Dienstag, 21. Oktober 2008

Opfertod - Thomas Bernhard wird eingeholt

Zum Glück kommt es selten vor, dass die Wirklichkeit die Phantasie übertrifft. Was sich rund um den Tod von Jörg Haider abgespielt hat, konnte man sich ausserhalb Österreichs wohl kaum vorstellen, auch wenn man Thomas Bernhard gelesen hat (und wohl meinte, der habe übertrieben). Einige Eindrücke:Die Ausgangslage.

Dann:

  1. Der Bildungs-Landesrat Uwe Scheuch hat bereits angeordnet, dass am Freitag in den Kärntner Schulen eine obligatorische Gedenkstunde für Jörg Haider abzuhalten sei.
  2. Sämtliche öffentlichen Veranstaltungen wurden in dieser Trauerwoche zwischen dem Ableben des Landeshauptmanns und seiner Beisetzung am kommenden Samstag abgesagt.
  3. In vielen Schaufenstern sind Fotos des Verstorbenen ausgestellt, manche Geschäfte arrangierten Bilder und Würdigungen Haiders zu kleinen Altären.
  4. Uwe Scheuch, der designierte Chef des Kärtner BZÖ (Büdnis Zukunft Österreich), rief bewegt aus Haider sei für Kärnten den Opfertod gestorben.
  5. Der Klerus spielt offenbar voll mit bei der Verklärung:














Wenn ein Bundesland einen »Opfertod« braucht, bei dem sich ein Landeshauptmann im Vollrausch auf einer seiner Landstrassen überschlägt, dann spricht das wohl für dieses Land. Wenn aber besagter Landeshauptmann auf dem Bärental, seinem Gut, das von den Nazis seinen jüdischen Besitzern enteignet worden ist, begraben wird, dann fragt man sich schon, ob die internationale Gemeinde nicht ein Zeichen setzen müsste: Das man dies so im Europa des 21. Jahrhunderts nicht tolerieren kann.
Quelle: http://www.nzz.ch/nachrichten/international/tod_und_verklaerung_im_lande_joerg_haiders_1.1113708.html / NZZ vom 20. Oktober.

Mittwoch, 8. Oktober 2008

Coop-Inserate

Die Welt ist oft ein wunderlicher Ort, und ihre Bewohner wunderliche Leute. Besonders schön zeigt sich das im Coop, wo wunderliche Leute wunderliche Anliegen haben bzw. sie in einer Form präsentieren, die nicht immer ganz dem gängigen Standard entsprechen könnte:




Donnerstag, 2. Oktober 2008

Ich oder sie...

I am back.
Drei aktuelle Themen, bei denen mich interessiert, ob ich falsch denke - oder andere...

  1. Die SBB ist an ihre Kapazitätsgrenzen gelangt und denkt laut darüber nach, Pendler mit negativen Anreizen dazu zu bewegen, die Stosszeiten zu meiden.
    Reaktion: Ein Aufschrei der Pendler, die - so das beliebte Argument - ihre Arbeitszeiten nicht wählen können.
    Ich: Aber sie können ihren Arbeits- oder Wohnort wählen. Niemand wird zum Pendler gezwungen. Tiefere Steuern in der Agglo und Steuerabzüge für Arbeitsweg sind Anreize zum Pendeln, Aufschläge der SBB korrigieren diese falschen Anreize. Die Schweiz kann es sich nicht leisten, immer mehr Transport zur Verfügung stellen zu müssen, die Leute müssen vermehrt wohnen, wo sie arbeiten.
  2. Finanzkrise. Meine Analogie zu einer Bank wäre ich. Ich habe etwas Geld, verdiene etwas Geld, gebe etwas Geld aus. Nun lege ich das Geld an. Ein bisschen hier, ein bisschen da, aber immer so, dass ein Teil verloren gehen könnte, ohne dass meine Einnahmen, meine Ausgaben, mein restliches Geld gefährdet sind. Nun ist mir klar - eine Bank arbeitet auf einer anderen Komplexitätsstufe. Was ich aber nicht verstehe: Wie kann es sein, dass einige Banken ihre ganze Existenz auf Spiel gesetzt haben (oder das tun mussten, um genügend profitabel zu sein)?
  3. Digitale Downloads seien Diebstahl, habe ich eben in der Zeit gelesen. Wert der Kreativität, Künstler arbeiten nicht für gratis etc. Aber: Wie bemisst sich denn der Wert von etwas - z.B. von einem Musikstück? Die Analogie der Musikindustrie: Der Künstler stellt ein Produkt her, für das Produkt muss bezahlt werden. Fehler in der Analogie: Erstens gibt es kein Produkt, bevor es nicht einen Vertriebskanal gibt, zweitens stimmt das mit dem Bezahlen nicht, weil wir nicht für Laub aus dem Wald bezahlen, sondern nur für Dinge, die rar sind und uns nicht zufliegen.
    Künstler müssten für ihren Aufwand entschädigt werden. Nur werden sie das ohnehin nicht, nur sehr weniger erhalten sehr viel Geld, die meisten erhalten fast nichts. Das hat nichts mit illegalen Downloads zu tun, sondern damit, dass Künstler nicht für ihren Aufwand entschädigt werden, sondern für einen obskuren Erfolg, dessen Bedinungen die einer Industrie sind, die sich wiederum scheinbar an Bedürfnissen der Kunden orientiert, die aber gleichzeitig selbst zu kreieren vermeint.
    Oder noch einmal: Von einer gekauften CD erhält der Künstler im besten Fall 2 Franken. Seine Idee ist pro Song gerade mal 20 Rappen wert. Verkaufe mich digitale Songs für 20 Rappen (die der Künstler erhält), und ich kaufe die Platte. Die Infrastruktur für den Vertrieb stelle ich selbst zur Verfügung, meine Harddisk ist gekauft und nicht gestohlen, mein Internetzugang abonniert und nicht schwarz. Ich brauche die Industrie nicht - und gerade hier liegt das Problem.
  4. Und noch etwas, ich weiss, vier Punkte wären genug, aber was ist mit den Lobbyisten im Schweizer Parlament los? Die Pharmalobby diktiert Abstimmungsergebnisse nach Belieben, Parallelimporte bleiben verunmöglicht, hohe Preise erhalten - ohne dass Argumente in Sichtweite wären. Da denkt man doch, wir lebten in einem wenig korrupten Land.

Freitag, 29. August 2008

Pool Crashing - und so

Der Tagi macht ja neuerdings mehr Artikel über andere Artikel (Bundesratsbunker im Blick, Pool Crashing in der WOZ) als eigenen Content zu liefern. Aber Pool Crashing verdient tatsächlich unsere Aufmerksamkeit, denn es böte Gelgenheit, Massenphänomene wieder etwas zu unterlaufen.
Botellon scheint nur zu funktionieren, weil andere auch hinkommen. Grundsätzlich kann sich ja jede und jeder wo und wann es ihr oder ihm beliebt betrinken - lustig scheint das aber nur zu sein, wenn man das in Gruppen von Tausenden macht. Swimming Pools begüterter Mitmenschen laden aber auch zu ganz privaten Happenings ein, zu einem tête-à-tête, einem Familienausflug etc.: »Ich brauche nur mal kurz ihren Pool.« Sollte einfach zu einer Selbstverständlichkeit werden. So wie man in ein Klassenlager kein Necessaire mitzunehmen braucht, denn schliesslich haben Kollegen auch Zahnbürsten. Nehmen, was andere nicht brauchen - dadurch sind wir stark geworden und das sollten wir auch weiterhin so halten.

Freitag, 4. Juli 2008

Ai ai ai...


In den Zeiten von iIrgendwas, iKaufmich anderen is ist es kaum noch witzig, das Thema zum Scherz zu machen. Zieht man aber aus einer Wohnung aus und erst beim Umzug macht einen jemand auf die Klingelvorrichtung aufmerksam, darf das Bild doch noch gepostet werden. Falls mans nicht entziffern kann - die Einrichtung heisst Aiphone...

Donnerstag, 26. Juni 2008

Ein weiteres Rätsel


In meinem Pausen- und Kaffeeraum findet sich seit geraumer Zeit (ein Wortspiel, imfall) folgendes Schild:
Was es bedeutet, frage ich mich jeden Tag. Vorschläge per Kommentar? Hier noch zwei Detailaufnahmen:

Wohnungs-Frenzy

Wohnungen suchen, Wohnungen finden, Wohnungen weitervermieten... In der Stadt Zürich eine packende Sache. Könnte man es als soziale Untersuchung betrachten, ein durchaus interessantes Arbeitsgebiet. Ist es bitterer Ernst, ist es bitterer Ernst. Nun klappte aber alles ganz rund, Wohnung gefunden (Stadt Zürich - etwas übertrieben), Wohnung weitervermietet.
Wie es aussieht, wenn 30 Leute in die eigene Wohnung treten, an Küche, Schlafzimmer und ähnlichem rummäkeln, spannende Fragen stellen usw., kann man auf folgenden Bildern erahnen (man beachte ein schmuckes Dekoelement - runterfallende Deckenplatten...):
Eine potentiell mögliche Reaktion auf einen Teil des Problem wären Fette-Mieten-Partys: Steigen tun die aber scheinbar nicht mehr so richtig...

Samstag, 14. Juni 2008

Good to know


Allergisch sein, kann total mühsam sein, v.a. wenn überall Milch drin ist.
Vorderseite des abgebildeten Gegenstandes:

Freitag, 13. Juni 2008

Alles getan

Wenn man sich ein Ziel setzt und es nicht erreicht - dann hat man entweder nicht alles dafür getan, Fehler gemacht, oder sich ein illusorisches Ziel gesetzt.
Dass bei der Schweizer »Natzi« beides der Fall war, dürfte spätestens jetzt allen klar sein. Dass eine Mannschaft, die zwar zu den besten 20 in Europa gehört, aber nicht zu den besten 10, vom Europameistertitel spricht, ist lächerlich genug. Dass man dafür aber die Verantwortung in die Hände eines Greisen (Zloczower), eines aargauischen SVP-Polterers (Lämmli: »Das kanns doch nicht sein. Ich bin ein guter Autofahrer. Ich musste zum ersten Mal in meinem Leben blasen.«) und eines sympathischen Ex-Fussballers legt, zeugt von beeindruckender Kurzsicht. Wer von diesen Leuten hat schon mal mit einem Spitzenfussballer zu tun gehabt? So richtig, Siege errungen, hart trainiert, sowas? Taktisch etwas geleistet, gelernt?
Gut, ich rege mich am. Symptomatisch aber diese Äußerung Kuhns, wonach alle alles richtig gemacht haben:

Gibt es nichts, was Sie sich vorwerfen müssen? In der Vorbereitung, in der Auswahl der Spieler ...

(unterbricht) Dann muss ich zurückückfragen: Wen hätte ich denn sonst aufbieten müssen?

Aber ist da nichts, was Sie anders machen müssten, wenn Sie das könnten?

Ich glaube, wir haben alles dafür getan, dass wir Erfolg haben können. Wir haben im Trainingslager vor der EM sehr gut gearbeitet, und wir haben unseren Staff erweitert.
(Tagi von heute)
Antwort auf die Zurückfrage: Vielleicht so viele Stürmer, dass im zweiten Spiel mehr als ein nomineller Stürmer einsetzbar ist? Vielleicht erfahrene Spieler wie Vogel? Vielleicht einen Co-Trainer, der taktisch geschult ist? Vielleicht Rakitic und Petric, die sicher für die Schweiz gespielt hätten... Der Antworten sind viele. Der Fragen auch.


Dienstag, 10. Juni 2008

Ertappt

Es gibt einige Dinge, die anstrebenswert sind. Dazu gehören:

  1. Tabus zu brechen. Gibt es noch Tabus - was sind sie - wie kann man sie brechen?
    (Meine Gedanken: Entweder subtil, so z.B. »Fussball mag ich nicht, auch nicht, wenn Euro ist, und intellektuell find ichs auch nicht so«, ist grad ein rechtes Tabu; Pädophilie in einem affirmativen Sinne würde dafür wohl auch qualifizieren, ist mir zumindest nicht bekannt, dass es das gibt (so im Sinne: »ich möchte als Pädophiler gerne akzeptiert und geliebt werden«), dann wird die Luft langsam dünn, ah nein, einen hab ich noch: Als anerkannter Computergeek zu behaupten, man finde Windows (Vista) ein wirklich gutes Betriebssystem...)
  2. Leute zu ertappen und ihnen das Gefühl zu geben: Ich wurde ertappt.
    Ist bei mir geschehen, und zwar durch den Blog: stuffwhitepeoplelike. Von den Top 20 mag ich mehr als die Hälfte, offiziell: 11. Ertappt, also.

Mittwoch, 4. Juni 2008

Porno-Schauspieler oder »fucky-fucky«

Dass Pornodarsteller notorisch schlechte Schauspieler sind, ist common knowledge. Wer aber hätte gedacht, dass sie so schlecht sind? Amüsante Einblicke aus diesem Esquire-Feature.


Dienstag, 27. Mai 2008

Diffuse Formen von Rassismus und falschem Denken

Bekanntlich sind rassistische Witze an die Phrase »ich bin kein Rassist« gekoppelt - die performativ, also durch das Erzählen des Witzes, gleich wieder demontiert wird, denn indem man über rassistisches Gedankengut (z.B. Vorurteile) lachen kann, demonstriert man eine Haltung, die der Aussage, man sei kein Rassist, diametral entgegensteht. Somit entsteht eine diffuse Form von Rassismus, man hält es für vertretbar, im vertrauten Kreis über solche Witze zu lachen, aber nicht, die Vorurteile oder Aussagen direkt anzubringen.
Eine ganz ähnliche Haltung kann man im Umgang mit dem Auto beobachten. Man gibt vor, grundsätzlich ein umweltbewusster Mensch zu sein, der die Problematik des CO2-Ausstosses erkannt hat und darauf reagieren kann. Nun gibt es zwei Haltungen: Entweder, man benützt ganz selbstverständlich das Auto und gibt, wird man auf diese Praxis angesprochen, Bequemlichkeitsgründe an (mehr Zeit, müsste im Zug vielleicht stehen, »das mach ich nicht mehr mit« etc.) Oder aber, und das scheint eine mediale Tendenz zu sein, man spricht über Aspekte des Autofahrens, die ein »Öko-Fundi« nie verstehen könnte; z.B. das »geile« Gefühl eines Blick-Bundeshausredaktors beim Testen einer Corvette. Ähnlich auch die Aufforderung des Magazins, die portraitierten Fussballer sollen sich vor ihrem Auto zeigen, wobei dann Sätze fallen wie diese hier (zum Leben von Mario Eggimann):

Fussballer mit Porsche, das ist ein Klischee, das er nicht erfüllen will, auch wenn er einen Porsche hat. Man einigt sich schliesslich auf ein Porträt mit seinem Zweitauto, einem Audi Q7 Kombi, einer Familienkarosse, deren Anschaffung nötig wurde, als im Februar dieses Jahres eine Tochter zur Welt kam.
Selbstverständlich wird die Anschaffung eines solchen Autos »nötig«, wenn ein Kind auf die Welt kommt, schliesslich kaufen sich alle werdenden Eltern ein SUV, das ein Energieeffizienzlabel von G hat und rund 20 Liter im Stadtverkehr verbraucht - und nebenher ca. 100'000 Schweizer Franken kostet.
Zum Schluss zwei Aussagen. Gegenargumente sind herzlich willkommen!
  1. In Westeuropa ist es nicht verantwortbar, den Arbeitsweg mit dem Auto zurückzulegen. Wer nicht in vernünftiger Frist am Arbeitsort ist, soll umziehen. (Lange Arbeitswege werden in der Schweiz durch Steuerabzüge gar noch subventioniert, anstatt mit einem Zuschlag belegt.)
  2. Eine Auto, das mehr als 6 Liter verbraucht, zu fahren, müsste eine moralisch anrüchige Handlung werden.

Der intelligenteste Browser

Die IQ-League wertet ihren IQ-Test nach Browser und OS aus, wie slashdot berichtet. Welchen Browser benützen wohl die intelligentesten Leute - und welches Betriebssystem?
(Tipp: Der Schreiber setzt auf den Firefox-Browser auf Mac OS X.)

Samstag, 24. Mai 2008

Vom Nutzen und Nachtheil der Demokratie

Wir sollen zu einer Vorlage Stellung nehmen, die »für demokratische Einbürgerungen« betitelt ist. Nun ist »für Demokratie« zu sein in Westeuropa ein wenig auszeichnendes Merkmal, wer könnte nicht für Demokratie sein, wo doch Demokratie erstens die Basis unseres Wohlstands und die Basis unserer moralischen Superiorität gegenüber allen anderen Ländern und Völkern ist. Wären die auch demokratisch, würds denen auch so gut wie uns gehen - so eine zugrunde liegende Annahme (vgl. dazu den ausgezeichneten Artikel von Zizek im Tagi-Magi).
Kritisiert man demokratische Prozesse, so kriegt man recht schnell das Bonmot von Churchill zu hören, wonach Demokratie die schlechteste aller Staatsformen sei, wenn man alle anderen ausnähme. Dennoch hier ein paar kritische Anmerkungen, die zeigen sollen, dass man gegen demokratische Einbürgerungen sein kann, selbst wenn es sich dabei nicht um eine ideologische Wortverdrehung der Marketingmaschine SVP (siehe aktuelle WOZ) handeln würde.

  • Demokratie funktioniert nur in überschaubaren Gemeinschaften: Hintergründe und Folgen von Entscheiden müssen für die darüber Befindenden erkennbar sein, damit sie ein sinnvolles Urteil abgeben können.
  • Eine Meinung ist kein Urteil: Ich mag eine Meinung darüber haben, welches das beste Team an der Euro 08 ist (Kroatien), aber ich würde mir darüber kein Urteil (das rational begründbar sein müsste) anmassen. Bei den meisten Vorlagen, die in der Schweiz zur Abstimmung gelangen, muss ich einen erheblichen Aufwand betreiben, um von der Meinungsebene auf die Urteilsebene wechseln zu können; ein Aufwand, den die meisten Leute nicht auf sich zu nehmen gewillt sind.
  • In einer Demokratie sollte Beeinflussung von Abstimmenden nicht instituationalisiert und mit verdrehten und falschen so genannten Fakten erfolgen - was in jedem demokratischen Land aber der Fall ist. Wir leben in Marketingdemokratien.
  • Demokratisch gefällte Entscheide sollten für die Betroffenen verbindlich sein. Gerade die wichtigsten Institutionen (multinationale Konzerne) unterliegen demokratischen Prozessen nicht mehr, sie gehören zu keiner Gemeinschaft und wechseln Länder und Regionen nach Belieben, um nach eigenem Gutdünken vorgehen zu können - dem Gutdünken ihrer Aktionäre, also der Besitzenden. Faktisch werden wir von den Besitzenden regiert.
  • Demokratie bedeutet eine Balance zwischen Minderheiten und der Mehrheit. Die Mehrheitsentscheide müssen die Bedürfnisse der Minderheiten respektieren und aufnehmen. Das passiert in der jetzigen Situation ungenügend, und zwar vor allem in Hinsicht auf Ausländerinnen und Ausländer, die sämtlichen Pflichten unterworfen sind, denen auch Schweizerinnen und Schweizer unterworfen sind, aber nicht die gleichen Rechte haben. Das ist eine Diskriminierung, die nicht begründet werden kann(um die Rechte zu erhalten, muss man die Pflichten erfüllen, nicht sich in einer diffusen Art und Weise »integrieren«).
Ich könnte weitere Punkte anfügen, habe mich grade in Fahrt geschrieben: Doch die Stossrichtung ist klar. Kann man was ändern? Wohl kaum. Demokratie ist daher das überzeugendste System, weil es sich selbst auch abschaffen könnte, und gerade das zeigt die Einbürgerungsinitiative, welche die Basis unseres Rechtsstaates angreift. Leute, die sich scheinbar für das einsetzen, wofür die Schweiz steht, demontieren im gleichen Atemzug die wichtigsten Prozesse, die unser System einen gewissen Idealismus geben: Den, dass wir niemanden diskriminieren, alle gleich und fair behandeln. Und dazu brauchen wir keinen Systemwechsel, um das weiterhin zu tun.

Donnerstag, 22. Mai 2008

Ein EM-Text

Meine EM-Skepsis nähert sich derart schnell einem Höhepunkt, dass ich schon fast wieder begeistert bin. Und erhalte eine Mail von Simon, der schreibt:

Ich hab nun doch was zur EM gemacht, wollte Baschi das Feld nicht kampflos überlassen. Du findest das Audio-File hier.

Wenn Dir mein Slam-Text zur EURO 08 gefällt, dann mail ihn doch weiter, würde mich freuen.

Im Herbst 08 erscheint "Bissig in Moll", mein Buch mit CD. Hier kann man es bereits jetzt bestellen: www.echtzeit.ch

Freitag, 16. Mai 2008

Mehr lebende als tote Menschen - das Hamlet-Problem

In Jonathan Safran Foers letztem Roman, Extremely Loud & Icredibly Close, erwähnt der Ich-Erzähler, er habe in National Geographic gelesen, es gäbe mehr lebende Menschen als je gestorben seien. Oder anders formuliert: Wenn jede lebende Person gleichzeitig Hamlet spielen möchte und dazu einen Totenkopf braucht, gäbe es zu wenig Totenköpfe. Stimmt das? Nicht so einfach zu beantworten. Angenommen, es habe einmal den Moment gegeben, an dem es gleich viele Tote wie lebende Menschen gegeben hat, z.B. 10 oder 10'000 oder 10 Millionen.
In diesem Moment überlegen wir uns: sterbende Menschen pro Zeiteinheit (z.B. an einem Tag) - neu geborene Menschen pro Zeiteinheit.
Angenommen, an einem Tag sterben 2 Menschen und 3 werden neu geboren. Dann gibt es sicher Bevölkerungswachstum. Doch sind immer noch gleich viele tot wie lebendig? Nachrechnen ergibt:
Tote: 10+2 = 12
Lebende: 10-2+3 = 11
Wir sehen schnell: Es müssten doppelt so viele Menschen geboren werden, wie sterben, und das jeden Tag. Ob das so ist, oder nicht (bzw. schon immer so gewesen ist), können Demographen beantworten. Und sie sagen Folgendes:
Es gibt ungefähr 100 Millarden tote, aber nur ungefähr 7 Millarden lebende Menschen. Schluss: Stimmt nicht. Urban Legend. Faktoid. Aber ein Partyklassiker, wenn man nur die Zahlen etwas hinbiegt, z.B. pro Sekunde sterben 1.3 Menschen, aber es werden 3 neue geboren, also...

Donnerstag, 8. Mai 2008

Küng Challenge

Der Freakonomics-Blog sucht namhafte Ökonomen, die Clintons und McCains Vorschlag, während der Sommerferien die Treibstoffsteuer auszusetzen (wohl um die Urlaubenden zu belohnen) unterstützen würden. Gefunden hat er - bislang keine oder keinen.
Ich möchte dieses Vorgehen nun kopieren - ich suche eine medienkundige Peron, die unter Angaben von Gründen die folgende Behauptung stützen würde, Max Küng sei der beste Kolumnist der Schweiz (oder der bestaussehendste). Man darf sich in den Kommentaren austoben.

Montag, 5. Mai 2008

Englische Wörter, Teil X

Mal wieder zwei Wörter aus dem letzten Post von PostSecret (beim Lesen der Seite auf dem Netz und nicht in NetNewsWire eine Sinnkrise - was, wenn die deutschen Varianten nur nachgemachte Übersetzungen aus dem Englischen wären, alle Geheimnisse gar nicht wahr...ja, was dann?) habe ich mal wieder zwei englische Wörter aufgeschnappt, die der Welt erklärt gehören:

  • to ogle heißt angaffen - Brechts Galilei sagt dazu, dass gaffen nicht sehen sei, ganz recht
  • enema bezeichnet einen Einlauf (und gemäss irgendeiner Regel 34 gibt es davon auch Pornographie, wie PostSecret zeigt)

Trappatoni works friendly for the Nationalteam

Gewisse Fussballtrainer scheinen im Alter ein komisches Talent zu entwickeln (dass Gress lustiger ist, als alle seine Imitatoren zusammen, ist kein Geheimnis), das seltsamerweise nicht immer mit einer Einbusse an Sachkompetenz und Autorität einhergeht.
Und so applaudieren die versammelten Journalisten auch Trappatoni (unglaublich, wie viele das sind), obwohl er sich erstens nicht ausdrücken kann, zweitens offensichtlich keine Ahnung von der Mannschaft hat und drittens sagt, er habe Irland gewählt, weil das die kleinste Herausforderung für ihn sei (vielleicht hat er das sogar noch als Kompliment gemeint). Man sehe selbst:

Samstag, 3. Mai 2008

Web 2.0 becomes Real World

Gestern lese ich nichts ahnend ein Buch. Und stolpere über ein Zitat, das mir irgendwie bekannt vorkommt. Und merke: Das kommt mir nicht nur bekannt vor, sondern das stammt von mir, aus meiner Feder, ist ein Erguss meines Intellekts, und dazu ein peinlicher.
Soviel sei gesagt: Das Buch, in dem das Zitat vorkommt, ist Generation Doof (ich werde nicht als Vertreter der Generation, sondern als Kommentator zitiert, immerhin), und die zitierte Äußerung findet sich auf LycosIQ. Alles weitere soll ein lösbares Rätsel bleiben.