.

5.
Die Tagesschau schafft es nicht mehr, News vernünftig zu hierarchisieren. Die Konzentration auf Trivialereignisse aus der Schweiz und die Vernachlässigung der wichtigen Ereignisse im Ausland ist besorgniserregend.

6.
Professionalität ist nicht besonders wichtig bei SF. Eine Art Kuschelmentalität führt dazu, dass wir seit Jahren inkompetente und unkritische Sportmoderation geniessen, schlecht ausgebildete Sprecherinnen und Sprecher haben und Showformate vorgesetzt bekommen, die der Intelligenz jeden Zuschauers spotten (beispielsweise 5gegen5).

7.
In der letzten Weltwoche (01/07) meint Zimmermann, Schellenberg habe dem SF die Quotenorientierung beschert. Danke. Wer die Zuschauer entscheiden lässt, was sie sehen wollen, vergisst, dass sie das gar nicht wissen, sondern es sich von anderen sagen lassen. Wenn man sich also nach ihnen richtet, so richtet man sich nach den anderen. Klingt recht trivial, doch ich glaub das recht stark. Medien müssen innovative Angebote anbieten und durchhalten - v.a., wenn sie Gebührengelder erhalten und der Publikumserfolg sekundär ist. Sonst könnten sie sich ja problemlos durch Werbung finanzieren, wenn sie so gute Quoten haben.