Montag, 28. Januar 2008

Unflyblown


Grosses Rätsel - am Wochenende habe ich All the King's Men geschaut und bin dabei über das Wort

unflyblown
gestolpert. Nun weiß weder der gute Leo noch das Internet, was das Wort heißen soll. Hier findet man das Originalskript des Films. Setze einen grossen Preis für die Lösung des Rätsels aus - einen Post nach Wahl.
Zum Film: Etwas enttäuschend, mag Filme mit Staraufgebot selten, auch Politikerfilme, in denen dann doch alle irgendwie korrupt oder halbkorrupt sind, tun mir es in den seltensten Fällen besonders an. Sean Penn überragt aber diesen Film und macht ihn sehenswert.

Etwas vom Wagen

Am Freitag zum ersten Mal eben dieses Gericht in der Kronenhalle genossen. »Bling-bling«, das offenbar neue französische Sarkozy-HipHop-Wort, war ungefähr das einzige, was ich noch sagen konnte. Auf dem Wagen war ein Kalbscarré, wie es wunderbarer nicht sein könnte, mit Kräutern zubereitet, das für mich, als ersten Konsumenten, aufgeschnitten worden ist und mit etwas Kartoffelpurée, Morchelsauce und Gemüse serviert worden ist. Konnte mich, nicht nur aufgrund des Ambientes, gegen ein Supplément nicht zur Wehr setzen. Die ehrwürdige Kronenhalle hat mich sofort in ihren Bann gezogen, muss man wohl sagen.

Krieg?

Samstag, 26. Januar, 11 Uhr, Bern. Droht uns ein Krieg? Warum steht in jeder Seitenstrasse ein gepanzertes Polizeifahrzeug, auf jedem Platz drei, mit entsprechend martialisch bewaffneten Polizisten... ah, ja, eine Demo »droht«. Unglaublich, welche Sicherheit so ein Aufgebot austrahlt.

Donnerstag, 24. Januar 2008

Kontrolle und Überwachung

Datenschutz wäre ein hehres Anliegen - irgendwelche Daten so zu schützen, dass sie niemand einsehen kann, ausser den Leuten, die das dürfen und müssen. Dass Datenschutz ein einigermassen heuchlerisches Unterfangen ist, dürfte aus meinen Überlegungen zu Teledata (hier und hier), einem Dienst, der zahlenden Kunden erlaubt, Daten von allen in der Schweiz lebenden Menschen ohne ihr Wissen abzufragen, klar geworden sein. Es gibt andere Beispiele; die Hooligandatenbank Hoogan, Kontoinformationen auf der Bank usw.
Nun entsteht an diesen Punkten das Problem, dass gesammelte Daten nur einem eingeschränkten Personenkreis einsehbar sind - woraus sich ableiten lässt, dass Daten entweder: Von niemandem einsehbar sein sollten, oder dann von allen.
Das zweite Prinzip gilt bei vielen Steuererklärungen oder Betreibungsauszügen, die von jedermann angeschaut werden können. Ebenso verhält sich Web 2.0: Dank Mobile Scrobbler auf dem iPhone (und AirTunes) kann hier jedes Lied sehen, das ich mir anhöre. Ebenso kann man sich bei Nike registrieren und jeden gelaufenen Kilometer innerhalb einer Community austauschen. Bald wird also über jeden Wissen, was er für Musik hört, wie weit er jeden Tag joggt und und und.
Wenn hier paranoide Gedanken einsetzen, muss man nur noch ein wenig weiterdenken, und alles wird besser: Wenn wir auch von allen Leuten wüssten, wie viel Geld sie auf dem Konto haben, von allen, wann sie ins Bett gehen und wann sie aufstehen, von allen alle SMS lesen könnten und und und - dann könnte sich niemand mehr einen Vorteil verschaffen, in dem sie an diese Daten herankommen. Natürlich sollte das nicht das Ziel sein - aber Web 2.0 ist unproblematisch, weil es sich um demokratisch geteilte Informationen, handelt bei denen alle die gleichen Rechte haben und sich dessen auch bewusst sind. (Google dürfte hier aber eine Ausnahme darstellen, man vergleiche das Dossier in der WoZ.)
Man könnte in einer Art Charta fordern, dass

  • Informationen, die gesammelt werden, allen Betroffenen zugänglich gemacht werden müssen
  • es keine technischen Hürden geben darf, die das Einsehen der Informationen erschweren
  • es grosse rechtliche Hürden braucht, um unterschiedliche Rechte zu vergeben, also z.B. auf Behörden und Polizei beschränkte
  • es keine selektiven Datensammlungen (z.B. Hooligans, Linkautonome etc.) geben darf, bei denen diffuse Kriterien zum Zug kommen, sondern nur integrale (wer war alles an einem Fussballspiel).
Meinungen, Kommentare?

Montag, 21. Januar 2008

Meister des Trash und Schund - oder Meister der Mittelmässigkeit

Der neue Roman von Martin Suter, Der letzte Weynfeldt, könnte die These der Mittelmässigkeit nicht besser belegen: Da kann ein Autor recht gut schreiben (sein Stil ist simpel, und das kann durchaus ein Kompliment sein) und hat ein gutes Gefühl für Plots und Pointen, wie seine Business Class Kolumnen bestens zeigen - und schreibt ein Buch, das harmloser nicht sein könnte. In drei Vierteln des Buches, so scheint es nach erfolgter Lektüre, geht es ums Essen, Verspätungen oder Kleider. All das ist einordnenbar, nichts stellt sich quer, es entsteht kein Bild von einem unbekannten Millieu, aufregenden Beziehungen, speziellen Menschen - alles ist so, wie wir es kennen, und was sich abspielt kratzt am Unterhaltenden, liest sich deshalb leicht, weil es immer mehr verspricht, als es halten.
Also - eigentlich keine schlechte Lektüre, aber wie die letzten Bücher von Suter das Gegenteil von nachhaltig, konsumierbar, wär vielleicht das richtige Wort. Bei Small World und Die dunkle Seite des Mondes schien Suter wenigstens noch Themen zu haben, jetzt schreibt er offenbar, um sich die Zeit zu vertreiben oder um noch mehr Geld zu verdienen. Vielleicht werde ich also das nächste Buch nicht mehr reflexartig kaufen, vielleicht auch wegen diesem Satz, einem der letzten und einem der schlimmsten:

Sie sah so schön aus, dass er sie küssen musste.

Donnerstag, 17. Januar 2008

Mittelmässigkeit als Wert

Auf meiner Suche nach den Werten der Schweiz (das hier habe ich noch unterschlagen, dort gibt es genauere Details zum Sorgenbarometer und dem im gleichen Zusammenhang erhobenen Stolz auf die Schweiz, über den ich mich schon geäußert habe:

Die Identität der Schweiz - was macht sie im Positiven aus? Neben Sicherheit/ Frieden wird zuallererst die Neutralität genannt. Die Landschaft, der Wohlstand und das Ordnungsbewusstsein sowie die (Meinungs-)Freiheit und die Berge folgen bereits mit deutlichem Abstand.
Nach der Hauptstärke des Landes befragt, nennen die Schweizerinnen und Schweizer neben der Neutralität auch die Schweizer Qualität. Wichtig sind zudem die Mitspracherechte, die Bildung und der Finanzplatz.
Zusammengefasst: Der Schweizer oder die Schweizerin sind stolz darauf, sicher, neutral, reich und ordentlich zu sein.
Diese Kombination lässt mich an ein Ergebnis meiner intensiven gedanklichen Nachforschungen denken, wodurch sich die Schweiz besonders durch Mittelmässigkeit auszeichnet. Nun, das will ich kurz ausführen, obwohl ich davon wieder abgerückt bin - letztlich zeichnen sich alle Angehörigen einer Nation durch Mittelmässigkeit aus, mit Ausnahme gewisser ganz exotischer Völker (z.B. Isländer und Kreter).
Die Schweizer Mittelmässigkeit zeigt sich darin, dass
a) unsere Promis mittelmässig sind - Dieter Meier, Roger Federer, Bertrand Piccard, Melanie Winiger & Stress und wers da noch so gibt: Sie ragen nicht heraus, würden als Schwiegersohn, Schwester, reicher Onkel in jede Familie aufgenommen
b) unsere Arbeit mittelmässig ist - wir gehen alle fleißig hin, arbeiten mittelmässig motiviert, aber auch nicht ganz schlecht
c) unsere Medien enorm mittelmässig sind (Roger Schawinski ist in dieser Branche ein Pionier und innovativer Typ, man stelle sich das vor)
d) wir uns mittelmässig kleiden, nicht ganz schlecht und auch nicht ganz gut
e) wenig mögen, was nicht mittelmässig ist.
Nun, das ist erdrückende Evidenz, nehm ich mal an - aber der Clou folgt noch.
Nun stellt man sich wohl den tpyischen SVP-Wähler (oder die typische Wählerin, solls ja auch geben) vor und denkt, hier sei die Mittelmässigkeit personifiziert. Weit gefehlt: Gerade weil Blocher nicht mittelmässig war, sondern ein Halbgott in seinem Amt, wurde er aus der Regierung gemobbt. Die SVP ist das Nicht-Mittelmässige an unserem Land, wie in Forenkommentaren wieder und wieder gesagt wird - obwohl sie möchte, dass alles in der Schweiz so bleibt, wie es nie gewesen ist. Ein interessantes Beispiel verqueren Denkens - obwohl ich doch gesagt habe, man sollte der SVP nicht so viel Raum zugestehen. Ich machs nie mehr, nie mehr.

Dienstag, 15. Januar 2008

Eine Karikatur seiner selbst?

Wer ist Rinaldo Bucher, möchte man fragen? Antwort: Der hier, ein Vertreter der (Achtung, jetzt kommts!) »SVP International« (die Partei plant wohl verdeckt eine Oppositionsrolle auch in der EU oder in der ganzen Welt):Und wie wird man auf ihn aufmerksam? Durch seine gewitzten Kommentare zu allem und jedem, wozu seine Partei was zu sagen hat, z.B. hier, hier und hier (und noch an ganz vielen anderen Orten). Leider beantwortet er keine Fragen mehr auf seinem Blog, nur zur gern hätte ich gehört, was er mir zu berichten hat. Weder Hemd noch Krawatte täuschen, der junge Herr hält sich in den USA auf, wohl um eine Ausbildung, die einen problematischen Verlauf genommen hat, zu beenden. Was uns das Internet nicht alles zu berichten hat.

Montag, 14. Januar 2008

Dekadente Kultur?

Lange hab ich mir überlegt, ob ich das darf - zwei Mal hintereinander ein youtube-Video posten. Aber da Leute wie ich prinzipiell keine Prinzipien haben, werde ich es tun, auf die Gefahr hin, dass es allgemein schon bekannt ist.

Es handelt sich um das philippinische CPDRC Gefängnis, in dem aus folgenden Gründen Choreografien zu Liedern einstudiert werden:

Inmates at the CPDRC are required to go through a workout regimen. While the goal is to keep the body fit in order to keep the mind fit, such may not actually happen if it is not done in a manner deemed pleasurable. Music, being the language of the soul, is added to that regimen.
Decadent cultures in jails are only spillovers of the culture outside. In approaching behavioral and cultural change, one has to look at the decadence of society to change the culture in the jail. http://www.blogger.com/img/gl.link.gif
Quelle:

Dass es sich hierbei um eine »manner deemed pleasurable« handelt und dass man mit solchen Methoden eine Befreiung der kulturellen Dekadenz erreichen könnte, sind wildeste Spekulationen. Unterhaltsam ist das Ganze allerdings trotzdem, wenn auch nicht unumstritten. Ich wähle nicht das populäre Thriller-Video, sondern Radio Gaga (finde, das nimmt die Gefängnisatmosphäre besser auf):

Freitag, 11. Januar 2008

Blendet das iPhone?

Nein, auf Deutsch tut es das nicht - auch wenn seine Suprigkeit mich schon oft in blendungsähnliche Zustände versetzt hat, obwohl ich nicht damit telefonieren kann. Aber - es blendet auf englisch super, wie man hier sieht. Es zieht sich ganz leicht etwas in mir zusammen (das wehrt sich gar nicht, das iPhone), aber dann erfolgt der katharsische Effekt, es war ja nicht meins, das liegt noch brav da.

Donnerstag, 10. Januar 2008

Der moderne Schweizer Soldat

In einem so genannten »Factsheet« gibt die Armee in Bezug auf den neuen Wachbefehl unten stehende Einschätzung zum Besten. Gut zu wissen, ist nicht nur, dass es »weniger tödliche Zwangsmittel« gibt, die eingesetzt werden, sondern auch, dass im Rahmen eines »verhältnismässigen Einsatzes« »der Gebrauch der Schusswaffe« tatsächlich »die letzte Möglichkeit ist«. Ach wie gut, gibt es ihn, den modernen Schweizer Soldaten.

Der moderne Schweizer Soldat soll ab Beginn der Grundausbildung in der Anwendung verschiedener Zwangsmittel ausgebildet werden (körperlicher Zwang, Reizstoffspray als Zwischenwaffe, persönliche Waffe). Dieses Nebeneinender von nicht tödlichen / weniger tödlichen und tödlichen Zwangsmitteln ermöglicht ihm den jeweiligen Verhältnissen angepasstes Handeln, indem ihm eine Auswahl an Zwangsmitteln zur Verfügung steht. Er lernt auch, dass der Gebrauch der Schusswaffe die letzte Möglichkeit im Rahmen eines verhältnismässigen Einsatzes ist.
Wer Wachtdienst mit Kampfmunition zu leisten hat, weiss, dass er im Rahmen dieser Verhältnismässigkeit - und allenfalls nach Warnruf oder Warnschuss - möglicherweise in letzter Konsequenz die Waffe einsetzen kann. Er weiss, dass seine Waffe geladen ist, aber gesichert sein muss.
Deshalb ist es richtig, dass die Waffe nicht untergeladen, sondern geladen ist. Dienicht gemachte Ladebewegung wäre in diesem differenzierten Umfeld gefährlich: Erstens, weil sie im Notfall Zeitverlust bedeutet, zweitens, weil der Soldat trotzdem vergessen kann, dass er sie noch nicht gemacht hat und dadurch falsch reagiert.
Quelle: vbs (die formalen Fehler im Original)

Betr.: Erpressung

Dass es offenbar out ist, Erpresserbriefe zusammenzuschnipseln, wusst ich nicht - auch nicht, dass man neuerdings Erpressungen im Stil eines Geschäftsbriefs abfasst. Ein paar weitere Hinweise, wie man (nicht) vorgehen soll, wenn man jemanden erpressen will, gibts bei der Süddeutschen Zeitung (inkl. Bilder). Erpresser schreiben heute ungefähr so:

("Betr.: Erpressung"), inklusive Adressfeld, korrekter Anrede, Blocksatz oder gar dem Vermerk "Anlage: 1Giftpaket". Die Erpressung wird dann oft als Kredit, Geschäft oder Spende schöngeredet. Einige Autoren mühen sich freilich durch diesen Geschäftsbriefton, als würden sie auf hohen Stelzen durch die Sprache staksen: "Dies lässt diesseitig Zweifel an der Ernsthaftigkeit Ihrer Zahlungsbereitschaft aufkommen." Oft rauschen das texttypische Muster des formelhaft höflichen Schreibens und der unhöfliche, ja brachiale Inhalt, nämlich die Erpressung nebst drastischer Konsequenzandrohung bei Nichtbefolgen, gar ineinander wie zwei Güterzüge, die Sätze, die durch die unhöfliche Höflichkeit entstehen, sind dann von verquerer Komik: "soviel muss ihnen ihr Geschäft wert sein, ansonsten sind sie dem Untergang gezeichnet."

Mittwoch, 9. Januar 2008

Schöne schweizerdeutsche Wörter

Gestärkt durch ein Gruppenexperiment veröffentliche ich hier eine Liste schöner Wörter aus meiner Muttersprache, vorerst mal ohne Kommentar, etwas geordnet. Über Kommentare und Nachfragen freu ich mich.

  • schampar, schüli, bigoscht, rüdig... (huere)
  • brötle, blööterle, bööge, bisle
  • täubele, tüschle, tschutte
  • giggele, chüschele, zoisle, chrömle, goisse
  • schmüsele, bäbele
  • gschmuch, schüch
  • s Nell
  • pfnuchse
  • Heubürzel
  • öppis
  • Zmorge, Zmittag, Znach, Zvieri, Znüni
  • Anke
  • Nastuech, Schnudernase
Siehe auch Kommentare.

Dienstag, 8. Januar 2008

Pizza, Pfizza und aurore - das shönste wort von deutshe

Heute eine total überzeugende Argumentation gefunden, welches das schönste Wort der deutschen Sprache ist. Der ganze Text (von Zé Do Rock) ist hier nachzulesen.

Shönste wort von deutshe sprache is »pizza«. Jeder weiss das. Pizza is sigertyp, in fünfziger jare nur leute Napoli wussten was is das – armeleute-essen. Und jetz? Jede indianer in tiefst Amazonas weiss was pizza is.

Is kurz, dynamish, 2 z. Keine lautvershibung, nix germanish Pfitzer. Könnte man auch anbite pfizza – pizza mit pfiff. Aber da war jury, jury sagt nix pizza sondern »Habseligkeiten« shönste wort. Sit aus finnish. Noch finnisher, nur Haapseelikaiten.

Kann nich erinnern solche wortwettbewerb in Brasil. Einmal gelese, franzose denke shönste französishe wort »aurore« (Morgenröte). Dabei spreche wort so aus wie brasilianer wort »horror«, one H. Trotzdem: nimand kommt idee wäle »horror« oder französish »horreur«. Nu, Frankreich immer beshäftigt mit l’orthograph von difficile worte, wärend deutshe spilen mit worterfinden.

Mit durchgeladener Waffe

Was Nettes mal wieder vom VBS: Wache wird in der Schweizer Armee neu mit durchgeladener Waffe geschoben. Bedenkt man, in welchem Zustand unsere Wachmänner Dienst leisten, wie sicher sie im Umgang mit der Waffe sind etc. ist das eine Garantie für Unfälle. Grandios, grandios, lieber Herr Schmid, Sie ach doch so linker Bundesrat.
Vor allem eine äusserst sinnlose Massnahme, da
1. noch nie etwas passiert ist, wo die WK-Wachleute eingreifen mussten
2. sie im Notfall ohnehin die Polizei holen wollten.

Im Tagi noch Äusserungen von Politikern:

«Ein Soldat im Dienst muss mit einer geladenen Waffe umgehen können», sagt Generalsekretär Gregor Rutz.
Hätte anstatt zwei gern nur ein Modalverb gelesen, nämlich »kann...umgehen« - aber so ist es leider nicht.

Montag, 7. Januar 2008

Reaktionen und Alternativen

Man vergleiche die Reaktion auf meinen letzten Blog-Beitrag mit der auf Max Küngs erste neue Kolumne:

Gruffalo Interna interessieren weniger. Wie wärs mit kritischen Worten zum Anfang der neuen Küng Kolumne? Oder zum Abschuss der alten...
Das neue Jahr startet gut: Max Küng schreibt uns mit seiner neuen Kolumne den grauen Alltag bunter und gibt uns einen Grund mehr, am Samstagmorgen als ersten Griff das Magazin zu öffnen. Tausend Dinge im Selbstversuch: schonungslos direkt, erfrischend, menschlich. Ich lasse mich gern überraschen.

Das haben wirs - »schonungslos direkt, erfrischend, menschlich« findet man nur Küng. Aus diesem Affront könnte nun Kapital geschlagen werden, und die alte und die neue Kolumne von Küng zur Sau gemacht werden, wie ich das noch nie gemacht habe. Nur leider - boring. Ich schlag Das Magazin schon gar nicht mehr auf, hab ergo erst durch den netten Kommentar gemerkt, dass es da was zu bemerken gegeben hätte (und ehrlich gesagt - wie lange hat es gedauert, bis irgendwer bemerkt hat, dass man mit dieser Kolumne nun keines von 1000 Dingen hinter dem Ofen hervorholen kann, 145 von 1000 Dingen im Print erreicht, ha...) Gut, ich reg mich gar nicht erst auf, deshalb:

10 nicht-lahme Alternativen zum Tagi-Magi für den Samstagmorgen:
  1. Das Magazin der Süddeutschen Zeitung online lesen oder ausdrucken (oder am Freitag am Kiosk holen). (Alternativ: Das Die Zeit-Magazin.)
  2. Das NZZ-Folio über einen Monat verteilt jeden Samstag lesen (gibts auch online). (Im Übrigen hab ich das Rätsel aus dem letzten Folio richtig gelöst, JJJJJJuhuuu...)
  3. Den Gruffalo-Chor immer wieder hören.
  4. Ein gutes Buch oder einfach nur ein Buch lesen - z.B. The Dice Man von Luke Rinehart. Und sich dann zwei Würfel kaufen.
  5. Sich einen Trudy Müller Bosshard-Band kaufen und jeden Samstag zwei anstatt ein Rätsel lösen. Dann hilft auch dieser Blog weiter.
  6. Im Sommer an den Letten, im Winter ins Einzigart gehen und sich die coolen frisch gewordenen Zürcher Jungeltern, für die das Tagi-Magi ist, gleich selbst anschauen.
  7. Alle alten Posts von meinem Blog lesen und zu jedem einen bissigen Kommentar schreiben.
  8. Die alten Sommerrätsel von CUS lesen, lösen und lieben. Oder eines seiner Bücher lesen.
  9. Einen eigenen Blog starten und jeden Samstag einen Eintrag machen (so im Stil: Ich denke mir meine eigene Max Küng Kolumne aus, »1000 Gedanken am Samstagmorgen«, »Was diese Woche alles auf meinem Einkaufszettel stand«, »Was die mittelmässige Welt über mein ach-so-unmittelmässiges Leben noch erfahren könnte«...
  10. Und was man schon vor der Vielfalt der Sonntagspresse wusste: Am Sonntag soll man die NZZ vom Samstag lesen, oder die rausgerissenen Artikel der letzten Woche. Das kann man auch am Samstagmorgen machen.
  11. Und weil ich grad so gut drin bin, hänge ich noch einen an: Alle heute-Singles der Woche ausdrucken und eine Reihenfolge erstellen (nach beliebigen Kriterien: Einkommen, Haarfarbe, beste Aussagen zum Thema »Sex«, »nie ohne«, usw.). Dann eine eigene ausfüllen.

Samstag, 5. Januar 2008

Gruffalo


Ein Kinderbuch der ganz besonderen Sorte: Gruffalo. Abgebildet ist ein Gruffalo, ein Wesen, das natürlich im Wald lebt. Ein üblicher Sprachgebrauch ist es, Gruffalo- als Präfix zu verwenden: Das sind dann Gruffalo-Ohren, Gruffalo-Zähne, ein Gruffalo-Buch, ein Gruffalo-Wald etc.
Zentral ist, das o ganz britisch als »ouu...« auszusprechen.

Wer Gruffalo und seine Freunde hören will, sollte sich den Gruffalo-Chor ansehen!

Freitag, 4. Januar 2008

iPhone hacken

Wollte jemand ein iPhone (Firmware 1.1.2 OTB) hacken (und wer will das nicht rein theoretisch können, ohne dass man das darf), müsste sie oder er so vorgehen:

1. Downgrade per iTunes. Dazu dieses File laden. iPhone Ein-/Ausschalttaste und Menutaste halten bis angeschaltetes iPhone ausschaltet, nur noch Menutaste halten, bis iPhone im Recovery-Modus.
Anschliessend in iTunes mit Alt-Maus auf Wiederherstellen klicken und das runtergeladene File auswählen.

2. Independence laden. Hilfe-File lesen und schrittweise aktivieren und unlocken.

(Alternativ: Das hier lesen.)

3. Um externe Applikationen laden zu können, braucht es die Installer.app. Unter dem angegebenen Link laden, dann »Paketinhalt zeigen« (Mac) und nur die Installer.app per Independence laden. Daraus können dann (durch Hinzufügen weiterer sources) alle Standalone-Apps direkt geladen werden.

Im Moment kann es noch nicht so entblockt werden, dass man damit telefonieren kann, als Luxus-iPod-Touch benutzen geht aber bestens. Den aktuellen Status der Hackercommunity erfährt man hier.

Bullshit-Bingo

Es gibt so Gelegenheiten, die nach diesem Spiel schreien: Man zeichnet mit mit fünf waag- und fünf senkrechten Strichen 4x4-Quadrate auf ein Blatt. In jedes Feld schreibt man einen Begriff, der in diesem bestimmten beruflichen Kontext Orwellsches Newspeak sind - also kompletter »Bullshit«. In meinem Umfeld wäre das »wirkungsorientiert«, »ein Gefäss schaffen«, »ein Geschäft aufgleisen« usw.
Sobald einer dieser Begriffe fällt - es ist nicht verboten, ihn selbst in die Diskussion einzubringen - darf man ihn auf seinem Blatt abstreichen. Wer zuerst vier horizontal, vertikal oder diagonal aneinandergrenzende Felder abgestrichen hat, ruft laut: Bullshit! Und hat gewonnen.

Hier ein Beispiel für die Macwelt
.

Variante: Man schreibt jeweils den anderen das Blatt voll, worauf diese viel aktiver werden müssen und die Diskussion entsprechend prägen können.

Montag, 31. Dezember 2007

SVP-Neueintritte

Die SVP meldet neue Mitglieder en masse: Bericht der NZZ. Darf man fragen: Ob das stimmt? Darf man fragen: Wie viele Mitglieder ausgetreten sind? Und: Wen haben diese neuen Mitglieder wohl bei der letzten Wahl gewählt?
Die Medien müssen aufpassen, nicht dauernd in die gleiche Falle zu laufen: Sich liberal und links angehaucht zu präsentieren und dabei der SVP und ihren Themen (Jugendgewalt, Sicherheit) einen Platz einzuräumen, der ihnen ständige Publizität verspricht.
Wünschenswert wäre eine sachliche Diskussion über relevante Themen, bei denen die SVP zu differenzierten Positionsbezügen gefordert wäre - was sie dadurch, dass sie selbst Themen besetzen kann und sie mit einfältigen Parolen belegen kann, geschickt verhindert.

Dienstag, 25. Dezember 2007

Eine Legende - CUS

Dieser verflixte Rätselmacher aus Bayern: Sogar seine Identität ist ein Rätsel. Habe zwei volle Tage in sein NZZ Folio-Rätsel investiert und lese nun sein neuestes Buch (ein Weihnachtsgeschenk). Und der lässt mich nimmer los, ziehe sogar in Erwägung, mit einem alten SZ-Rätsel zu beginnen, und da scheint es noch etliche andere seiner Rätsel auf dem Web zu haben. Ein schwarzes Zeitloch, so ist zu befürchten.
Für alle, die wissen wollen, wies geht, hier drei Fragen, die unten an seinem NZZ-Interview stehen:

  1. In einem Umkreis von 10'000 km um ein Schiff befindet sich kein Hafen. Wie heißt das Schiff?
  2. Der Februar ist der kürzeste Monat. Welcher Monat ist der längste im Jahr?
  3. Es ist vermutlich die einzige Frage, die man ehrlicherweise nie mit Ja beantworten kann. Wie lautet die Frage?
Ein Tipp: Das alles sind wohl keine Scherzfragen, sondern Stirnklatschfragen: Wenn man sie gelöst hat, scheinen sie offensichtlich. Will jemand die Antworten als Kommentar posten?

Freitag, 21. Dezember 2007

Swissness

Ich gestehe es: Neuerdings lese ich das SVP-Forum, also so ziemlich genau eine Woche. Natürlich total sporadisch, selektiv und rein zu Unterhaltungszwecken. Aus ähnlichen Motiven hatte ich vor, mich da mal zu erkundigen, was denn eigentlich die Schweiz bietet, um darauf stolz zu sein. Es hat nämlich im letzten Jahr gemäss dem Sorgenbarometer der CS eine Zunahme des der stolzen Schweizerinnern und Schweizer gegeben: Neu sind 86% aller SuS stolz darauf, eben dies zu sein - die Hälfte davon, also 43% (+22%) sind zudem »sehr stolz«, SuS zu sein. Swissness, so zeigen auch Mediendebatten, ist im Schwange, für die Euro 08 (auf die man wohl auch schon stolz sein darf) ist ein neues Hoch an Pop-Nationalismus vorauszusehen.
Da fragt man sich, worauf man denn so stolz ist:

  • Ist es die schweizerische Tüchtigkeit, Zuverlässigkeit, Sauberkeit ...?
  • Sind es politische Aspekte - dass wir ein demokratisches System haben?
  • Sind wir stolz auf geografische Aspekte unseres Landes?
  • Auf unser finanzielles Wohlergehen?
  • ...
Da suche ich nun nach Antworten und hätte gedacht, die SVP hätte welche parat (ich meine das ganz ehrlich, ich verstehe es nämlich wirklich nicht). Und möchte zudem wissen, was denn die Schweiz und ihre Bürgerinnen und Bürger von allen anderen unterscheidet - was haben, können, sind wir, was andere nicht sind? Warum sind gerade wir Schweizer - und die ennet der Grenze nicht? Und was hat ein durchschnittlicher Kroate, Portugiese, Kenianer, Argentinier und eine durchschnittliche Chinesin, Deutsche, Indierin, Thailänderin nicht, was wir schon haben? Fragen über Fragen und dabei ist doch schon bald Weihnachten.

Heute-Singles: Follow-Up

Man erinnere an »Sex ist geil und cool« - heute wird diese Aussage noch getoppt:
»Sexy finde ich: Alles was sexy ist.« Man fragt sich als geneigter Leser, ob der Akzent auf ist liegt, so im Stil: Selbstverständlich finde ich ALLES sexy, was sexy IST, im Gegensatz zu den andern, die aus der Menge dessen, was das Prädikat sexy verdient, noch selektieren.
Nachzulesen hier, der User hat seine Meinung diesbezüglich aber offenbar schon geändert. Bleibt ihm eine Partnerin zu wünschen, »die man angucken« kann.

Mittwoch, 19. Dezember 2007

A poker hand

Freitag, 7. Dezember 2007

Mediales Highlight der Woche

Nein, nicht News (no News is good news), die mittlerweile fünfte (!) Gratiszeitung, sondern die Zeitung für 1.-: Der Schweizer.
Hab mich selten so gut amüsiert wie ob diesem mock-SVP-Blatt, das so treffend aufzeigt, wie absurd eine solche Denkweise ist. Die Initiative zur Abschaffung des Auslandes trifft wirklich auch ein Bedürfnis von mir - alle Probleme entstehen nur aufgrund des Auslandes.

Gestern Abend dann CCPT in einer "Beiz" - im Hintergrund eine Diskussion über das Wahlverhalten und plötzlich erhält die SVP-Wählerin ein mir bekanntes Gesicht und einen intellektuellen Hintergrund ("wir Schweizer sind auch nicht schwarz, warum sollten wir eine schwarze Miss Schweiz wählen" - "wir Schweizer sind auch keine Frauen, warum sollten wir eine Frau zur Miss Schweiz wählen") - und es entsteht doch sowas wie Wut oder Beklemmung.

Freitag, 30. November 2007

Beni Turnheer

»Alterslockerheit« wird ihm attestiert, er steche Francines »Sex« und Kilchbergers »Coolness« sowas von aus (dem Zusammenhang von Sex und Coolness habe ich mich ja schon gewidmet). Eine Ära hat er geprägt im Schweizer Fernsehen, vor 25 Jahren den ersten WM-Final kommentiert und seither alle. Lässt man das Revue passieren, so ist man weniger über Benis Karriere (»Roger? - Das brüchte mer nochli gnauer...«), sondern vielmehr über das Ressort Sport im SF (dessen Leiter Beni übrigens ist). Da gibt es weder einen Moderator, der alle 22 Spieler auf dem Platz kennt, noch eine Moderatorin, die einem Skifahrer ansieht, ob er schnell oder langsam fährt. Dass niemand vernünftige Fragen stellen kann, wenn man mit Sportlern spricht, dass das Motto »sind alli so nett« eine kritische Auseinandersetzung verhindert und das deutsche Sportfernsehen (vor allem der öffentlich-rechtlichen Sender) nicht als Massstab genommen wird (vom amerikanischen ganz zu schweigen) mag eine Eigenart der Schweiz sein. Dass aber lockeres Sprücheklopfen einen nicht zum begnadeten Reporter macht, scheint augen- und ohrenfällig.

Mittwoch, 28. November 2007

Winter - was nun?

Da meine (internationale) Leserschaft danach drängt - wer hätte je gedacht, dass es eine Leserschaft gibt und dass die nach etwas drängt -, folgt hier, was ich schon länger posten wollte, wozu die Zeit aber nicht gereicht hat, in Kurzversion. Der Winter hat mich nämlich trotz neuer Asthma-Medikation etwas ausser Atem gebracht, jeder Tag fühlt sich an, als müsste bald ein Feiertag kommen, an dem es nichts zu tun gibt.

1. heute mich tatsächlich zum ersten Mal geschockt, in der Gestalt dieser Single (gibt es den femininen Artikel zu Single?), der zu Sex die Stichworte "geil" und "cool" einfallen. Und es scheint ernst gemeint. Was meint sie damit? Dass es uncoole und coole Tätigkeiten gibt, leuchtet ein. Uncool: Wäsche zum Trocknen aufhängen. Petflaschen zurückbringen. Betreibung vom Betreibungsamt abholen. Cool: Nach dem 50cent noch ins St. Germain, wo auch Marilyn Manson oder so ist. Bei StudiVZ zu 50 originellen Gruppen gehören. Und: Sex. Aber funktioniert das Gleiche auch mit geil? Ungeil: ... Geil: Sex (erstaunlicherweise), ...
Also, der Link soll nicht vorenthalten werden, hier ist er: http://www.heute-online.ch/community?uid=23821

2. sunrise hat bei der Reaktivierung eines mir gestohlenen Handys, das ich dann doch nur verloren hatte, einen technischen Fehler gemacht, für dessen Behebung "zwei bis drei Tage" benötigt wurden. Erstaunlich war dabei zweierlei: Erstens, dass es Fehler gibt, für dessen Behebung irgendjemand so lange arbeiten muss. Zweitens: Dass gewisse Leute meinen, wenn mein Handy abgestellt sei, sei mir etwas passiert.

3. Leopard ist neu auf meinem Computer installiert und bewährt sich mehr oder minder. Sieht dazu noch gut aus, also ein absoluter Erfolg:
4. Buchtipps, Filmtipps und Ähnliches ein ander Mal.

Mittwoch, 7. November 2007

Herbst - Was nun?

Wenn die Zeitumstellung uns den Abend um fünf Uhr auf dem Himmel schickt, die Müdigkeit uns am Morgen in die Kissen drückt und man die Sonne nur noch im Internet zu sehen bekommen - was dann?

Zwei Dinge:
1. Doogtoons
Als Videoblog auf den iPod laden, konstant, sanft aber vorsichtig vortastend schauen. (Bemerkung: Nach dem Schauen noch hier vorbeisehen...)


2. Nouvelle Vague
Fröhlich genuge Off-Beat-Rhythmen, um einen über den Tag zu bringen, und traurig genuge "Fade to Gray"s, um zu spüren, dass man wirklich das Grau einmal reinlassen darf.
Grossartig: Männersongs von Frauen gesungen. Fühle mich an meine Matheplattform erinnert, wo ich Männer- und Frauen-Rollen ausprobieren darf: www.1000ways.com!

Die 21 Ziele der SVP

Man muss eingestehen: Das Programm ist gradlinig formuliert, direkt und verständlich.
Aber: Voll von logischen Fehlern.
Drei, die auf der Hand liegen:
1. Sicherheit muss nicht geschaffen werden, Sicherheit gibt es bereits. Wer fühlt sich eigentlich wirklich, berechtigterweise unsicher in der Schweiz?
2. Steuern senken klingt ja nett - aber warum z.B. Unternehmensgewinne weniger besteuern? Hängt das damit zusammen, dass die SVP ihr Geld von diesen Unternehmen bekommt, die im Gegenzug politische Entscheide beeinflussen. Die SVP senkt nicht die Steuern ihrer Wähler, sondern der reichen Schweizerinnen und Schweizer.
3. Die Sozialwerke sollen nicht ausgebaut werden. Wie steht es um die Direktzahlungen an die Bauern? Sind das nicht eigentlich auch Direktzahlungen? Oder Staatsangestellte, die zuviel verdienen, nicht effizient arbeiten und wo Stellen abgebaut werden können? Warum braucht es die eigentlich heute noch?

Hinter allem lauert ein Phantom: Der kriminelle, eingebürgte Asylbewerber, der fünf Frauen hat, die er einen Stellvertreter hat heiraten lassen, eigentlich nichts arbeitet, dafür aber mehrfach Sozialhilfe verdient, IV-Bezüger ist und nebenberuflich (vollamtlich entschädigt, natürlich), als Muezzin von einer extremistischen Organisation angestellt ist. Er überfällt wehrlose Frauen als Hobby, ist bei Massenvergewaltigungen in Seebach dabei und lässt die Tiere, die er isst, schächten. Bürgert man ihn (den es tausendfach gibt, natürlich) aus, dann könnte man all seine Frauen, seine Kinder (denn solche Leute sind überdurchschnittlich fruchtbar) und Ahnen zurück in ihr Heimatland schicken (dem man sonst die Entwicklungshilfe verweigert), dann gibt es nur noch wenige IV-Bezüger, keine Sozialhilfebetrüger mehr, die Schweiz ist sicher: Juhuu!

P.S.: Die Sendung mit dem Schaf...

Dienstag, 6. November 2007

Wenn weniger "Qualität" mehr ist...

Ein modernes Missverständnis besagt, man müsse Filme in HD-Qualität mit Dolby Surround Sound schauen, weil mit der höheren Qualität automatisch der Filmgenuss steige.
Ein falscher Schluss.
Filme haben schon immer das Rattern des Projektors, Flecken auf dem Filmstreifen und Ähnliches benötigt, um ihre Wirkung entfalten zu können. Es braucht etwas Störendes, um Gelungenes zu produzieren. Zwei Beispiele:
Das Grindhouse Double-Feature von Tarantino und Rodriguez gewinnt, wenn man es als Cam-Aufnahme sieht, bei der der Winkel leicht verzerrt ist, die Leute aufstehen, um aufs Klo zu gehen und die Kamera ab und zu wackelt.
Rocky Balboa gewinnt, wenn der Ton ganz leicht verschoben ist. Wenn Stallones Lippen nicht mit seinen grossen Worten (z.B. in der Ansprache an seinen Sohn) synchron sind, so gibt ihm das einen tragisch-komischen-Bonus, der weder durch HD noch DS zu erreichen wäre.

Sonntag, 4. November 2007

Rechtsgrundlage

Meine Frage nach der Rechtsgrundlage einer Massnahme ist schon fast ein geflügeltes Wort - und doch ist sie aktueller denn je. Gibt man beispielsweise gewisse Grundrechte auf, wenn man einen Fussballmatch besucht? Dieser Eindruck konnte zumindest heute in Luzern (und auch früher schon in Aarau) entstehen: Nach dem Besuch eines Spiels darf der Heimweg nicht individuell angetreten werden, schon gar nicht, wenn man mit dem öffentlichen Verkehr unterwegs ist. Sowohl in Aarau als auch in Luzern wurde der Weg in die Stadt durch bewaffnete Polizisten, Schulter an Schulter, abgeschnitten. Nun hatte ich weder vor, in Luzern Randale zu machen noch war ich in irgendeiner Form als Fussballfan ausgezeichnet; ich entstieg einzig und allein dem Bus, der die Fans vom Stadion in die Stadt brachte.
Was also, liebe Luzerner, liebe Aarauer Polizei, ist genau die Rechtsgrundlage solcher Absperrungen?

Freitag, 26. Oktober 2007

Noch einmal: Wie viel Staat schon wieder?

Nun ist es also so ("it is aso") - am Montag breche ich zu einem "subsidiären Sicherheitsdienst" auf, d.h. ich bewache in Genf und oder Bern Botschaften. Welche dürfte ich nicht sagen, selbst wenn ich es wüsste.

Ist das nun ein Auftrag, den der Staat übernehmen muss? (Gibt es einen militärischen Auftrag, den der Staat übernehmen muss, so ganz generell, aktuell?) Und: Wie rechnet sich das volkswirtschaftlich? Ich erhalte während drei Monaten von meinem Arbeitgeber und dem Bund meinen Lohn weiter bezahlt, während ich vertreten werde. Dafür leiste ich einen Dienst, für den ein Wachmann besser qualifiziert wäre (und für den er wahrscheinlich weniger verdienen würde, als ich verdiene). Rechnet sich das?

Und wenn es sich nicht rechnen muss, weil das halt das Milizsystem ist ("it is aso") und ein Staat wie die Schweiz vor seinen Bürgern keine Angst haben muss und nach Köppel-SVP-Logik ihnen deshalb ein Gewehr geben soll, das sie samt Munition zuhause aufbewahren; dann also leiste ich Militärdienst, damit das eben gerade kein Profi tut, der dann die Bodenhaftung verlieren könnte und etwas tut, was niemand will. Das scheint eine Begründung zu sein, der selbst ich mich, obwohl ich alles lieber tät als in diesen WK gehen, nicht verschliessen kann.

Wenn wir schon bei der Frage sind, warum ich das nämlich tue, denn es gäbe ja Psychiater, Ärzte und Zivildienst, dann wird es noch einmal schwierig. Wenn ich wüsste, dass es nicht Verdrängung und Bequemlichkeit gekoppelt sind, könnte ich vollmundig mein Prinzip verkünden, wonach man in einer Demokratie auch Pflichten erfüllen muss, für die man selber nicht eintreten würde. Und, dass es heuchlerisch wäre, zu sagen man sei krank, wenn man es nicht ist, und ebenso zu sagen, man könne nicht mit gutem Gewissen Militärdienst leisten, wenn man sich selbst und seine Angehörigen verteidigen würde. So prinzipiell und ehrbar würde ich dann argumentieren.

Die "it is aso"-Philosophie

Es gibt da diese Geschichte von ein paar Schweizer Twenty-Somethings, die in den Ferien in Spanien einen anderen Schweizer beim Englisch Sprechen belauschen, wobei er auffällig häufig die Voten seines Gegenübers mit "it is aso" kommentiert.

Dieses "it is aso" ist mehr als ein sprachlicher Schnitzer, es ist eine Philosophie. "Es gibt Dinge, die man nicht ändern kann", sagt ein schon fast sprichwörtliches Klischee. Ich sage: "It is aso." Sich nicht gegen den Lauf der Dinge stemmen, nicht eine eigene Bewegung initiieren, sondern auf anderen Bewegungen surfen, sich mittragen lassen. "It is aso." Wenn man nämlich weiss, wie es ist, wird alles andere leicht.

Donnerstag, 25. Oktober 2007

Wahlen

Mit dieser Verspätung ist es wohl erlaubt, dazu was zu sagen:

1. Scheint es nur so, oder wählen die Leute, die an den Orten wählen, in denen viele Ausländer leben, eher SP -- und die anderen SVP?

2. Zum Glück kann man nachlesen, dass Wählerinnen und Wähler sich grundsätzlich irrational verhalten (z.B. hier). Das beruhigt doch wirklich, sonst würde man annehmen, dass Leute wirklich wollen, dass sie durch Lieni Füglistaller, Ueli Maurer oder Natalie Rickli im Nationalrat vertreten werden.

3. Politiker sind Schwätzer - wenn ich noch einmal höre, dass jemand ein lachendes und ein weinendes Auge hat...

4. Und ja - die SP hat Mut bewiesen, dass sie sich nicht auf ein Verena Diener-Spielchen eingelassen hat.

Mittwoch, 24. Oktober 2007

Animationsfilme

Drei sehenswerte Animationsfilme, ohne viel weiteren Kommentar:

Können Pinguine fliegen?



Fallen Art



Das Rad

Samstag, 20. Oktober 2007

Schönheitsprodukte der neuesten Generation

Danone bringt nun Schönheit von innen - wenn ich das richtig verstehe, gilt es dieses Joghurt zu essen, um dann rundum zu erstrahlen. Interessant ist nun, wie dieses Model sein Knie füttert, als halte sie ein Kind in den Armen:

Donnerstag, 18. Oktober 2007

Hello Goodbye

Nein, nicht der Beatles-Song, ein neuer Schweizer Film, dessen Aushang ich gestern zufällig gesehen habe und sofort an die CCPT denken musste:Gesehen hab ich ihn allerdings noch nicht, daher keine Kritik.

Freitag, 12. Oktober 2007

Troubleshooting

Ein paar technische Problemchen haben mich diese Woche auf Trab gehalten, deren Lösung einfaches Googeln nicht sofort bereithält - bevor ichs selber vergess, hier die Lösungansätze:

1. Mozilla Thunderbird findet Kontoeinstellungen nicht mehr. (Ein Problem, das offenbar häufiger auftritt, als es sollte):
Mozillazine löst das Problem - nicht ohne erheblichen Aufwand.

2. Ein Windows Mobile 5 Smartphone oder Pocket PC kann nicht mit dem GPS kommunizieren: Ein schönes Beispiel, wie hilflos selbst Microsoft ihren Produkten gegenüber ist.
a. GPS Settings freischalten mit Registry Manipulation: Hier stehts, wies geht. Für Registryeinstellungen braucht es ein eigenes Tool, z.B. Resco. (Wobei auch hier Smartphones die Application für Pocket Pcs brauchen.
b. In den GPS Settings die Portduplizierung von WM 5 deaktivieren, die richtigen Ports einstellen und im GPS-Programm analog definieren.

3. Dos auf Windows laufen lassen: Löst dosbox ganz nett. (Zudem gibts dafür massig Spiele...)

Donnerstag, 11. Oktober 2007

Alle paar Monate wieder

Linke »Chaoten« tauchen alle paar Monate prominent in den Schweizer Medien auf. Nicht ganz unverschuldet, aber ohne Reaktionen zu provozieren, die über einen Kommentar zur Strategie der Polizei (und damit einem Zuschieben des Schwarzen Peters), der Konstatierung einer Verniedlichung von Gewalttätigen durch linke Politikerinnen und Politiker oder Beschreibungen der Zerstörung und Opfer hinausgehen.

Die Formen von Gewalt werden als eine Art Naturphänomen behandelt, die auftauchen, mit denen man umgehen muss, ohne wirklich etwas dagegen zu unternehmen. Ein Bild gewinnen die Chaoten in Beschreibungen als »Wohlstandsverwahrloste«, »Hooligans« und »Secondos«; womit Langeweile, Gewaltlust und Integrationsprobleme als Gründe für diese Gewalt implizit genannt werden.

Die Äusserungen von Chaoten, die der umtriebige Berner Polemiker Engeler in der Weltwoche zitiert, wonach Politik nichts bewirke, scheinen aber nicht so weit von den Tatsachen entfernt zu sein. Es liegt mir fern, zu sagen, solche Gewaltausbrüche werden direkt von dieser oder jener Gruppierung provoziert, auch die SVP, so schmeichelhaft es für sie vielleicht wäre, wenn sie so heftige Ausbrüche provozieren könnte, zeigt in den relevanten Punkten eine grenzenlose Naivität.

Eine Bereitschaft zu Gewalt in einem solchen Ausmass muss tiefer reichende Gründe haben. Sozialstudien, Vorlieben und andere Aspekte reichen nicht aus, um das Phänomen zu erfassen. Es handelt sich um gesellschaftliche Strukturen, die jenseits von aller politischen Beeinflussbarkeit liegen, unser Zusammenleben aber entscheidend beeinflussen. Gründe, warum fast alle Schweizer bereit sind, so viel zu arbeiten, dass ein ausgeglichenes Privatleben kaum möglich ist, liegen in einer verinnerlichten Disziplinierung, die ebenfalls beinhaltet, dass wir uns drei Mal täglich die Zähne putzen, den Abfall trennen und in die dritte Säule einzahlen. All diese Dinge, die uns erscheinen, als täten wir sie aus freien Stücken, beschränken und beschneiden unseren Alltag, ohne dass wir das wahrnehmen oder artikulieren könnten. Zähneputzen und Abfalltrennen an sich ist nichts Problematisches, aber eine Regulierung des Lebens in einem solchen Mass erzeugt Widerstände; die sich in keiner Form von Opposition äussern können.

Für gesellschaftliche Prozesse ist niemand verantwortlich zu machen. Der Chef setzt nur die Vorgaben des Managements um, das Management die des Verwaltungsrats, der die der Shareholder - und die sind wir alle, unsere Pensionskassen und ein paar andere; die aber nicht als eine Rendite wollen. Wenn niemand verantwortlich ist, ist auch niemand Ziel eines Widerstandes - und folglich gibt es ab und zu solche Entladungserscheinungen, wie sie alle paar Monate anzutreffen sind.

Mittwoch, 3. Oktober 2007

Oliver Stone

Am Zurich Film Festival bisher zwei Oliver-Stone-Filme gesehen: Wall Street und U Turn.

Während den letzten Jahren habe ich Stone immer als Vertreter des absoluten Main-Stream-Kinos wahrgenommen, was bei einem Blick auf seine Filmografie aber auch nicht täuscht. Doch die beiden Filme, vor allem Wall Street natürlich sehr mainstream, zeigen aber einerseits seinen bestechenden Umgang mit Schauspielern, die teilweise über sich hinauswachsen (Michael Douglas spielt in Wall Street einer seiner drei besten Rollen, J Lo wohl ihre absolut beste in U Turn) und einander auch ergänzen (interessant die Familiengeschichten, beide Brüder Phoenix in U Turn und Vater und Sohn Sheen als Vater und Sohn in Wall Street). Zudem kann Stone ganz verschiedene Arten von Filmen machen, U Turn hat beispielsweise in seinen Dialogen und in der Story viel von Tarantino-Filmen, geht aber in der Komplexität darüber hinaus.

Fazit: Gut, sich diese Filme mal wieder anzusehen, geben mehr her, als ich gedacht hätte.

Ein Gedankenexperiment

Seit meinem Aufenthalt im Literaturarchiv in Marbach, wo von Dichtern behalten wird, was sie an Notizen, Werken, Briefen und Mermorabilia auf der Welt gelassen haben, als sie gestorben sind, treibt mich die Frage um, was für ein Bild man gerne von sich der Nachwelt überliefern möchte.
Dazu muss natürlich vorausgesetzt werden, dass man das möchte und dass die Nachwelt (wie gross oder klein auch immer) überhaupt ein Bild bewahren wird. Nimmt man das aber einmal an, so ergeben sich wohl grob drei Möglichkeiten:

1) Wie man "wirklich" gewesen ist, d.h. ein möglichst vollständiges Bild des eigenen Lebens; alles, was hinter der Fassade des täglichen Lebens zu finden wäre oder ist.
2) Wie man wirken wollte, d.h. alles, was dem Bild, das man von sich gegeben hat, widerspricht, wird ignoriert.
3) Wie man der Nachwelt erhalten bleiben wollte, d.h. man konstruiert eine Art Bild von sich, das das eigene Leben überdauern soll.

Wirklich entscheiden kann ich mich nicht - die Frage hat sich am Beispiel eines Dichter entzündet, der von sich behauptet hat, die Gedichte beim Spazieren zu verfassen und sie zuhause in einem Zug niederzuschreiben - was aufgrund der Entwürfe, die man in seinen Papieren gefunden hat, aber nicht gestimmt hat.

Oder vielleicht kann man sogar anders fragen: Wenn man kein Bild von sich konstruieren könnte, wenn alles, was man tut, sagt, schreibt (denkt?) transparent wäre - wäre das eine schlechtere, weniger lebenswerte Welt?

Dienstag, 2. Oktober 2007

Die schwarzen Schafe sind die gleichen wie die weissen...

Oder wie aufschlussreich ein Scherztelefonanruf sein kann:






Donnerstag, 13. September 2007

Smartvote

Meine Wahl- und Politikverdrossenheit hab ich ja schon zum Ausdruck gebracht - doch bekanntlich hilft Web 2.0 bei allem, auch bei dem. Hier also meine Smartvoteresultate:



Das Herumführen von Listen

Man denkt an vieles, was einem zum Verhängnis werden könnte: Zu schnelles Fahren, übermässiger Alkoholkonsum, Mitführen von Drogen, Nichtbezahlen der Steuerrechnung. Tatsächlich lauert aber eine viel grössere Gefahr: Listen.
Listen können Leben zerstören. Anders kann man es nicht sagen. Doch zuerst die Fakten:

1.
Der Blick titelt: »Er führte wirre Listen.« Gemeint ist von Aesch, der vermutliche Ylenia-Entführer/Mörder. Das Listenführen - Ausdruck einer tiefgreifenden Verstörung, Indiz für ein Verbrechen!

2.
Die NZZ zitiert Holenwegers Kommentar zu seinerm »H-Plan«, wo Listen ebenfalls eine zentrale Rolle einnehmen:
»Das Herumführen von persönlichen und unsystematischen Listen und Notizen führte zur heutigen politisch vergifteten Atmosphäre und bewegt mich sehr. Ich entschuldige mich in aller Form für mein unbedachtes Verhalten.«

Fazit: Wer Listen führt, soll darauf achten, dass sie weder »wirr« noch »unsystematisch« sind - im Zweifelsfall aber keine Listen führen.

Samstag, 8. September 2007

Adaption

Den Film eben zum zweiten Mal gesehen und noch begeisterter als nach dem Kinobesuch. Kaufman und Jonze sind in einem Mass kreativ, das weit über die offensichtliche Selbstreferenzialität rausgeht - denn sowas ist literarisch schon alter Kaffee. Ihr Umgang mit den Schauspielern, dem immer leicht grössenwahnsinnig wirkenden Nicolas Cage und Meryl Streep, die meines Erachtens wenig mehr als eine der Tränen nahe midlife-crisis-Intellektuelle geben kann, ist überwältigend. Sie erfinden eigentlich Selbstironie, schaffen einen Film, den man gleichzeitig doppelt, oder dreifach sieht, und bei dem alle Lebensweisheiten, über Blumen und Insekten, übers Drehbuchschreiben, über die Ereignisse, die das Leben bereit hält, einmal als bare Münze, einmal als völliger Stuss und dann wieder als beides gleichzeitig verstanden werden können.
Habe den Film auf jeden Fall auf dem HD-Recorder nicht gelöscht, sondern werde ihn noch einmal sehen - oder noch zweimal.

Freitag, 7. September 2007

Verschwörung

Verschwörungen allenthalben - gegen Blocher, Roschacher usw. Was, aufs Elementarste verknappt, nur zwei Schlüsse zulässt:

  • Für mediale Inszenierungen politischer Scheinabläufe sind nicht mehr nur die Weltwoche und der Blick ideale Plattformen, auch der Tagi mischt da munter mit. Ausgewogen, linientreu wie immer die Berichterstattung der NZZ.
  • Die Bundespolitik nimmt sich vor dem Wahlherbst aus wie ein krisengeschüttelter Fussballverein. Keine Partei präsentiert sich in Wahlform, alle scheinen Verluste mehr zu fürchten als Gewinne zu antizipieren, vielleicht die Grünen ausgenommen.

Montag, 3. September 2007

Bump bumb bump

Mein last.fm-quilt.

So, das muss mal wieder sein.

Latex - ein neues Projekt

Nachdem ich in hier man verschiedenen Word-Templates ausgebreitet habe, bin ich nun in die LaTeX-Gemeinde eingetreten. Nein, das hat nichts Anrüchiges, sondern ist hardcore Textverarbeitung.

So sieht das aus und solche Fragen wirft es auf:

Weltwoche - es reicht

Ob ich zum letzten Mal über die Weltwoche schreibe, weiss ich noch nicht - im Moment kommt es mir aber so vor. Fast alles, was das Blatt bringt, habe ich satt:

  • Politische Aussagen, die auf Fallstudien beruhen. Ob Lehrer Bregy, Sozialhilfeempfänger XY samt Sachbearbeiter - immer werden Geschichten von Fällen erzählt, die keine allgemeinen Aussagen zulassen; aber so formuliert werden. Was dem konservativen Lehrer von den vordergründig netten, hintergründig hinterhältigen Schulverantwortlichen angetan wird, ist, so muss angenommen werden, die Schilderung eben dieses Lehrers, einseitig, verzerrt und nicht zu einer Analyse der pädagogischen Landschaft geeignet. In diese Kategorie gehört auch Mörgelis Kolumne, zu der man sich eigentlich nicht äussern muss, die aber als Denkanstoss nicht taugt, weil sie im besten Fall Klatsch und Tratsch und ab und zu eine Geschichte erzählt - aber zu nichts anstösst.
  • Lasch recherchierte, tendenziös zusammengeschriebene und gross angekündigte Artikel - sei es über Kalifornien (Beatrice Schlag will uns mitteilen, dass die alles können, wenn sie wollen, und zwar locker und auch den Umweltschutz) oder über die Partyszene in Zürich (schon allein die Formulierungs- und Rechtschreibfehler, dann auch wieder: Eine Gruppe von Partygängerinnen zeigt nicht nur die gesunde Haltung im Ausgang, die Oberflächlichkeit und Harmlosigkeit, sondern auch noch gleich die Politikverdrossenheit und die Haltung der Familie gegenüber der Jugend im Allgemeinen).
  • Die Nationalmannschaft. Yakin hat nicht gut gespielt, Streller ist wieder in der Schweiz - sowas interessiert die Leser des Blick Sportteils, aber nicht die einer Wochenzeitung mit (einem gewissen) Niveau. Man kann viel Intelligentes über die Nati schreiben, über Sport im Allgemeinen (siehe NZZ Sportteil), aber nicht so wie De Gregorio, der am liebsten selber ein Star wäre.
  • Politik: Auch hier muss man eigentlich nichts sagen, die Linie des Blattes ist bekannt, aber: Deswegen kann man es trotzdem lesen. Die NZZ verfolgt ebenfalls einen sturen politischen Kurs. Doch die Weltwoche provoziert um des Provozierens willen, verknappt, vereinfacht, unterschlägt und wiederholt Dinge so oft, bis man sie fast glauben muss.

SF Sport und Courage

Die NZZ schreibt heute im Sportteil (S. 37) über den FcZ:

Gegenüber der Klubführung allerdings bahnt sich der nächste Konflikt an. Mit einer originellen Choreogragie ("Ich glaub, ich gseh nöd rächt") gaben die treuen Supporter vor Spielbeginn ihrem Unmut Ausdruck über die ihrer Meinung nach überrissenen Ticktpreise im neuen Letzigrund. Das Transparent "Canepa raus" dürfte ebenfalls in diesem Zusammenhang stehen.
Doch wo blieben diese Bilder in Sport Aktuell, wo sie wahrgenommen würden? Sie fehlten. Damit bleibt die Sportredaktion von SF ihrer Linie treu - wenn immer etwas halbwegs Brisantes passiert (und sowas verdient das Prädikat brisant kaum), hält sich SF raus. Hört man die dümmlichen Kommentare zum Tennisspiel von Wawrinka, das Geplauder im Sportpanorama oder Fussballkommentare an, fragt man sich, ob man dem überhaupt Journalismus sagen kann.

Mittwoch, 29. August 2007

Darfs etwas weniger Staat sein?

Das Schlagwort, wonach weniger Staat in irgendeiner Form besser sei als mehr Staat oder gleich viel Staat, habe ich noch nie verstanden. Die Frage ist doch, welche Funktionen der Staat übernimmt, was er leisten kann und was nicht.
Zwei solcher Funktionen stimmen mich jedoch nachdenklich, und das schon seit einer Weile:
1. Der Staat und die Bauern. Bauern erhalten Direktzahlungen für was sie tun. Und zwar einerseits recht viele solcher Zahlungen (obwohl sich das für die Bauern selbst anders ausnimmt), andererseits für recht sonderbare Dinge. Der Bereich ist zu kompliziert, um das im Detail aufzurollen, aber man forsche nur mal nach, für welche Tiere man solche Zahlungen erhält. Nun fordern Bauern weiterhin gewisse Dinge, wie z.B. höhere Milchpreise (die der Staat dann garantieren würde). Was daran unverständlich ist, warum sich die Bauern nicht als Marktteilnehmer verstehen. Warum verkaufen sie ihre Milch nicht einfach teurer? Natürlich scheint das eine naive Frage zu sein, aber letztlich produzieren Bauern doch Dinge, die sie verkaufen wollen. Dafür - so sollte man denken - müssen sie keine Unterstützung erhalten. Anders sieht es bei Aufgaben aus, die sie für den Staat wahrnehmen - Bewirtschaftung, Bereithaltung von Notvorräten usw.: Dafür könnten Sie auch gleich angestellt werden - die Bauern, die es dann noch braucht.
2. Dann Billag und Suisa. Da werden Gebühren erhoben, neuerdings auf iPods, für Dinge, die man gar nicht bezahlen will, aber dazu gezwungen wird. Warum darf eine solche halb-staatliche Agentur annehmen, ich würde gebührenpflichtiges Fernsehen schauen oder urheberrechtlich geschützte Musik konsumieren, nur weil ich die dazu notwendigen Geräte besitze? Die logische Lücke ist offensichtlich - und mir unverständlich, wie solche Praxen ausgedehnt werden können.

Donnerstag, 16. August 2007

Ich bin auch Jackson Pollock

Das dürfte wohl Beweis genug sein - sowohl für meine Kreativität wie auch für meine geheime Identität mit Pollock. Jeder kann ihn werden: http://www.jacksonpollock.org/

Freitag, 10. August 2007

Simpsonize-Me!

So sähe ich aus, lebte ich in Springfield...
Es lebe die Einwortform des Konjunktivs II und die Marketingmaschine Hollywood ("The world is going Simpson and Burger King is in on it..."). Hier kann man das auch machen.

Dienstag, 7. August 2007

Filme

Das Loch hat mir Zeit gewährt, aufzuholen:
1. All the President's Men (1976): Wenn Schreibmaschinen Hauptrollen spielen (akustisch, optisch, sehr stark eingesetzt), die Wahrheit ohne Possessivpronomen benutzt werden kann und Journalisten fähig sind, "to make a difference" - ist man wohl in den 70er-Jahren. Man wünschte sich, investigativer Journalismus wäre auch heute noch zu solchen Enthüllungen in der Lage.
2. The Godfather I-III (1972-1990): Auch hier entfaltet ein einfaches Setting (trotz enorm vielen Personen, die man kaum überblicken kann) einen Sog, der seinesgleichen sucht. Was man in Michael Mann-Filmen sehen kann, ist bei The Godfather alles schon da: Männer, die Geschäfte abwickeln, die Familie schützen und für alle das Beste wollen - und sich dabei isolieren, zugrunde gehen. Dass man wissen muss, wie man eine solche Geschichte erzählt, muss nicht gesagt werden - die Szenen sprechen auch für sich, sie sind von einer Perfektion, die so natürlich wirkt, dass man sich wundert, warum man diese Filme nicht schon viel früher und viel öfter gesehen hat.
Und Marianna hat da was Nettes dazu geschrieben, mit Simpsonsverweis und Rezept - zwei key-ingredients für einen perfekten Blogeintrag!

Sommerloch

Auf diesem Blog nicht gefüllt, sondern so belassen. Leer. Aber jetzt gehts wieder los.

Samstag, 23. Juni 2007

Teledata - Abschluss

Dienste wie Teledata befinden sich auf rechtlich abschüssigem Gelände - soviel mein Fazit.
Sie dürften eigentlich Auskünfte über mich nur an Person herausgeben, die vor einem Vertragsabschluss mit mir stehen - Teledata bietet aber eine Dienstleistung, die online verfügbar ist und bei der nicht überprüft werden kann, ob ein konkretes Interesse vorliegt.

Empfohlenes Vorgehen: Bei allen Datenanbietern schriftlich einen Auszug verlangen. Vorgehen ist hier genauer beschrieben (Datenschutzbeauftragter des Bundes).
Daten korrigieren lassen.

Rechtsgrundlage findet sich ebenfalls bei Datenschutzbeauftragten oder im unten stehenden Beobachterartikel (zum Lesen klicken).

Fazit: Eigentlich müsste man da aktiv werden und für diese Dienste eine Art Aufsicht einführen - scheint ein zu lukratives Business zu sein, um rechtliche Grundlagen zu respektieren.




Donnerstag, 21. Juni 2007

Wem »gehört« ein Mensch?

Nachdem Dawkins in Wired davon gesprochen hat, Kinder dürften nicht länger als »Eigentum« ihrer Eltern betrachtet werden und deshalb auch nicht von ihnen eine Religion aufgezwungen erhalten - äussert sich nun ein Schweizer Prominenter zur Frage des Eigentums, GC-Finanzchef Heinz Spross. Ein Spieler, so Spross im heutigen Tages-Anzeiger (S. 33), könne ihm ja gar nicht gehören. »Höchstens« könne man sagen, seine Frau gehöre ihm. Eine interessante Aussage. Man fragt sich, für wie viel er sie transferieren würde.

Montag, 18. Juni 2007

Daten"schutz"?

Seit ich nun bei Teledata nachzuhaken gedenke (ein knappster Zwischenbericht: Ein Testaccount hat mir nur Handelsregisterdaten geliefert, die zwar interessant, aber nicht mit Bonitätsdaten vergleichbar sind), werde ich zum Datenschutzspürhund. Zwei Beobachtungen dazu:

1. Jemand „besitzt“ meinen Datensatz, z.B. Die Post. Durch eine obskure Formel auf dem Umzugsformular („Ihre Adresse darf bei Anfrage an Dritte weitergegeben werden“), die Bedingung für das kostenfreie Nachsenden ist, erhält dieses Unternehmen das Recht, meine Daten zu verkaufen („bei Anfrage“ heisst dann natürlich nicht, jemand interessiert sich für genau meine Adresse, sondern z.B. für alle Adressen der Neuzuzüger eines Quartiers etc.).
Konsequenz: Wenn ein Unternehmen Daten von mir verkauft, müsste es dafür von mir eine konkrete Einwilligung erhalten und ich darüber informieren.

2. Im Tagi von heute wird der gläserne Patient als eine Art Horrorvision dargestellt. Versicherer, so die Argumentation, hätten dann relevante Daten über die Versicherten. Nun scheinen gerade solche Dienstleistungen im Gesundheitswesen auf fundamentaler Informationsasymmetrie zu beruhen: Der Versicherte weiss etwas, was der Versicherer nicht weiss. Auf dieser Basis ist wohl schwer ein fairer Preis für eine Dienstleistung festzumachen. Andererseits gibt es das Prinzip der Solidarität. Wer weniger gesund ist, soll dafür nicht finanziell bestraft werden.
Dieses Prinzip scheint im schweizerischen Gesundheitswesen nur für die Grundleistungen zu bestehen, und selbst da gibt es Ausnahmen, z.B. gibt es nur eine reduzierte Wohnortssolidarität, eine reduzierte Alterssolidarität und auch eine Art Verhaltenssolidarität soll aufgekündet werden, z.B. für Raucher etc.
Die Frage ist wohl letztlich, was Solidarität genau sein soll und was nicht. Eine faire obligatorische Grundversicherung ist wohl nichts anderes als eine Infrastruktur, die allen zur Verfügung gestellt wird und die auch gleich über Steuern abgerechnet werden könnte. Die Preisstruktur ist unübersichtlich und der Wettbewerb sinnlos. Bei Zusatz- und anderen Versicherungen verhält sich dies jedoch anders: Wenn ich erhöhtes Herzinfarktrisiko habe und deshalb eine Lebensversicherung abschliesse, so sollte der Versicherer seine Prämie auf meinen Gesundheitszustand abstützen können. Ist das nicht der Fall, so verlieren letztlich die Preise für diese Versicherungen ihren Sinn und ihre Funktion.
Zurück zum gläsernen Patienten, der durch eine Digitalisierung der Daten möglich würde. Man betrachte mal die Ausgangslage: Lasse ich mich bei drei verschiedenen Doktoren behandeln und beziehe ich meine Medikamente von vier verschiedenen Apotheken, so führen insgesamt sieben Stellen ein Dossier, in denen Daten enthalten sind, aber eben nicht alle Daten. Der Patient ist für den Abgleich komplexer Daten verantwortlich, die mittels einer Digitalisierung sehr einfach koordiniert werden könnten. Dabei wäre es sogar möglich, dass nur relevante Daten an die jeweiligen Fachpersonen ausgegeben werden, zudem könnten die Daten recht einfach verschlüsselt werden, dass sie nur mit dem Einverständnis des Patienten einsehbar würden (z.B. sieht ein Arzt all meine Rezepte nur, wenn ich das will – oder wenn ein neues Rezept in einen gesundheitsgefährdenden Konflikt mit einem bestehenden geraten würde).

Freitag, 15. Juni 2007

Legenden aus der Welt des Tennis.

Hier ein paar Tennislegenden.

1. urban legend: Edberg hat einen Linienrichter getötet.
Fakt: Der Linienrichter wurde getroffen, fiel dann auf den Kopf und starb ein paar Tage später aufgrund des Aufpralls. Quelle.

2. Sampras hat Wimbledon sieben Mal gewonnen, aber mit einem Jahr Unterbruch. Insgesamt 14 Grand Slam Titel. Quelle.

3. Chang hat einmal von unten serviert. Video. Siehe auch diesen Artikel.
(Anmerkung: Grundsätzlich muss immer gelten: »Pic or it didn't happen.« Z.B. auch bei 1., kein Bild gefunden.)

4. Die Becker Rolle. Hier ist sie zu sehen. Und hier eine zunächst missglückte. Und auch das - ein unglaublicher Becker-Moment.

5. Federer, Federer, Federer.

Donnerstag, 14. Juni 2007

Ein kleiner Unterblog

Hier ein zusammengestelltes Geburtstagsgeschenk der legendären CCPT. Ein Blick wert.

Dienstag, 12. Juni 2007

Undercover Economist

Tim Hartford nennt sich Undercover Economist. Seine Aussagen sind recht aufschlussreich, gerade wenn man viel vielfältigen Reaktionen auf das Bundesgerichtsurteil bezüglich Besteuerung in Obwalden betrachtet.
Hartford sagt grundsätzlich:

1. Der ideale freie Markt bestimmt für jedes Produkt, wie viel es den Beteiligten Wert ist. Er ist die effizienteste Form des Tausches, d.h. wenn er spielt, dann kann niemand seine Position verbessern, ohne jemand anderem zu schaden.

2. Der Markt kann nicht spielen, wenn
a) Jemand über ein knappes Gut verfügt.
b) Wenn asymmetrische Informationen über etwas vorhanden sind.
c) Wenn externe Kosten verursacht werden, die nicht in Betracht gezogen werden.
d) Wenn gleichzeitig eine Umverteilung vorgenommen wird.

3. Steuern verunmöglichen häufig das Spiel des freien Marktes. Effizient sind Steuern, die an einem Startpunkt vorgenommen werden und die Spielregeln nicht beeinflussen.

Was heisst das für Obwalden? Obwalden ist selber Player im Markt - die Steuern sind ein Preis, den man zahlen muss, um in Obwalden zu wohnen. Dabei sinkt der Preis, je mehr Leute dort wohnen - insbesondere Reiche. Gleichzeitig greift Obwalden mit Steuern in den Markt ein, v.a. in die Löhne. Daraus ergeben sich zwei Effekte, die man nicht leicht voneinander trennen kann. Daraus folgen, mit Hartford, wohl zwei Dinge:
1. Nur eine Form von absoluten Steuern (einem einmaligen Betrag) ist effizient. Wobei dieser Betrag durchaus vom Einkommen abhängen kann, also absolut-progressiv sein kann, aber nicht relativ. Für jede Person muss es gleich interessant sein, mehr zu verdienen. Aber nicht alle müssen gleich viel Steuern zahlen (flat-tax). Bei den Steuern kann durchaus eine Umverteilung vorgenommen werden, aber sie darf den Markt nicht hemmen.
2. Der Steuerwettbewerb müsste entweder völlig liberalisiert oder abgeschafft werden. Grundsätzlich kann man sich fragen, ob der Staat überhaupt Aufgaben übernehmen soll oder ob er nicht immer den Markt hemmt und so verdeckt, wie viel etwas für jemanden Wert ist.

Und mal ganz grundsätzlich: Das Theorem vom freien Markt wäre dann gültig, wenn es eben keine Hemmnisse gäbe. Da aber Preisabsprachen und lokale Knappheiten nicht wegzudenken sind (ich habe nicht überall mehrere Anbieter eines Gutes zur Verfügung), gibt es dieses Ideal nie und es kann nicht immer hinzugezogen werden, um Dinge zu erklären bzw. Folgerungen zu ziehen. Nehmen wir mein Lieblingsbeispiel: Krankenkassen. Sie bieten ein so knappes Gut an, das zudem von Anbietern stammen, die wiederum über knappe Güter verfügen, kann der Wettbewerb auf dieser Stufe nicht dazu dienen, einen fairen Preis zu finden.

Sonntag, 10. Juni 2007

Ruferin - wogegen?

Da sich nun auch meine Schülerinnen und die Leserbriefschreibenden gemengt haben, muss ich natürlich reagieren - auf Alice Schwarzers Pornographie-Bannspruch.
Sie arbeitet eigentlich mit folgenden Thesen:
1. Pornographie hat den neuen Medien (gemein wohl primär Internet) zum Durchbruch verholfen.
2. Es gibt eine Intensivierung des Porno-Konsums in den letzten Jahren.
3. Pornographie bewirkt irreversible psychische Schäden.
4. Pornographie bedingt Gewalt gegen Frauen und drückt sexistische Gedanken aus.
5. Pornographie wird verharmlost.

Diese Thesen werden von ihr teilweise belegt, teilweise stehen sie einfach so im Raum. Schauen wir etwas genauer hin:
1. Pornographie macht wohl wirklich den grössten Teil der bezahlten Inhalte des Webs aus. Der teilweise anonymisierte Konsum macht mehr und illegalere Arten von Pornographie zugänglich - ohne dass man sich dafür exponieren müsste. Die Beziehung ist also wohl eher beidseitig.
2. Die Intensivierung kann wohl nicht genau belegt werden. Fakt dürfte sein, dass man Pornographie gezielter konsumiert. Und sie auch expliziter ist.
3. Sexuelle Phantasmas zu untersuchen ist nicht einfach möglich. Ob sie sich verändern und was eine negative Veränderung wäre, kann kaum gesagt werden. Die Sexualmoral in westlichen Ländern scheint relativ stabil zu sein, grosse Veränderungen sind nicht zu beobachten. Gewalt in Beziehungen, eine Art Tarnfeld für Übergriffe, wird zunehmend enttabuisiert.
Andererseits ist die Gewaltbereitschaft sicher stabil geblieben oder gestiegen. Die Experimente, die Schwarzer zitiert, gehen aber von einer Art Phantasiegewalt aus. Wem ich in meiner Phantasie etwas antun möchte, hat wenig mit meiner tatsächlichen Gewaltbereitschaft zu tun.
4. Gerade die neueren Formen von Pornographie (Gonzo) zeigen explizit, wie gespielt alles ist, dass es sich um einen Job handelt, mit dem Geld verdient wird. Wie und ob das den Frauen guttut (oder den Männern) ist eine andere Frage - aber kaum ein Konsument hat den Eindruck, hier freudige Sekretärinnen zu sehen, die den Chef bedienen, oder Krankenschwestern, die sich für den Patienten gefügig machen.
Hier muss man sich wieder auf die Sexualmoral zurückbesinnen - was im gegenseitigen Einverständnis gemacht wird, ist in Ordnung. Pornographie funktioniert unter dieser Prämisse wie auch Prostitution - per se lässt sich dagegen nichts einwenden.
5. Wohl kaum. Pornographie ist, was sie ist, und schon immer gewesen ist. Wenige Leute haben wohl Illusionen über Pornographie - Punkt 4 ist essentiell für Punkt 5.

Schwarzer bläst in ein Horn, in das sie schon immer geblasen hat. Wenn auch Enkelinnen von Nazis ins gleiche Horn blasen, umso besser für sie. Aber neu ist da nichts, feministisch auch nicht besonders. Kritische Haltungen allen Inhalten gegenüber ist - wie immer - angebracht.

Samstag, 9. Juni 2007

Medienlese / -schelte

Anstatt einer Serie von Leserbriefen: Ein Blog-Eintrag.

1. Die Woz.
Eine ganz herausragende Zeitung. Intelligenter und kritischer als die Weltwoche, dazu subtiler und stilistisch fein. Links und rechts werden kritisiert, Argumente werden überprüft und die Inkonsequenz vieler Politiker ausgestellt - z.B. dass die SVP-Herren Rundstreckenrennen in der Schweiz zulassen wollen, damit die Schweiz "kein Sonderfall in Europa ist".

2. NZZ Folio.
Auch das eine hervorragende Publikation - jeder Monat ein überraschendes Thema mit interessanten Blickwinkeln. Alles ist sauber recherchiert, vielfältig und gut geschrieben. Dafür würde ich auch zahlen.

3. Tagi-Magi.
Ich kann nicht anders, ich muss noch einmal etwas sagen:
a) In einer WOZ-Kolumne werden die Herren vom Magi MUCHs genannt - male urban chicken-hearted. Sag ich's doch schon lang, erfrischend sowas.
b) Apropos chicken-hearted: Auf der Homepage kann sich nur äussern, wer ein Benutzerkonto erstellt. Wovor hat man da Angst? Und dafür muss dann auch geworben werden, auf einer ganzen Seite, und man darf mit einem Redaktor seiner Wahl essen gehen, wenn man der 100ste oder 200ste oder so ist. Wahrscheinlich sind alle scharf auf ein Essen mit - Guido Mingels.
c) Apropos male - da gibt es ja noch diese Frau mit der guten Sprache, wie mir unlängst jemand in einem Youtube-Kommentar mitteilte. Dazu nur soviel: Genausowenig wie jemand, die ein Wochenende in New York so tun muss, als sei sie dort bei den AAs angebaggert worden, genausowenig muss jemand, der ein paar Monate in Berlin war, so tun, als schreibe sie die deutsche Sprache progressiv. Beispiel gefällig: "Ein sehr okayes Alter" oder dann auch "sondern in der Denke". Sowas klingt dann in so einer Kolumne bescheiden gesagt - bemüht.
d) Max Küng versteht nicht, was eine Kolumne ist. Was er macht, ist eine Art Blog. Nur weil er den Abschnitten Nummern gibt, werden seine Texte nicht mehr zu einer Kolumne. Who cares, frage ich mich. Gelesen habe ich bisher nur etwa von McDonalds und Scrabble. Mehr will ich gar nicht wissen.

4. Weltwoche.
Wir wissen, wissen, wissen - dass es Individuen gibt, die viel Geld haben und trotzdem Sozialhilfe bekommen. Wirklich. Also bitte - nicht mehr schreiben. Denn ob es nun 5 sind, die einen BMW fahren, oder 3, die noch mit Drogen dealen - es ändert nichts an der Aussage, die gemacht ist.
Und: Politikerinnen-Bashing scheint bei den MUCHs der Weltwoche besonders im Trend zu liegen, diese Tage.

Dummheit 2

Grossanlässe, so weiss der aufmerksame Leser, sind mir äusserst suspekt. Die Euro 08 ist da ein Paradebeispiel. Herangeredet werden wirtschaftliche, soziale und kulturelle (positive) Effekte, genau betrachtet werden sich an jedem Spiel einige "Fans" die Fahnen schwingen, einige Hooligans sich mit der Polizei prügeln, wir ein bisschen Würste braten und Bier trinken und findens alle ganz klasse, dass es neben der Arbeit und "Desperate Housewives" auch noch was anderes ganz spannend ist.
Nun wird das, was in einem halb harmlosen, halb grössenwahnsinnigen Aktionismus unternommen wird - maskottenchenkreieren, stadionbauen, sich ganz doll freuen - getoppt von einem völlig idiotischen Anlass. Im Schnee spielen ein paar Spieler fünf Minuten gegen einander. Wozu soll das gut sein - wenn man am Schluss nur solche Bilder photoshopen kann? Kanns mir bitte jemand sagen?

Mittwoch, 6. Juni 2007

Dummheit

In Horvàths Jugend ohne Gott heisst es einmal, in der Zeit schäme man sich nicht einmal mehr für Verbrechen. Wir leben in einer Zeit, in der man sich nicht mal mehr für Dummheit schämt. Das unten stehende Bild ist wohl Beweis genug, der Hintergrund, dass 99 Nationalräte dafür sind, dass in der Schweiz Formel 1 - Rennen durchgeführt werden, noch etwas bedenklicher. Das können keine ignoranten Rechtsbürgerliche sein, deren Lobbyismus eine klare Sicht auf die Welt verunmöglicht, sondern einige vernünftig denkende Parlamentarier. Wie können sie auf die Idee kommen, ein Werbefenster für die Automobilindustrie in die Schweiz holen zu wollen, das für Veranstalter ein Verlustgeschäft ist? Auch hier - Antworten werden gesucht.

Who is this man?

Das Bild sollte Omar Basseo zeigen (der mit dem grünen Polo Shirt und den schlecht sitzenden Hosen), einen 29-jährigen Schmied aus der Schweiz, der nie weiter als 50 Kilometer von seinem Wohnort weggereist ist.
Beim ersten Mal spielen auf dem Internet hat er einen Jackpot gewonnen, den er in London abholen durfte (bei einem Model, einem Leibwächter und einem als Slotmachine verkleideten Nerd, wie das Bild zeigt).
Das Problem dabei wird wohl sein, dass es den Mann gar nicht gibt - einfach mal so behauptet. Die Story erschien in der Schweiz nur in heute, obwohl sie von irgendwelchen Marketingleuten übers ganze Netz gespamt worden ist. Promo als Newsstory, ein alter Trick, immer mal wieder angesagt.

Add-on: In 20minuten wurde der gute Herr auch erwähnt und abgebildet (das Lachen lässt erst recht auf einen zweitrangigen Pornostar schliessen, der Eindruck des Gurtes wird vollumfänglich bestätigt.)

Datenschutz und Teledata

Man sehe sich hier mal um: https://www.teledata.ch/
Kaum zu glauben - von jeder in der Schweiz lebenden Person sind Kreditwürdigkeit sowie weitere sehr sensible Daten von zahlungswilligen Kunden einsehbar - und nicht nur das: Mit einem Testzugang ist das Ganze für einen Tag Jekami. Presse und Juristen nutzen diesen Dienst offenbar rege - aber ich wurde noch nie gefragt, ob ich darin verzeichnet sein möchte oder nicht. Und andere wohl auch nicht. Es stellt sich also die Frage:
1. Woher kommen diese Daten?
2. Ist das legal?
Für Antworten bin ich sehr dankbar.

Dienstag, 5. Juni 2007

Feldschiessen


Daten kenne ich keine - aber wenn der Eindruck nicht täuscht, erlebt das Schiessen eine Art Revival als Jugendsport. Man überlege sich mal - 12, 13-jährige lernen, mit einer Waffe umzugehen, die dazu designt worden ist, möglichst zuverlässig Leute zu töten. Es ist kein Sportgerät, es ist kein Jagdgewehr, es ist das Sturmgewehr der Schweizer Armee. Was die Jugendlichen in der Schule erleben, am Computer spielen, im Kino sehen, muss nicht einmal erwähnt werden, um einmal ganz gründlich darüber nachzudenken, was das alles eigentlich soll.

Montag, 4. Juni 2007

Fundies

Wenn man mal was ganz Lustiges lesen will, sollte man sich mal in die Gedanken amerikanischer Fundamentalisten (kurz Fundies) einlesen. Wie die aussehen, sollte man sich gar nicht vorstellen wollen, wie sie denken auch nicht. Hier die Top100, einfach weiterlesen, alles wird immer besser:
Fundies say the dardnest things!