Freitag, 27. Februar 2009

Gedärme und so

Constatin Seibt interviewt heute im Tagi den Informationsminister unter Sadam Hussein. Das Interview ist so lesenswert, dass es kopiert werden muss - online ist es leider nicht verfügbar auf der Tagi-Homepage. Zunächst noch dieses legendäre Video:



«Ihre Gedärme werden im Hudson schwimmen!»
Von
Constantin Seibt
Der Chef der Bundesrats Taskforce, Hans-Rudolf Merz, hat endlich ein klares Zeichen gesetzt. Als neuen Sprecher in Sachen Bankgeheimnis verpflichtete er einen international gesuchten Kommunikationsprofi: Muhammad Said al-Sahaf, den letzten Informationsminister unter Saddam Hussein.
Sehr geehrter Herr Sahaf, Sie sind seit neuestem Sprecher von Bundesrat Merz?

Wir sind alle Sprecher von Bundesrat Merz, jeder anständige Mensch.

Wie sind Sie dazu gekommen – vom ehemaligen irakischen Präsidenten zum Amtskollegen in der Schweiz?

Der Irak und die Schweiz waren schon immer Brudervölker. Beide Länder besitzen reiche, blühende Landschaften, eine unbesiegbare Armee, beide haben verantwortungsvolle Führer – wo ist der Unterschied?

Zum Beispiel neigt der Irak zum diktatorischen Interventionismus, während die Schweiz eine liberale Demokratie ist.

Solche Unterschiede sehen nur Idioten. Egal, in welchem System, wichtig ist, die Bäuche seiner Feinde aufzuschlitzen.

Nun, Bundesrat Merz benötigt Sie für die Verhandlungen mit den Amerikanern.

Ja, wir werden rasch und professionell verhandeln müssen.

Bundespräsident Merz und ich – wir werden gut vorbereitet nach Washington fliegen und den Amerikanern unsere Position erläutern. Bevor wir sie abschlachten. Mit unseren blossen Händen.

Sie plädieren also für eine gesunde Härte in Sachen Bankgeheimnis.

Ja. Ihre Gedärme sollen im Hudson schwimmen lernen. Das ist die schweizerische Hal-
tung, die Hans-Rudolf Merz vertritt.
Das Problem ist jedoch die UBS, oder?

Wir kennen keine UBS! Fragen Sie irgendeinen Schweizer! Es hat nie eine UBS gegeben!

Die Amerikaner könnten der Bank die Lizenz entziehen – mit schlimmen Folgen für den Finanzplatz Schweiz.

Der Finanzplatz Schweiz ist sehr, sehr stark. Wir haben hervorragende Männer wie Herrn Kielholz oder Herrn Ospel. Ausserdem haben wir neu einen ostdeutschen Söldner namens Herr Grübel eingekauft.

Und was denkt Herr Grübel?

Beleidigen Sie ihn nicht! Herr Grübel heisst nur so. Er denkt nicht, er handelt – etwa mit Aktien. Wie jeder anständige Banker.

Aber das Bankgeheimnis?

Das Bankgeheimnis ist völlig sicher. Wir haben neue, geruchsdichte Tresore. Ausserdem werden wir allen Steuerfahndern die Nase abschneiden.

Was sagen Sie zu den Millionenboni? Und Milliardenverlusten?

Die Millionen und Milliarden sind nicht das Problem, sondern die Währung. Wenn wir statt des Frankens etwa die italienische Lira einführen, haben wir kein Problem mehr.

Sie plädieren also für Währungswechsel und Bescheidenheit.

Bescheidenheit ist das Programm von Präsident Merz: Er ist nur 1,60 Meter gross. Jetzt muss man nur noch alle anderen Politiker kürzen.

Doris Leuthard hat, wie man las, Merz’ Taskforce ein «Kaffeekränzchen» genannt.

Präsident Merz wird persönlich ihre Innereien in der Sonne rösten – es ist Zeit, dass die Schweiz wieder zu ihren urliberalen Wurzeln zurückfindet.
P.S.: Lupe hat 2006 Herrn Grübel interviewt...

Alles nur geklaut - Der Kohlenklau

Da ich für ein Projekt einen Blogbeitrag geschrieben und dafür sogar Youtube-Filme erstellt habe, muss ich den gleich klauen und re-posten. Das Original findet man hier.
Vor den historischen Ausführungen die Frage: Wer ist denn der heutige Kohlenklau? Die allegorische Figur, die uns alle bedroht, weil wir ihre Eigenschaften in uns tragen - die Kohle, die wir klauen? Die Metaphorik des Begriffs Kohle ist da wohl sprechend genug, die Finanzkrise muss man kaum erwähnen und Boni... - lassen wir das.


So sieht er also aus, der Kohlenklau, »sein Sack ist leer« (Quelle der Bilder und weitere Infos vom Energiespar-Museum hier). Gegen Ende des zweiten Weltkriegs wurd er so populär wie bedrohlich, wie auch ein Aufsatz aus dieser Zeit zeigt:

Der Kohlenklau ist ein böser Mann, der dem deutschen Volke schaden will. Darum müssen wir aufpassen, daß er nicht in unser Haus kommt, denn er verschafft sich überall Zutritt und stiehlt Wärm, Kohle, Strom und Gas.
[Der ganze Aufsatz im Original und mit Bewertung gibts hier...]
Der Kohlenklau hat meine Aufmerksamkeit durch die Erzählung Feind hört mit in Robert Gernhardts Erzählband »Denken wir uns« erhalten, eine FAZ-Rezension hier.


Den Kohlenklau gibts sogar in einem Schulvideo:

Mittwoch, 25. Februar 2009

Bet - and Win!

Vor ein paar Tagen erhielt ich diese Mail: »Winning is down to you« hieß es da. Und tatsächlich:
Die 3 Euros in 5 Franken verwandelt - und 191.73 gewonnen. Eigentlich wollte ich nur eine Dreierwette CL setzen und auf Bagdhatis separat - und musste dann bis heute Morgen noch etwas zittern...

Dienstag, 24. Februar 2009

Crisis of credit

Da haben ein paar Leute einiges verstanden und können es nett darlegen:
www.crisisofcredit.com
http://jonnyj.net/m5

The Crisis of Credit Visualized from Jonathan Jarvis on Vimeo.

Sonntag, 22. Februar 2009

I have a dream - Max Frisch über das Tagebuch

Mein Traum ist es, dass allmählich alle Bücher gescannt und im Internet verfügbar gemacht werden. Dass man Passagen suchen kann, dass alle Bücher immer zur Verfügung stehen. Dass Passagen sich mir nicht entziehen, nur weil die ZB nicht mehr geöffnet hat oder ein Buch ausgeliehen ist. Und dass ich nicht in Büchern blättern muss, bis ich ein Zitat gefunden habe. Zugegeben: Nicht so ein wilder Traum. Und doch gibt es vor allem deutsche Verlage, die sich sogar gegen Google Books sperren und von irgendwelchen Urheberrechten träumen.
Also, diese Passage habe ich gesucht, und zwar nicht zum ersten Mal, und sie nun endlich abgeschrieben, auf dass sie für immer im Netz bleibe:

Max Frisch
Vom Sinn eines Tagebuches:
Wir leben auf einem laufenden Band, und es gibt keine Hoffnung, daß wir uns selber nachholen und einen Augenblick unseres Lebens verbessern können. Wir sind das Damals, auch wenn wir es verwerfen, nicht minder als das Heute –
Die Zeit verwandelt uns nicht.
Sie entfaltet uns nur. Indem man es nicht verschweigt, sondern aufschreibt, bekennt man sich zu seinem Denken, das bestenfalls für den Augenblick und für den Standort stimmt, das es sich erzeugt. Man rechnet nicht mit der Hoffnung, daß man übermorgen, wenn man das Gegenteil denkt, klüger sei. Man ist, was man ist. Man hält die Feder hin, wie eine Nadel in der Erdbebenwarte, und eigentlich sind nicht wir es, die schreiben; sondern wir werden geschrieben. Schreiben heißt: sich selbst lesen. Was selten ein reines Vergnügen ist; man erschrickt auf Schritt und Tritt, man hält sich für einen fröhlichen Gesellen, und wenn man sich zufällig in einer Fensterscheibe sieht, erkennt man, daß man ein Griesgram ist. Und ein Moralist, wenn man sich liest. Es lässt sich nichts mehr machen dagegen. Wir können nur, indem wir den Zickzack unserer jeweiligen Gedanken bezeugen und sichtbar machen, unser Wesen kennenlernen, seine Wirrnis oder seine heimliche Einheit, sein Unentrinnbares, seine Wahrheit, die wir unmittelbar nicht aussagen können, nicht von einem einzelnen Augenblick aus -
[Tagebuch 1946-1949, Suhrkamp, S. 21f.]
Siehe auch diese kleine Arbeit darüber.

Abschaffen?

Was keine Funktion mehr hat, könnte man abschaffen, sollte man abschaffen, vielleicht. So würde man denken...
Wie verhält es sich denn mit

  1. Dem Bankgeheimnis? Die Funktion: Wir sagen niemandem, wessen Geld wir gebunkert haben, ausser jemand weiss, dass das Geld aus kriminellen Machenschaften ist. Funktion alt: Wir haben mehr Geld. Funktion neu: Wir müssen Bussen zahlen und doch sagen, wessen Geld das ist, weil wir und ein paar mit uns verbundene Institutionen (z.B. die Schweiz) sonst ein Problem hätten, also: Eigentlich keine Funktion mehr. Fazit: Abschaffen.
  2. Der Billag? Funktion alt: Treibt Gebühren für die Medien ein, die eine stattliche Konzession und einen entsprechenden Leistungsauftrag haben. Tut das, weil es eben keine staatlichen Medien sein sollen, sondern gewisse demokratische Aufgaben übernehmen sollen, und daher auch nicht vom Staat finanziert werden sollen. Funktion neu: Scheinbar soll der Staat die Medien mit Steuern finanzieren, wie gewisse Exponenten auf Facebook zu fordern scheinen. Oder aber sie (z.B. die brillante Frau Rickli von der SVP) wollen »Gebühren« redimensionieren, weil es irgendwie stossend sein sollte, dass viele Leute diese Medien per Internet konsumieren (eigentlich bedeuten Gebühren ja, man zahlt, weil man Inhalte konsumieren kann, nicht, man zahlt, weil man Inhalte auf einem bestimmten Gerät konsumieren kann... Wenn Computer wie Fernseher funktionieren, warum sollte man dann nicht bezahlen müssen?)
    Fazit: Es gibt gar nicht so viele Probleme mit der Billag. Weder ist das Eintreiben der Gebühren besonders teuer (eine Gebühr, die niemand bezahlen will und die auf massiven Widerstand stösst, wird für ca. 20 Franken pro Haushalt eingetrieben), noch ist die Institution Billag als solche problematisch. Problematisch ist mangelnde Transparenz sowie der Auftrag für SF: Der Unterhaltungsauftrag sollte per sofort gestrichen werden. Serien, Shows für die Generation Doof und Spielfilme können die Leute, die sie konsumieren wollen, bezahlen oder mit Werbung finanzieren. Aber sonst: Nicht abschaffen. (Das findet mittlerweile sogar der Tagi, der sich vornehmlich über Facebook über die neuesten Polit-Trends zu informieren scheint.)
  3. Die Ehe, genauer: Die Zivilehe. Dagegen, dass sich Leute in einem religiösen Ritus verheiraten, lässt sich kaum was einwenden. Doch wie begründet man die Zivilehe? Dadurch, ass der Staat ein Interesse an der Solidarität seiner Bürger untereinander hat, insbesondere an der Institution Familie? Das scheint mir etwas rätselhaft zu sein. Entstehen dem Staat durch die Ehe weniger Kosten? Schützt man durch die Ehe jemanden vor Benachteiligung? Ich würde es stark bezweifeln. Letztlich schließt man beim Heiraten eine Reihe von Verträgen ab, welche man auch einzeln und ohne kulturelle Einbetung abschließen könnte. Dann wäre Verheirateten auch bewusst, was dieser Verwaltungsakt beinhaltet. Fazit: Höre ich keine schlagenden Argumente, halte ich die Ehe für funktionslos und daher abschaffenswert.

Freitag, 20. Februar 2009

Die SP - oder neulich in Wettingen II


Solche Plakate und Plakatwände schmücken vor der Grossratswahl den Aargau. Über Plakate von der FDP, auf denen inhaltslose Schlagworte präsentiert werden, jene der SVP, auf denen die Partei Verständnis für Bildungsfragen zu simulieren versucht oder jende der BDP, auf der solide Bürger ihre soliden Frisuren und die gecrèmten Gesichter präsentieren, kann kaum was Interessantes gesagt werden. Über die Kampagne der SP allerdings schon:

  1. Was bezweckt die Schwarz-Weiss-Ästhetik? (Meines Erachtens sehen die Kandidieren aus wie aus einem Photoband, der eine Kleinstadt in Zentraleuropa dokumentiert...)
  2. Warum tritt man paarweise auf? Drückt das Solidarität aus?
  3. Müssen die Kandidierenden aussehen wie siamesische Zwillinge?
  4. Wenn provisorisch 6 Plakate an einen Baum geklebt werden - wählt deswegen jemand diese Partei oder diese Kandidierenden?
  5. Wie kommt die SP dazu, unter dem Stichwort »Sicherheit« eine Kampagne zu führen?
  6. Und warum wird das Wort in Gehörlosensprache buchstabiert? Weil Gehörlose nicht lesen können? Oder weil ihre Sprache kein Wort für Sicherheit kennt, und sie es deshalb buchstabieren müssen?

Dienstag, 17. Februar 2009

Neulich in Wettingen

Da entdeckt man wieder, was Werbung sein könnte - ein reines Versprechen. Ein Optikgeschäft, gewiefterweise genannt »McOptik«, vespricht nicht ein, sondern gleich zwei Mal, glücklich zu machen. Und die junge Frau mit dem strahlenden Gebiss, dem gelockten Haar und der etwas billig wirkenden Brille wirkt tatsächlich fast glücklich. Da muss was dran sein.
Aber dann hat da jemand noch was hingekritzelt: Unter dem grossen »glücklich« steht: »Hubert Cesna ist am Flucht«. Und dann merkt man: In dieser Konsumwelt gibt es auch Opfer. Hubert ist eines von ihnen.

Mittwoch, 11. Februar 2009

Drop7 strategies - iPhone Screenshots

I am totally addicted to Drop7, new iPhone puzzle game.
A few links:

The game looks very clean and professional, as my iPhone Screenshot shows (hold home-button and press sleep/wake-button, the screen will flash and the picture goes into the picture folder, credits) :
I won't go into the rules of the game, but I am interested in some strategical thoughts:
  1. Obviously get rid of the low numbers first, noone wants to be stuck with 1s on top of everything else. So for instance drop 1s on grey numbers.
    (Especially in hardcore - get to the bottom of the screen in at least one column.)
  2. Obviously crack grey numbers as quickly as possible.
  3. Obviously use "chain-reactions", but how?
    a) build columns with the same number, they fall into place
    b) build "counting" rows, e.g. 12, 123 etc.
I have played the game for a while now and not come across many more strategies. But I have not been looking hard. Maybe I am missing something, maybe I will post some problems later on. Who knows more than I do?

High score: 215,023 (normal mode)

Dienstag, 10. Februar 2009

Kurt W.

Wenn man eine 17-jährige Gymnasiastin ist oder was auf sich hält, dann braucht man einen zweiten Vornamen, den man entweder ausschreibt und sich dann stolz »Diana Natascha Müller« nennt, oder den man clever zu einer »middle inital« verkürzt und sich Frank A. oder Kurt W. nennt - und mit diesem »Doktortitel des kleinen Mannes« ausgestattet zumindest in der beschaulichen Medienlandschaft der Schweiz den totalen Durchblick für sich reklamieren kann. (Btw. kann angemerkt werden, dass er sich ähnlich wie Frau Martelli recht gut gehalten hat für sein Alter, bzw. seine spärlichen Haare gekonnt in Pose setzt. Bildquelle)Über Kurt W. schreibe ich aber nur, weil ich seine Blogismus-Kolumne erst eben entedeckt und vor allem auch Hogenkamps Reaktion, weil dort steht, was mich eigentlich beschäftigt hat: Warum schafft es die Weltwoche nicht, ihren Content online zu veröffentlichen, ohne irgendwelche Artikel kosten- oder abopflichtig zu gestalten? Welchen Sinn kann das nur haben? (Ja, ich weiß - der Sinn sollte sein, dass man die Weltwoche abonnieren täte oder ihr Geld bezahlt, um einen Artikel online lesen zu können. Aber wie viele Leute haben das wohl schon getan?) Beim Chefredaktor des Guardians könnte man sich da etwas weiterbilden.

Samstag, 7. Februar 2009

Backlinks - oder ist bloggen arbeiten?

Mir wurde die Ehre eines Posts auf winkelried.info zuteil - was kaum verschwiegen werden kann und auch verlinkt werden muss. Jemand hat sogar mein Facebook-Profil gefunden. Etwas geehrt fühle ich mich, dass mein Bloggen als Arbeit taxiert wird, was man sich wohl nur so zurechtlegen kann, dass damit eine »linke« Form von Arbeit gemeint ist. Was darunter zu verstehen sein könnte, will ich nun nicht zu plastisch ausmalen, ich überlasse es der Phantasie des Lesers.
Eine Behauptung möchte ich gerne mit Fakten etwas widerlegen: Nämlich, ich hätte heute aufgrund des Links auf Winkelried »10 fache besucher als sonst«. Hier ein Auszug aus meiner Google-Analytics-Page:
Und zwei Vorwürfe möchte ich wiederholen: Was so genannte »Eidgenossen« oder sich bewusst rechts vom bürgerlichen Lager positionierende Menschen betrifft, so meine ich mit »braun«, dass sie nationalsozialistisches Gedankengut vertreten. Nicht immer ganz deutlich, aber immer wieder Holocaust-Leugner unter dem Deckmantel der Meinungsäußerungsfreiheit verteidigen, Rassenkonstruktionen mit Tatsachen verwechseln, den Begriff »Volk« verwenden, als handle es sich bei der Bevölkerung um eine Einheit, die so denke wie man selbst, Intellektuelle grundsätzlich verunglipfen und verhöhnen, bei Neonazi-Vorfällen nicht über die Sache sprechen, sondern auf andere Vorfälle mit Linksautonomen verweisen, genauso wie nicht über Nazi-KZ gesprochen wird, sondern über den russischen Gulag - ich will nicht weiterschreiben, das Muster dürfte bekannt sein. Das meine ich mit »braun«.
Zweiter Vorwurf: »Anti-Linkes« Gedankengut (wie kann eine Haltung vernünftig sein, die sich gegen etwas richtet?) ist

  1. nicht durchdacht (aus den Kommentaren im Winkelried.info-Beitrag: »In der Schweiz existiert eine Win-win-Situation zwischen den Parteien von ganz links bis tief ins bürgerlich liberale Lager: Die machen unser Land zur Sau! muss ich noch mehr schreiben….« (ja, gerne, denn wie soll ich das verstehen?) »in seinem neusten Post macht der Wefler - der Autor des verlinkten Artikels - uns auch noch für den Holocaust verantwortlich. Das kann man leider nichts mehr machen, der ist ein Fall für den Psychiater.« (mache ich irgendwen für irgendwas verantwortlich - ausser für unsauberes und unethisches Denken?) »Vielleicht habt ihr auch schon auf anderen Internet-Seiten Kommentare gelesen. Wenn jemand dort einen Kommentar etwas nach rechts schreibt, wurde er sofort von linker Seite in Beschuss genommen. Und so etwas nennen die also freie Meinung, da kann ich nur lachen.« (ja, die Meinung zu äußern nennen gewisse Leute tatsächlich »freie Meinungsäußerung«)
  2. auf der Annahme einer linken Verschwörung aufgebaut (»Die Linken machen das Land aus ideologischen Gründen […] und die angeblich so Netten aus purer Einfalt, Naivität, Blödheit und Dummheit kaputt.« - »Das ist sehr schlechte linke Propaganda aber etwas kann man daraus schliessen vor Winkelried.info haben die Angst und linke hören nie gerne die Wahrheit und darum braucht es eine ehrliche Meinung so einer wie Winkelried jeder Schuss ein Treffer ins Schwarze.« (Wahrheit hörte ich gerne, Meinung nur dann, wenn sie mit Warhheit etwas zu tun hat, auch wenn sie noch so ehrlich ist... Wahrheit ist aber das, was andere nachvollziehen können und nicht nur ein Kreis Eingeweihter) »Linke sind wie Pestbeulen die Hochkonjunktur haben und wollen sich überall Einnisten und Verbreiten, was Bazillen eben am besten können.« (okay, das scheint logisch zu sein)
  3. recht schnell beim Abfertigen Andersdenkender, ohne wirklich nachzuvollziehen, was da gedacht worden ist (»in seinem neusten Post macht der Wefler - der Autor des verlinkten Artikels - uns auch noch für den Holocaust verantwortlich. Das kann man leider nichts mehr machen, der ist ein Fall für den Psychiater.« (das wäre dann ich) - »Diese ca. 17-Jährigen Kretin muss man ja nicht wirklich ernst nehmen, der soll erst einmal arbeiten und in die tiefen Abgründe der Schweizer Selbstzerstörungspolitik schauen bevor er linke Parolen nachplappert.« (und das auch)
Vorläufig würde ich mal bei meinem Urteil bleiben. Und Angst bekomme ich immer, wenn viele Menschen ein Gedankengut vertreten, das in mehreren Hinsichten schief ist.
So, nun warte ich wieder auf Kommentare...

Donnerstag, 5. Februar 2009

Gibt es intelligente »Rechte«?

Wenn ich mich aufregen will, schau ich immer mal wieder bei winkelried.info rein. Die Seite bezeichnet sich als Forum für »Intelligente Menschen gegen Links«, wobei anzunehmen ist, dass sie nicht Verweise auf andere Webseiten meinen, sondern mit »Links« ein Feindbild konstruieren, wie das durchaus in der Tradition von Winkelried steht.
Dieses Feindbild kann wie folgt charakterisiert werden:

  • alle Staatsangestellten, insbesondere LehrerInnen, RichterInnen, Beamtinnen und Beamte - da aufgrund ihrer Anstellung »links«, zudem faul, verbildet (ein Studium macht generell »links«), ideologisch unterwandert (auch hier ist eine lange Ausbildung gefährlich) und willkürlich zugunsten einer »linken« Verschwörung handelt, deren Ziele etwas dubios sind (wahrscheinlich die unlimitierte Einwanderung, der Niedergang der Schweiz und den Ausbau der Sozialhilfe, so dass den »Intelligenten Menschen gegen Links« davon nichts mehr bleibt, obwohl sie am meisten einbezahlt haben
  • alle Medienschaffenden, vor allem aus den Häusern Ringier, TA-Media und SF, die nie eingestellt worden wären, wenn sie nicht »linke« Propaganda machen würden, wobei »linke Propaganda« alles ist, was sie schreiben; jedes Wort ist eine Manipulation, alle Zusammenhänge werden verzerrt dargestellt, um der »linken« Verschwörung zum Durchbruch zu verhelfen
  • alle Politiker, mit wenigen Ausnahmen aus dem rechts-braunen Lager, die grundsätzlich nur an ihren Ämtern interessiert sind (und allenfalls die »linke« Verschwörung befördern)
  • ökologische Überglegungen generell, denn diese Argumentation ist eine Bemäntelung der »linken« Verschwörung
  • weiter traditionelle Feindbilder wie Kommunisten, Antifaschisten, Palästinenser etc., wobei die traditionelle Argumentation die ist, dass jeder »Linke« grundsätzlich ein anarchistischer Gewalttäter ist und ein heimlicher Kommunist und völlig ignorant gegenüber den Verfehlungen der sowjetischen Politik (»mein Feind ist auch der Freund meines anderen Feindes«).
So viel zur Ausgangslage. Die Argumentation hält sich nun selbst am Laufen - jedes mediale Thema kann vor diesem Hintergrund sofort »analysiert« werden und - da alle »Fakten« manipuliert worden sind - mit Vermutungen ohne jede Form von Beweisen ins Gegenteil verkehrt werden. Sämtliche Muster von Verschwörungstheorien kommen zum Tragen.
Nun mag das psychologisch (ui, schon nur das Wort macht mich zu einem »Linken«) interessant zu analysieren sein - scheint aber wenige Aspekte mit intelligentem Verhalten zu teilen.
So kommt meine generelle Vermutung: Wer in dieser Ecke »politisiert« oder polemisiert (also auf der Zürcher Linie der SVP und rechts davon), kann nicht sonderlich intelligent sein, es sei denn, er oder sie tut es zum eigenen Vorteil, wie das bei einigen Exponenten durchaus der Fall sein dürfte, kaum aber bei der Basis, weil die ja ihre eigenen Interessen (stabiler Sozialstaat, Steuergerechtigkeit etc.) regelmässig verleugnet. Ein gutes Beispiel die Schweizer Demokraten, auf deren optisch hinreissendem Flyer ich vor zwei Wochen lesen konnte:
Sagte nicht schon Barack Obama: »Yes we can!« […] Deshalb: Am 8. Februar Nein.
Zur Personenfreizügigkeit gibt es nichts Treffenderes zu sagen, als es Binswanger im Magazin getan hat.

Dienstag, 3. Februar 2009

Politwerbung

Verstehe ich etwas falsch - oder wäre es nicht vertretbar, jede Form von Werbung betrefffend Abstimmungen und Wahlen zu verbieten?
Natürlich - das Verbot schränkte Leute in ihrer Freiheit ein, ihre Meinung kundzutun. Andererseits erlaubte es anderen Leuten, sich unbeinflusst eine Meinung zu bilden. Werbung in diesen Belangen scheint reine Beeinflussung zu sein, weder bei Wahlen noch bei Abstimmungen gibt es grössere Kampagnen, die informieren.
Meines Wissens ist z.B. Fernsehwerbung aus dem politischen Bereich verboten - in Zeitungen und auf Plakatwänden jedoch nicht. Ist es vertretbar, dass ungenannte politische Organisationen diffuse Signale aussenden dürfen, mit denen sie eine Abstimmung zu beeinflussen versuchen?

Sonntag, 11. Januar 2009

Martelli - Brille Fielmann

Kathrin Martelli möchte gerne Stadtpräsidentin von Zürich werden und nennt sich sinnigerweise »Die Stadtpräsidentin«. Ihr Auftritt, der schon 20Minuten kommentiert worden ist, (Zitat Kommunikationsbeauftragter: »leicht retouchiert und aufgehellt«), transportiert eindeutige Botschaften:

  1. Brille... siehe Titel.
  2. FDP... siehe Blazer.
  3. Total locker und sexy... siehe Ausschnit... »die hat unter dem Blazer bestimmt gar nichts an, gar nichts, uiuiui«
Und dann darf man auch noch auf ihrem Wikipedia-Artikel verweisen, wo ihre Zitate ganz hübsch hergerichtet worden sind. Da sind Profis am Werk.

Samstag, 13. Dezember 2008

Heute im Asia-Shop

Ein paar Highlights einer Einkaufstour durch den Asia Shop (asia way, Oerlikon):

Shrimp-flavored Chili












Eier aus der Büchse



















Eine dazu passend benamste Fischsauce...





















Und schließlich noch eine Gebrauchsanleitung in Asinglish...

Mittwoch, 10. Dezember 2008

Wer wars?

Namen sind gesucht:

  1. Wer war nicht in der Lage, einen Namen auf den Zettel zu schreiben - und hat so Ueli Maurer gewählt?
  2. Wer hat im zweiten Wahlgang für eine(n) diverse Kandidatin/en gestimmt, und sich dann doch für Ueli Maurer entschieden?
  3. Und: Wer hat wie diesen Leuten Druck gemacht?
Update: Eine vierte Frage (aus den Kommentaren):

Eine Frage fehlt noch:Wer war nebst Mörgeli vom SVP-Sünneli geblendet worden und war deshalb heute nicht im Bundeshaus?

Antwort: Ernst Leuenberger, SP Nationalrat.

Eine weitere Frage wäre, wie demokratisch es ist, wenn die Fraktionen gegenseitig die Stimmzettel überprüfen lassen.

Quelle der Grafik: tagi.ch

Wenn es schneit...

...fahren für einmal auch die Leute Bus, die sich sonst zu schön dafür sind, die Privatsphäre im Auto schätzen oder es einfach »uh müesam« finden, sich an einen Fahrplan zu halten (oder einen zu lesen).
Natürlich erwarten sie, dass ihnen im Bus stets ein Platz frei gehalten wird, für den Fall, dass sie ihn doch einmal benützen werden, und finden dann die öffentlichen Verkehrsmittel ausserordentlich anstrengend: Kein Platz, nervige Leute und erst noch Verspätung. Wenn man sie mal braucht, die öffentlichen Verkehrsmittel, dann merkt man, wie unbrauchbar sie eigentlich sind.
Und sowas muss ich mir dann auch noch anhören, wo doch meine Socken schon nass sind.

Samstag, 6. Dezember 2008

Casino und Bordell

Man kann viel Bullshit (im wissenschaftlichen Sinne) lesen, wenn man regelmäßig einen Blick in Printerzeugnisse wirft. Eine Publikation übertrifft aber alles Vorhande mit Leichtigkeit: Das Swiss Gaming Magazine. Dumm-dreiste Lobbyingartikel stellen alles in den Schatten, was Gratiszeitungen zu formulieren vermögen. Einziges Ziel ist es, klar zu machen, dass es Spielsüchtige nicht gibt, die Casino-Branche nichts als das Wohlergehen aller Menschen beabsichtigt und demokratische Steuerungsprozesse grundsätzlich suspekt sind.
Ein Herausgeber namens James Graf, der sich selber »Gaming Consultant« nennt und auch als Katzenzüchter in Erscheinung tritt, schreibt in seinem Editorial beispielsweise:

»Es gab unter diesen Alleswissern sogar solche, die Spielsüchtige zu Anschlägen auf Spielstätten aufforderten und Geld von überall zum annehmen (sic!) bereit waren um dieser Branche mit Verbotskampagnen den garaus zu machen.«
»Im Kanton Zürich gib es - nach Ansicht von Branchenkennern - mehr illegale Geräte, Spielclubs, Hütchenspieler und Ähnliches als jemals zuvor.«

Die Bezeichnung der Quellen ist äußerst geschickt gelöst, die Argumentation klar: Anstatt Casinos an Spielsüchtigen gewinnen zu lassen, lässt man nun die Mafia (v.a. die albanische) an diesen Geldtopf.

Das Heft kann aber dieses Editorial noch steigern, mit einem denkwürdigen Artikel, der den »Umgang mit Spielsucht-Zahlen« thematisiert und ebenfalls von Graf geschrieben worden ist. Sein Titel: »Casino-Bordell« oder »Spiel-Casino«? Auch hier seien zwei Zitate genannt:
»Wer berichtet über Esoteriksucht wo doch die meisten Buchhandlungen ihr Geschäft schon mehrheitlich mit Esotherikliteratur (sic!) machen.«
»Süchtig und krank macht aber auch die Börse. Ganz gleich wie das Caisno. Nein, viel schlimmer: Die Banken kassieren noch Gebühren ab und warnen kaum lesbar mit dem möglichen Totalverslust ihrer Anlagen!«
Graf warnt: Sucht hat viele Gesichter. Handysucht, Online-Sucht, Nikotinsucht - allesamt viel schlimmer als Spielsucht, die eigentlich nur ein Deckmantel für alle anderen Süchte gibt und als solche gar nicht exisitert, wie uns der Artikel weismachen will.

So lange Casino Geld haben, um solche Leute anzustellen, solche Hefte zu produzieren - so lange besteht wohl kein Handlungsbedarf, ihnen mehr Spielsüchtige zuzuhalten. Die Bedrohung durch Online-Poker, gegen die solche Publikationen ankämpfen, ist sicherlich real: Vernünftig (volkswirtschaftlich gesehen) wäre es wohl, grundsätzlich jede Form von Glücks- oder Geschicklichkeitsspiel um Geld zu verbieten. Wer das nicht glaubt, der sehe sich an einem Nachmittag um halb vier einmal im Grand Casino Baden in der Automatenhalle um.

Montag, 1. Dezember 2008

Wie berechnet das Tool der SBB den Fahrplan?

Auf sbb.ch kann man ja mit jeglichem Konfort einen Fahrplan berechnen lassen. Nehmen wir ein einfaches Beispiel: Ich möchte am Wochenende von Zürich nach Flims fahren, um dort den Schnee zu genießen.
Man könnte naiverweise zwei Annahmen treffen:

  1. Das Programm »weiß« (hat es gespeichert), dass man von Zürich über Chur nach Flims fahren muss und sucht nur nach »Zürich - Chur« und »Chur - Flims«, wobei es jeweils direkte Verbindungen gibt.
  2. Das Programm sucht alle möglichen Verbindungen und wählt dann die kürzesten aus.
Annahme 2. kann schnell verworfen werden: Von Zürich nach Chur kann man auf fast unendlich viele Möglichkeiten gelangen. Das Programm »weiß« ja nicht per se, dass wir nicht nach Altstetten fahren und dort auf einen VBZ-Bus umsteigen wollen. Auch so könnte man nach Flims gelangen.
Die Annahme 1. wird die Basis des Algorithmus' sein. Der Algorithmus stützt sich aber weit gehend auf den Dijkstra-Algorithmus. Er funktioniert so:
  1. Es wird ein Netz erstellt, auf dem alle Wege von Zürich nach Flims eingetragen werden.
  2. Es wird eine geordnete Liste erstellt, in der immer die Destination am Anfang steht, die in der kürzesten Zeit zu erreichen ist.
  3. Diese Destination wird jeweils durch die Destinationen ersetzt, die von ihr aus zu erreichen sind.
  4. Es wird wieder geordnet und ersetzt.
  5. Am Schluss steht in der Liste nur noch das Ziel (der Weg über alle Destinationen hat zum Ziel geführt), alle anderen Destinationen können gelöscht werden.
  6. Es muss nun nur noch berechnet werden, über welchen Weg man am wenigsten Zeit gebraucht hat.

Sonntag, 30. November 2008

Keywords - englische Wörter mit X

Wenn ein Blogger aus einer monatelangen Schreibblockade auftaucht, ist etwas Selbstanalyse gefragt. Mal sehen, welche Keywords am meisten Leser auf meinen Blog führen. Hier die Top 7:
Sehr schön ist die Nr. 4, führt die doch zu diesem Eintrag. So viel zu den Kräften von Google (ich bin da immerhin Nr. 3). Vielleicht müsste ich mich auf englische Wörter mit X spezialisieren. Hier sind ein paar, in meinen Quellen findet man noch mehr (http://phrontistery.info/x.html und http://www.sanjeev.net/scrabble/4-letter-words-with-X.html):